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Ostprignitz-Ruppin Wut nach Interview mit einer Tschetschenin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wut nach Interview mit einer Tschetschenin
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00:22 03.04.2018
Christian R. ist empört über die Aussagen einer Mutter von tschetschenischen Jugendlichen. Er sagt, sie waren es, die seinen damals 13-jährigen Sohn in Dezember 2016 für mehrere Tage ins Krankenhaus prügelten. Quelle: Matthias Anke
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Wusterhausen

Das Interview, das die Mutter einer in Wittstock lebenden tschetschenischen Familie der MAZ gab, hat bei vielen Lesern für Empörung gesorgt. Die Frau hatte nach Gewalt-Vorfällen, in die Mitglieder ihrer Familie verwickelt waren, über ihr Schicksal, das Leben der Flüchtlinge im Kreis Ostprignitz-Ruppin und die Hintergründe einiger Geschehnisse gesprochen.

Zu den erzürnten Lesern gehört Christian R.*. Er ist der Vater eines damals 13-jährigen Jungen, der vor 16 Monaten auf dem Sportplatz von Wusterhausen von tschetschenischen Jugendlichen krankenhausreif geschlagen wurde. Der Berliner Polizist, der in der Gemeinde Wusterhausen lebt, ist sicher, dass es sich um Mitglieder derselben Familie handelt, die nun im Interview zu Wort kam. Die Polizeidirektion Nord in Neuruppin hat das auf MAZ-Nachfrage bestätigt.

Nach der Tat habe sich bis heute nichts in dem Fall gerührt

Wie die Mutter dieser Jugendlichen die gewalttätigen Übergriffe rechtfertige, sei „eine bodenlose Frechheit“, findet der betroffene Vater. Die entsprechende Zeitungsausgabe flattert zwischen seinen Händen. Nasskalter Wind drückt sich in die Banden des Mini-Fußballfeldes. An den Seiten prangt das Logo der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“.

Seit dem Vorfall hier auf dem Sportplatz von Wusterhausen sind ein Jahr und drei Monate vergangen. „Nach der Vernehmung im Januar gaben wir die Sache unserem Rechtsanwalt, um auf Schmerzensgeld zu klagen. Doch bis heute rührte sich nichts“, sagt der Vater.

Sohn lag nach dem Übergriff tagelang im Krankenhaus

Alle Wunden seines Sohnes seien zwar äußerlich verheilt. „Aber in den Kopf, in die Seele, kann man nicht reingucken. Nun ist er ja mittlerweile 15, und ich denke mal, er verarbeitet das schon irgendwie.“

Der Vater schildert das Geschehen so: „Die Jungs spielten zu dritt abends noch etwas Fußball. Es war beinahe dunkel, als sie völlig grundlos angegriffen wurden. Wer weiß schon genau, wer was sagte? Aber mein Sohn wollte einfach nur dazwischengehen und wurde sofort brutal zusammengeschlagen und getreten. Aus einer benachbarten Zahnarztpraxis holte jemand Hilfe. Mein Sohn lag dann sehr lange im Krankenhaus.“

Kurz zuvor wurde in Neustadt ein 15-Jähriger zusammengeschlagen

Tags zuvor passierte einem 15-Jährigen auf dem Neustädter Bahnhof ähnliches, und es soll wohl mindestens einer der Täter derselbe gewesen sein wie beim Vorfall in Wusterhausen. In beiden Fällen waren Tschetschenen die mutmaßlichen und deutlich älteren Täter.

In den folgenden Zeitungsmeldungen blieb die Nationalität allerdings offen. Von Tatverdächtigen wird sie generell nicht genannt, es sei denn, sie sind für die Tateinordnung wichtig. So sieht es der Pressekodex vor, die Richtlinie für journalistisches Handeln. Denn es prügeln sich auch Deutsche ständig untereinander, und es war zu dem Zeitpunkt damals noch nicht ersichtlich, was genau miteinander zusammenhängt. Erst damit gewann die Nationalität an Gewicht und wurde fortan stets erwähnt.

Nach Angriffen einer tschetschenischen Gruppe auf einheimische Kinder und Jugendliche: Bereitschaftspolizisten sicherten im Dezember 2016 in Neustadt den Bahnhofsvorplatz und das Schulgelände, um einen „Gegenschlag“ zu verhindern. Quelle: Archivfoto Beckmann

„Das ist ja auch mehr als auffällig, wenn eine Familie von Kyritz über Wusterhausen, Lindow und Rheinsberg nach Wittstock gelangt und jedes Mal für Ärger sorgt. Deshalb regt es mich auf, was die tschetschenische Mutter im Interview sagt“, so der Vater: „Es klingt alles nur nach Rechtfertigung. Es habe ja alles seine Gründe, dass dieses oder jenes so kam, sagt sie. Sie drückt auf die Tränendrüse, und es mag ihr und ihrer Familie in ihrem Land sogar ans Leben gegangen worden sein. Aber damit für immer sein Verhalten zu begründen und im Prinzip ja Straftaten zu rechtfertigen, das geht nicht.“

Ein Satz der Tschetschenin klingt wie eine Drohung

Dabei sagt die Frau im Interview, ihre Familie habe mit vielen Vorfällen gar nichts zu tun. Sie verneint, dass Familienmitglieder jemals Straftaten begingen.

Christian R. dazu: „Sie sagt zugleich aber auch: ,Wir würden Euch Deutsche ja in Ruhe lassen, wenn wir könnten’. Meint doch: ,Wer uns Tschetschenen anpöbelt, muss eben mit erheblicher Gegenwehr rechnen.’ Selbst schuld, wenn man dann totgeprügelt wird? Das darf doch nicht sein! Und sogar der Polizeisprecher sagt ja, es sei genau diese achtköpfige Familie, die der Polizei immer wieder Probleme bereitet. Oder die Frau weiß absolut nicht, was ihre Söhne so treiben. Das kann ich aber nicht glauben. Diese Aussagen sind für mich daher eine bodenlose Frechheit.“

Auch die Polizei wundert sich über einige Aussagen im Interview

Die Polizei zeigt sich über dieses Interview ebenso entsprechend „verwundert“, wie Ariane Feierbach sagt. Viele Aussagen der Frau über Tathergänge würden nicht dem entsprechen, was bei der Polizei bekannt ist. „Sehr wohl sind von Mitgliedern dieser Familie Straftaten begangen worden, speziell von den Söhnen“, sagt die Direktionssprecherin. Dabei handele es sich zwar „nicht um schwere Verbrechen, aber um eine Vielzahl anderer Delikte“. Die Aussage, nie Straftaten begangen zu haben, könne nur damit zusammenhängen, dass es bisher zu keiner Verurteilung kam.

Es geht neben Körperverletzungen unter anderem um mehrfaches Fahren ohne Führerschein und Ladendiebstähle. Dabei seien die Täter nicht immer allein vorgegangenen. Die Rede ist von wechselnden Gruppen, darunter Mitglieder anderer tschetschenischer Familien in der Region, aber auch mit Flüchtlingen anderer Nationalitäten.

Selbst Lehrer lasen den Text „kopfschüttelnd“

Viele Fälle sind nicht nur der Polizei bekannt, sondern auch den Betreuern dieser Menschen. Lehrer, die Deutschunterricht gaben oder in deren Klasse mancher schon integriert war, gehören dazu. Die Erklärungen der Mutter seien von vielen „kopfschüttelnd“ gelesen worden, erzählt einer, der namentlich nicht genannt werden möchte. Zu groß ist die Angst vor Ärger.

Vater: Natürlich sind deshalb nicht alle Tschetschenen gleich

In mehreren Leser-Reaktionen aber wird nun ganz allgemein über die Tschetschenen, von denen insgesamt 300 im Landkreis leben, und über Ausländer generell gesprochen. „Also für mich sind wegen dieser Fälle ja nicht alle Tschetschenen gleich. Nur wer so rücksichtslos durch den Landkreis marodiert, hat das doch mit verursacht. Sich dann aber selbst als Opfer hinzustellen, das ist eine Farce“, sagt der Vater mit Blick auf das Interview, das der Verein Opferperspektive ermöglicht hatte. Die Mitglieder setzen sich gegen rechte Gewalt und rassistische Diskriminierung ein. Sinn des Interviews sollte es sein, gerade um nicht nur über diese Leute zu sprechen, sondern auch mit ihnen.

„Als mein Junge im Krankenhaus lag, wo gab es da eine Opferhilfe? Nirgends. Es hat einfach niemanden interessiert. Eine Kontaktaufnahme gab es nie“, beschwert sich der Vater: „Wenn drei Deutsche aber über zwei ausländische deutlich jüngere Kinder hergefallen wären, nicht auszudenken, was es dann für ein Trara gegeben hätte.“

Eindruck entstanden, als sei in Wittstock ein Lynch-Mob losgezogen

So aber machte sich in Wittstock zuletzt eine aufgebrachte Gruppe auf den Weg, um die Tschetschenen zur Rede zu stellen. Zu einem ähnlichem Vorfall wäre es einst auch in Neustadt fast gekommen, erinnert sich der Vater: „So eine Reaktion ist nicht der richtige Weg, das will ich nicht gutheißen. Aber man muss wissen, dass nach solchen Übergriffen Emotionen hochschlagen. Da zeigt man sich natürlich solidarisch mit den Freunden, wenn denen sowas passiert ist. Aber dargestellt wird es jetzt so, als wäre in Wittstock ein regelrechter Lynch-Mob losgezogen.“

Der Polizist sagt, dass solche Übertreibung nur im Sinne der betroffenen Familie sei. Er verweist auf eine entsprechende Verordnung in Brandenburg. Gemäß dieser haben Flüchtlinge mit laufenden Asylverfahren oder sogar Ausreisepflichtige doch noch Aussichten auf ein Bleiberecht, wenn sie als Opfer rechter Gewalt gelten. „Und denen, um die es da jetzt, traue ich zu, dass sie sich als solche Opfer sehen. Die provozieren es doch regelrecht.“

Umzüge wegen Problemen, statt Probleme wegen der Umzüge

Dass die Mutter beteuert, dass es wegen der dauernden Umzüge zu Problemen kam, dass sie nicht mal nach Wittstock wollten, ist für ihn ebenso unverständlich: „Wegen der Probleme kam es zu den Umzügen. So herum. Ich behaupte, die Familie war aufgrund der begangenen Straftaten für die jeweilige Gemeinde nicht mehr tragbar und die Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu groß.“

Wusterhausens Vize-Bürgermeister Jürgen Gottschalk bestätigt, dass der Umzug notwendig wurde „in der Hoffnung, dass es in einem anderen Sozialraum besser funktioniert“. Allerdings sei man damals „nicht Herr des Verfahrens gewesen“, wenngleich es Gespräche zwischen der Gemeinde und den jeweiligen Behörden gab, die dann die Entscheidung trafen.

Für eine Entschuldigung sei Zeit genug gewesen

Ob sich denn etwas wiedergutmachen ließe, wenn sich die Jungs von damals beim Sohn entschuldigen würden? „Diese Frage stellt sich mir nicht“, sagt der Vater: „Dazu hätten die doch jetzt seit über einem Jahr genug Zeit gehabt.“

*Der Vater möchte aus Sorge vor weiterem Ärger seinen kompletten Namen nicht veröffentlichen.

Von Matthias Anke

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