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Zwischen Psychodschungel und Amouren

Wittstock Zwischen Psychodschungel und Amouren

Zwei Jahrzehnte hat der Berliner Peter Mannsdorf in zwei therapeutischen Wohngemeinschaften für psychisch Kranke verbracht. Seine Erlebnisse finden sich in vielen seiner Bücher wieder. zwei davon stellte er am Donnerstagabend in der Wittstocker Bibliothek vor. Zustande gekommen war die Lesung durch die Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt.

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Peter Mannsdorff las in Wittstock über sein Leben in einer therapeutischen WG.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Zehn Jahre hat der Berliner Autor Peter Mannsdorff in zwei therapeutischen Wohngemeinschaften verbracht. Seine Erlebnisse und Erfahrungen brachte der 60-Jährige in mehreren Büchern zu Papier. Am Donnerstagabend stellte er in der Wittstocker Bibliothek seinen humoristischen Erlebnisbericht „Das verrückte Wohnen“ und den WG-Krimi „Wind um Willi“ vor.

Georgia Arndt (r) und Katrin Ulmer begrüßten das Publikum

Georgia Arndt (r.) und Katrin Ulmer begrüßten das Publikum.

Quelle: Christian Bark

Bereits im vergangenen Jahr war der Autor in der Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wittstock zu Gast gewesen und hatte für größtenteils ebenfalls von einer seelischen Krankheit Betroffene gelesen. Darauf aufmerksam geworden, nahm Bibliotheksleiterin Georgia Arndt Kontakt zu Awo-Mitarbeiterin Katrin Ulmer auf. „So entstand das erste Joint Venture zwischen unseren beiden Einrichtungen“, sagte die Bibliotheksleiterin am Donnerstagabend. Für ihre Leseveranstaltungsreihe „Live um 6“ sei sie immer auf der Suche nach interessanten Autoren. „So ein autobiografischer Bericht ist immer ganz besonders spannend“, sagte Georgia Arndt. Sie finde es bemerkenswert, dass Peter Mannsdorff den Mut gefunden hätte, seine Erfahrungen aufzuschreiben.

Trennung nicht verarbeitet

Dieser hatte Mitte der 80er Jahre als junger Mann die Diagnose „schizoaffektive Störung“ erhalten. Er sei oft depressiv gewesen. Auslöser sei die Liebesbeziehung zu einer Französin gewesen, die der Romanistikstudent nach der Trennung nur schwer verarbeiten konnte. In Kombination mit den Recherchen zu einem französchen Schriftsteller und der Entdeckung eines seiner Artikel, der ihn einfach nicht losgelassen hätte, sei er erkrankt.

Das Publikum lauschte aufmerksam und konnte später Fragen loswerden

Das Publikum lauschte aufmerksam und konnte später Fragen loswerden.

Quelle: Christian Bark

In „Das verrückte Wohnen“ beschreibt Peter Mannsdorff, der im Buch Peter Fallistel heißt – einer Kombination aus „Fall“ und dem Namen des Psychologen Charles Ransom Gallistel – wie er 1986 nach der Entlassung aus der Klinik „auf Probe“ in ein Übergangswohnheim in Berlin Lankwitz einzieht. Dort verguckt er sich in die Bewohnerin Carola, die aber außer anfänglicher Sympathie nicht mehr für ihn übrig zu haben scheint. Der Autor beschreibt seine Mitbewohner – besonderen Halt und Anlass zum Schreiben habe ihm die damals 25 Jahre ältere Mitbewohnerin Julia gegeben. Auch, als Carola mit Mannsdorffs Mitbewohner Michael die WG-Kasse plündert und durchbrennt, lässt das den Autoren nicht trostlos zurück. „Ich möchte die Zeit dort zwar nicht missen, zurück will ich aber auch nicht“, sagte er. Heute lebt Peter Mannsdorff mit seiner Frau ebenfalls in Berlin-Lankwitz, wie er berichtete – nur zwei Busstationen vom Übergangswohnheim entfernt.

Dass Peter Mannsdorff es trotz seiner seelischen Erkrankung geschafft hat, seine, wie er sagte „wirren Gedanken salonfähig aufzuschreiben“, brachte ihm auch den Respekt seines Wittstocker Publikums. Manchmal auch Schmunzeln über amüsante Passagen in dem „Psycho-Dschungel“, der dem Autor zufolge trotz allem eine liebenswürdige Welt darstellt. Amüsant wurde es auch im Kriminalroman „Wind um Willi“. Darin schaffte es die WG in Eigenregie, ganz ohne Polizei, den Fall des entführten Jungen Willi zu lösen.

Einen Steckbrief zu Peter Mannsdorff gibt es hier.

Von Christian Bark

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