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Zwei Stolpersteine jetzt auch für Kyritz

Erinnerung an jüdische Familie Zwei Stolpersteine jetzt auch für Kyritz

Der als Rosengarten bezeichnete Kyritzer Stadtpark ist nicht nur „Denkmal des Monats Oktober 2015“. Das sumpfige Areal gehört auch zu einer Tragödie um die letzten Kyritzer Juden: Das Inventar ihres Haushaltswarenladens wurde einst in den Morast gekippt. Nun sollen vor das frühere Geschäftshaus zwei Stolpersteine gesetzt werden. Und es gibt eine weitere Idee.

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Das sumpfige Gelände, in das einst jüdisches Inventar gekippt wurde, ist längst einem Teich mit gestalteter Umgebung gewichen.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Die Kyritzer Parkanlage „Rosengarten“ wird ihrer Auszeichnung als „Denkmal des Monats Oktober 2015“ der Landesarbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ derzeit mehr als gerecht: Zum Nachdenken, zum Erinnern, was sich in der Geschichte einst abspielte, fühlt sich aus diesem Anlass beispielsweise Hartmut Hanke aus dem Stadtteil Holzhausen bemüßigt. Nicht nur, weil das seit Einweihung der Anlage begangene Rosengartenfest einst von der Kyritzer „Lokalen Agenda 21“ ins Leben gerufen wurde, die Hanke mitinitiierte, nunmehr jedoch brachliegt. Nicht nur, weil die Agenda-Gruppe damals die Idee mit dem Kinderspielplatz in diesem Stadtpark hatte und Geld dafür sammelte. Nicht nur, weil die „Agendianer“ sich um die Wintereinhausung für eine nackte, aus weißem Carrara-Marmor gefertigte Dame kümmerten, wenngleich diese Skulptur namens „Woge“ ideologisch nicht unumstritten ist, gilt sie doch als ein Hauptwerk des in den 1930er und 40er Jahren von den Nazis gefeierten Fritz Klimsch.

Sondern, so berichtet Hartmut Hanke: „In derselben Zeit spielt die Geschichte um den letzten Bürger jüdischer Abstammung in Kyritz, Theodor Calmon, dessen Laden nahe der derzeit im Bau befindlichen Kita gelegen war. Nazi-Schergen plünderten schon vor der Reichspogromnacht seinen Laden in der Prinzenstraße, schmissen diese Waren auf die Straße und kippten diese Sachen dann in ein Modderloch im Rosengarten, darunter etwa Porzellan.“

In Calmons Laden, der dem Haus in der heutigen Prinzenstraße 1 nach Vermauerung des Schaufensters nicht mehr anzusehen ist, befand sich auch die Kyritzer Synagoge. „Darunter darf man sich aber kein eigenständiges Gebäude vorstellen, sondern einen Gebetsraum mit einer Thora-Schule einfach in einem Haushalt“, erklärt Hanke.

Dorte Schmeissner, Vorsitzende des Historischen Heimatvereins für Kyritz und die Ostprignitz sowie SPD-Stadtverordnete, bestätigt diese Zusammenhänge – und lässt sich angesichts des Rosengartens als „Denkmal des Monats“ ebenso zum Erinnern animieren. Schließlich fehlt es in Kyritz nach wie vor an einem kleinen, dennoch wichtigen Baustein des Gedenkens. Es sind zwei sogenannte Stolpersteine. Sie sollen vor Theodor Calmons Haus an ihn als jüdischen Kaufmann und dessen Tochter erinnern.

Vor Calmons Haus in Kyritz sollen „Stolpersteine“ verlegt werden

Vor Calmons Haus in Kyritz sollen „Stolpersteine“ verlegt werden.

Quelle: Matthias Anke

Schon Ende 2012 nahmen sich die Stadtverordneten dieses Themas an. Im Herbst 2013 war das notwendige Geld über Spenden eingeworben. Anfang 2014 markierte Bürgermeisterin Nora Görke sogar schon die Stelle für die Steine im Gedenken an Theodor Calmon und Tochter Henny Lucie.

Der 75-jährige Calmon verlor nach dem Überfall auf sein Haushaltswarengeschäft seine Kundschaft, zwei Jahre später verkaufte er das Haus. Da er keine Mietwohnung fand, verließ er am 31. März 1936 die Stadt und ging zu seiner bereits in Berlin lebenden Tochter. Fünf Wochen später starb Theodor Calmon. Henny Lucie wurde 1942 deportiert und ermordet.

Aus gesundheitlichen Gründen habe sich Dorte Schmeissner nicht weiter um die Stolpersteine kümmern können. „Gunter Demnig ist jetzt aber informiert. Wir warten nur noch auf einen Termin“, sagt sie. Der Kölner Künstler Demnig verlegt seit Anfang der 1990er Jahre diese Steine, mit denen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Inzwischen sind es mehr als 55 000 Steine in 20 Ländern Europas. Hartmut Hanke hat darüber hinaus eine weitere Idee: Ein neunarmiger Bronze-Leuchter könnte auch im Rosengarten an die Geschehnisse erinnern. „Das stünde diesem Denkmal gut an.“

Von Matthias Anke

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