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Polizei Abbiegen und Vorfahrt – das sind die Probleme
Lokales Polizei Abbiegen und Vorfahrt – das sind die Probleme
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02:18 30.04.2018
Inspektionsleiter Lars Borchardt, Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner (Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Bürgermeister), Landrat Ludger Weskamp und Direktionsleiter Frank Storch (v.l.). Quelle: Foto: Bert Wittke
Oranienburg

Die Kriminalitätsrate in Oberhavel liegt vergleichsweise sowohl unter dem Durchschnitt Brandenburgs als auch des Bundes. Zu dieser Einschätzung gelangten am Freitag in Oranienburg sowohl der Leiter der Polizeidirektion Nord, Frank Storch, als auch der Leiter der Polizeiinspektion Oberhavel, Lars Borchardt. Beide hatten zuvor mit Vertretern der Kreisverwaltung sowie den Bürgermeistern und dem Granseer Amtsdirektor über die Sicherheitslage in Oberhavel gesprochen.

Zahl der Unfalltoten hat sich verdoppelt

Während alle Beteiligten mit Stolz auf die sinkende Kriminalitätsrate blicken (12 821 Fälle 2017 im Vergleich zu 13 525 im Jahr 2016) geben die Verkehrsunfallzahlen eher Anlass zur Sorge. Wurden 2016 im Kreis 5742 Verkehrsunfälle gezählt, waren es im Folgejahr 6060. 14 Personen, die bei Unfällen 2017 getötet wurden, bedeuten im Vergleich zum Vorjahr eine Verdopplung der Opferzahl. „Das gefällt uns natürlich überhaupt nicht“, sagte Lars Borchardt und bedeute landesweit die höchste Gefahrenstufe. Auffällig sei, dass sich drei Viertel aller Verkehrsunfälle innerorts ereignen. „Abbiegen und Vorfahrt“, so Lars Borchardt, „sind die wirklichen Probleme.“

Weniger Wohnungseinbrüche

Erfreulich ist die Entwicklung bei der Zahl der Wohnungseinbrüche. Auf diesem Gebiet, so hieß es am Freitag, sei 2017 ein Rückgang von 40 Prozent zu verzeichnen gewesen. „Wir haben dabei tatsächlich alle Straftaten aufgearbeitet“, versicherte Lars Borchardt und fügte hinzu: „Bei uns wird nicht gemauschelt.“ „Wir machen sehr viel auf diesem Gebiet“, sagte Frank Storch und meinte damit vor allem viele präventive Maßnahmen, die den Bürgern zeigen, wie sie ihr Eigentum besser schützen können.

Gransee ist der sicherste Bereich in Oberhavel

Wie erwartet, gibt es Unterschiede in der Statistik zwischen dem Norden und Süden des Kreises. Während die Kriminalitätsrate in berlinnahen Kommunen größer ausfällt, ist das ländlich geprägte Gransee laut Polizei der sicherste Bereich Oberhavels.

Die Zahl der Straftaten ist seit fünf Jahren kontinuierlich gesunken. Waren es im Jahr 2013 noch 15 323 Strafdelikte, zählte die Polizei im vergangenen Jahr nur noch 12 821 Straftaten. Im Jahr 2017 wurden 191 Kinder, 491 Jugendliche, 286 Heranwachsende und 3924 Erwachsene ab 21 Jahren als Tatverdächtige ermittelt. Von den insgesamt 4892 Personen waren 843 (-48 gegenüber 2016) nichtdeutscher Herkunft und davon wiederum 293 (-123 gegenüber 2016) Zuwanderer. Die Aufklärungsquote lag mit 51,7 Prozent nur knapp unter dem Niveau des Jahres 2016 mit 52 Prozent. „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, liegt in Oberhavel deutlich unter dem Landesdurchschnitt und ist auch niedriger, als in den meisten anderen Bundesländern“, freut sich Weskamp.

Diebstahlsdelikte sind häufigste Straftat

Lars Borchardt: „Mit 34,7 Prozent sind Diebstahlsdelikte die mit Abstand häufigste Straftat, obwohl der Trend auch hier rückläufig ist und die Zahl im Vergleich zum Jahr 2016 um 703 Delikte gesunken ist.“ Vor allem bei den Fahrraddiebstählen sowie den Diebstählen aus Autos oder Läden gehen die Zahlen deutlich nach unten. Den Diebstahlsdelikten folgen Rohheitsdelikte (17,3 Prozent), Sachbeschädigungen (12,3 Prozent), Betrug (10,7 Prozent), Rauschgiftdelikte (3,4 Prozent) sowie Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung (1,0 Prozent).

Besonders erfreulich, so Lars Borchardt, sei die Entwicklung bei Einbrüchen in Einfamilienhäuser – insbesondere im berlinnahen Südkreis. Hier sank die Zahl von 564 Einbrüchen 2016 auf 365 Einbrüche im Jahr 2017. Damit sank die Zahl der Wohnungseinbrüche im Landkreis Oberhavel doppelt so stark wie im Bundesdurchschnitt. „Wir haben in diesem Bereich verschiedene, intensive Maßnahmen durchgeführt, über deren Einzelheiten wir in der Öffentlichkeit nicht sprechen, da wir sie natürlich so erfolgreich fortsetzen möchten“, so Borchardt.

Gewaltkriminalität nimmt zu

Mit Sorge schaut der Polizeiinspektionschef indes auf die Entwicklung der Gewaltkriminalität, zu der unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Körperverletzung mit Todesfolge und sexuelle Nötigung zählen. Sie ist von 319 Fällen 2016 auf 365 Fälle 2017 gestiegen, wobei 312 Fälle aufgeklärt werden konnten. Auch die Gewalt gegen Polizei und Rettungsdienst hat zugenommen. Waren diese Delikte 2015 zwischenzeitlich auf 67 Straftaten gefallen, wurden 2017 wieder 104 erfasst und 103 davon aufgeklärt.

Unfallzahlen auf Autobahn gestiegen

Der Leiter der Polizeidirektion Nord, Frank Storch, ergänzte, dass auch auf den Bundesautobahnen in Oberhavel die Unfallzahlen gestiegen und auch hier zwei Menschenleben zu beklagen sind. Gerade vor dem Hintergrund des geplanten Ausbaus der A 10 und A 24 verspricht der Polizeichef hier intensive polizeiliche Maßnahmen.

Örtliche Kriminalitätsverteilung

Am meisten Delikte wurden in den südlichen Städten Oberhavels verzeichnet. Vierstellige Zahlen erreichen nur Oranienburg (3594), Hennigsdorf (2107) und Hohen Neuendorf (1373). Während die Zahlen im Vergleich zum Jahr 2016 in Oranienburg bereits um 346 und in Hohen Neuendorf um 134 Fälle gesunken sind, ist die Zahl der Delikte in Hennigsdorf im Jahr 2017 um 158 gestiegen. In der überwiegenden Zahl der Städte und Gemeinden Oberhavels sind die Kriminalitätsdelikte gefallen oder nahezu gleich geblieben, ein deutlicher Anstieg ist neben Hennigsdorf nur in Velten erkennbar (um 101 Fälle auf insgesamt 918).

Von Bert Wittke

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