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Ostprignitz-Ruppin Altlasten des Krieges bis heute spürbar
Lokales Ostprignitz-Ruppin Altlasten des Krieges bis heute spürbar
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13:06 26.02.2018
Im Juli 2014 entschärfte der Kampfmittelbeseitigungsdienst eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe in Wittenberge. Quelle: Dpa
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Wittstock

Auch 73 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind dessen Folgen in Form von Munitionsaltlasten im Prignitzer und Ruppiner Boden noch zu spüren. Besonders dann, wenn wieder der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) des Landes in die Region ausrücken muss, um Blindgänger zu entschärfen oder gezielt zu sprengen.

Der Historiker Wolfgang Dost hat rekonstruiert, welche Häuser beim Luftangriff am 22. Februar 1945 in Wittstock getroffen wurden. Quelle: Christian Bark

In einigen Fällen sind dann auch Evakuierungen der hiesigen Bevölkerung notwendig. Wie im Sommer 2014, als eine 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe bei Bauarbeiten im Körper des Rehwischdeichs bei Wittenberge entdeckt worden war. Im Rahmen der Entschärfung mussten 2000 Menschen ihre Häuser in einem Radius von rund 10 000 Metern rund um die Fundstelle verlassen, darunter 112 Bewohner des Evangelischen Seniorenzentrums „Willi Kupas”. „Die Evakuierung hatte die Stadtverwaltung im Auftrag des Landkreises übernommen“, blickt Wittenberges Stadtsprecherin Christiane Schomaker zurück. Das sei zwar eine Herausforderung gewesen, habe aber alles gut funktioniert. Zuletzt waren vor einem Jahr bei Wittenberge 18 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt worden.

Viele der Kampfmittelaltlasten stammen von Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg. Allein am 22. Februar 1945 waren 216 Tonnen Bomben auf die Stadt gefallen. 72 amerikanische Bomber hatten sie im Rahmen der Operation „Clarion“ auf die Stadt geworfen. „Wittenberge war damals mit ein Zentrum der Kriegsproduktion“, verweist Christiane Schomaker auf eine Fabrik für Gewehre sowie für Tuchwolle. Neben Produktionsstätten und dem Bahngelände wurden aber auch zivile Objekte getroffen. 28 Menschenleben soll der Angriff vor 73 Jahren gekostet haben.

In Wittenberge hatten zahlreiche Bewohner eines Seniorenzentrums evakuiert werden müssen Quelle: Jens Wegner

Während im Laufe von „Clarion“ Städte in der Umgebung wie Stendal oder Ludwigslust gezielt angeflogen wurden, entledigten sich US-amerikanische Flugzeuge am selben Tag über Wittstock wahrscheinlich nur ihrer Bombenlast, wie der Historiker Wolfgang Dost vermutet. In zwei Linien sollen die Flieger ihre tödliche Ladung über der damaligen „Ostmarksiedlung“, der heutigen „Rosenplansiedlung“, abgeworfen haben. Dabei sollen sie 20 der 51 Häuser zerstört und auch Teile der historischen Wallanlagen getroffen haben. 50 Todesopfer wurden namentlich aufgeführt. An Entschärfungs- oder Sprengungsaktionen in der jüngsten Vergangenheit wie in Wittenberge kann sich Wolfgang Dost jedoch nicht erinnern.

89-mal kam der Kampfmittelbeseitigungsdienst

24,1 Tonnen Kampfmittel machte der KMBD 2017 in Ostprignitz-Ruppin unschädlich. In der Prignitz waren es 7,4 Tonnen. Dabei rückten die Spezialisten 68-mal nach Ostprignitz-Ruppin und 21-mal in die Prignitz aus.

Munition, die nicht vor Ort gesprengt wird, landet auf dem Gelände des Munitionszerlegebetriebs mit Sitz in Kummersdorf-Gut (Teltow-Fläming).

Rund 12,6 Millionen Euro musste Brandenburg 2017 für die landesweiten Einsätze des KMBD aufbringen.

Zuletzt aus einem Sperrkreis evakuiert werden mussten in Neuruppin zahlreiche Einwohner im Juni 2013. Damals musste eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe auf dem Friedhof gezielt gesprengt werden, nachdem zuvor eine zweite entschärft worden war. In diesem Jahr gab es Stadtsprecherin Michaela Ott zufolge Ende Januar zwei gezielte Sprengungen von Granaten am Seeufer.

„Die Prignitz und Ruppin waren im Zweiten Weltkrieg nicht unmittelbares Kampfgebiet“, verweist Frank Pestel vom KMBD in Wünsdorf auf die relativ geringe Zahl der Einsätze seiner Kollegen in der Region. 2017 seien es 21 in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin 68 gewesen. Zum Vergleich: In der Uckermark, quasi an der damaligen Oderfront, seien es 521 gewesen. Mit über 31 Tonnen sei in der Region im vergangenen Jahr nur ein Bruchteil dessen entsorgt worden, was an Kampfmitteln landesweit entschärft oder gezielt gesprengt worden war: nämlich über 280 Tonnen. Die Einsätze hätten das Land rund 12,6 Millionen Euro gekostet.

„Bis heute eine Gefahr“ – Ein Kommentar von Christian Bark

In der Prignitz und in Ruppin haben wir ja fast schon Glück gehabt, was Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg angeht. Zumindest gab es bei uns in letzter Zeit wenige Entschärfungseinsätze, die groß angelegte Evakuierungen zur Folge hatten. Wenn ich da an Oranienburg denke, wo 2017 regelmäßig Sprengungen von Weltkriegsbomben erfolgt waren, ging es bei uns weit ruhiger zu. Blicken wir in die Geschichte, müssen wir aber auch feststellen, dass viele dieser Bomben gar nicht mehr hätten fallen müssen. Zwar richteten sich die alliierten Bombardements Ende des Krieges auch gegen kleinere Städte mit wichtiger Industrie oder Infrastruktur, dennoch erschütterte man hierbei eher moralisch einen Feind, der zu diesem Zeitpunkt schon fast am Boden lag. Die Relikte des mörderischen Krieges, den die Nationalsozialisten ausgelöst hatten, sind uns bis heute erhalten geblieben.

Von Christian Bark

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