Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
... und plötzlich war der Weg dicht

Lindow: Grenzzaun erhitzt die Gemüter ... und plötzlich war der Weg dicht

Wie an der Zonengrenze: Seit Kurzem verläuft ein Zaun mitten über eine Anliegerstraße in Lindow (Ostprignitz-Ruppin). Weil der Rönnebecker Weg nie als Weg eingetragen wurde, hat der neue Eigentümer des Grundstücks ihn kurzerhand dicht gemacht. Zu den Anwohnern kommt seitdem weder die Müllabfuhr noch der Heizöllieferant – und die Stadt hält sich raus.

Voriger Artikel
In Neuruppin knallen die Sektkorken
Nächster Artikel
Kein Geld für Neuruppiner Straßenausbau

Sperrgebiet: Der Rönnebecker Weg führte eng an abschüssigem Gelände entlang. Nun ist er auch noch mit einem Zaun gesperrt.

Quelle: Christian Schmettow

Lindow. Das Müllauto hatte es schon bisher nicht leicht im Rönnebecker Weg in Lindow. Die unbefestigte Piste zweigt vom Banzendorfer Weg ab, geht steil bergauf und dann zweimal in eine scharfe Rechtskurve. Rechts und links des Weges stehen Häuser, Hecken, Gartenmauern. Und seit Kurzem geht für große Fahrzeuge gar nichts mehr: Ein nagelneuer Maschendrahtzaun ist quer über die Fahrspur gesetzt, bevor diese wieder auf die Hauptstraße trifft. „Das Befahren unseres Privatgrundstücks wird ab dem 28. November 2015 nicht mehr möglich sein“, steht auf einem improvisierten Schild. Seitdem kommt die Müllabfuhr nicht mehr in den Rönnebecker Weg. Das Müllauto hat keine Chance, vor dem Zaun zu wenden. Rückwärts fahren kann es auf der engen, abschüssigen Straße auch nicht.

Ray Thaler übt sich seitdem in Müllvermeidung. So selten wie möglich will der Anlieger des letzten Grundstücks vor dem Zaun seine volle Tonne 250 Meter weit über Geröll bis an den Banzendorfer Weg schaffen. Die Post und der Paketzusteller hätten auch schon angekündigt, dass sie ab Januar nicht mehr ans Haus liefern. Was erst werden soll, wenn er neues Heizöl braucht, mag sich Ray Thaler gar nicht ausmalen.

Der neue Eigentümer will keine Straße im Garten haben

Er lebt seit mehr als 30 Jahren in Lindow. Ihm und seinen Nachbarn schwante bereits Böses, als das abschüssige Grundstück verkauft wurde, das bis dahin einer privaten Hühnerzucht diente. Der neue Eigentümer aus dem Nachbarkreis Oberhavel will auf dem Gelände ein Haus bauen. Auf eine Straße durch seinen Garten kann er dabei gern verzichten – sein Grundstück ist vom Banzendorfer Weg aus zu erreichen.

Ray Thaler und mehrere seiner Nachbarn kamen am Donnerstagabend in die Lindower Stadtverordnetenversammlung und baten um Hilfe. Nicht ganz diplomatisch warfen sie dabei den Stadtverordneten vor, geschlafen zu haben, denn eine für dieses Jahr versprochene Vermessung der Grundstücke sei immer noch nicht erfolgt. Der Auftrag sei längst ausgelöst worden, erwiderte die Bauamtsleiterin Carmen Noack. Doch die beauftragte Firma lasse auf sich warten.

Dichtgemacht

Dichtgemacht: Der neue Grundstückseigentümer duldet den wilden Gewohnheitsweg nicht länger.

Quelle: Christian Schmettow

Amtsdirektor Danilo Lieske (SPD) sieht ohnehin nicht die Stadt in der Verantwortung. Es handele sich um einen Konflikt unter privaten Grundstückseigentümern. Der könne erst gelöst werden, wenn einer der Privatanlieger nachgibt. Denkbar wären eine Wendeschleife vor dem Zaun oder wenigstens ein Wendehammer, der es großen Fahrzeugen möglich macht, umzudrehen. Dafür müsse aber in jedem Fall jemand einen Teil seines Gartens hergeben, und wer Land hergibt, der erwarte dafür eine Gegenleistung, vermutet der Verwaltungschef: „Eine Lösung zum Nulltarif wird es nicht geben.“ Das aber müssten die Nachbarn unter sich ausmachen. Den Anliegern des Rönnebecker Weges falle nun auf die Füße, dass Grundstücksgrenzen und Grundbesitz zu DDR-Zeiten keine große Rolle spielten. Wegerechte wurden per Handschlag besiegelt. „Wenn der neue Eigentümer hinten nicht zugemacht hätte, würde Sie doch bis heute nicht interessieren, ob der Weg öffentlich gewidmet ist“, hielt Danilo Lieske den Anwohnern entgegen und warnte zugleich vor weiteren Problemen, die sich aus der in Auftrag gegebenen Vermessung ergeben könnten: Dabei könne auch herauskommen, dass weitere Grundstücke auf den Weg ragen oder dass dieser eigentlich nur 1,50 Meter breit ist. „Wenn dann ein Eigentümer spitzfindig ist, können Sie alle gleich auch Ihre Autos unten stehen lassen“, prophezeite der Amtsdirektor.

In Vielitz blockiert schon seit Jahren ein Gartenzaun einen Uferwanderweg, weil sich Anlieger über Grundstücksgrenzen uneinig sind. So weit will es Ray Thaler in Lindow nicht kommen lassen. Er wäre durchaus bereit, einen Teil seines Gartens für einen Wendehammer zu opfern. Doch selbst dann würde es sehr eng – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Gelände neben dem gesperrten Weg ist – ganz untypisch für Brandenburg – wirklich sehr abschüssig.

Von Christian Schmettow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg