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Polizei Unbekannte zünden Obdachlosen an
Lokales Polizei Unbekannte zünden Obdachlosen an
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12:11 03.03.2018
Der Tatort: der U-Bahnhof Schönleinstraße. Quelle: dpa
Berlin

Auf einem U-Bahnhof in Berlin haben Unbekannte in der Nacht zum ersten Weihnachtstag versucht, einen schlafenden Obdachlosen anzuzünden. „Der Mann blieb nur durch das beherzte Eingreifen von Zeugen unverletzt“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Habseligkeiten des 37-Jährigen hätten aber gebrannt.

Fünf bis sechs Täter

Bisher geht die Polizei von fünf bis sechs Tätern aus, die das Feuer gegen 2.00 Uhr früh gelegt hatten. Der U-Bahnhof Schönleinstraße an der Grenze der Stadtteile Kreuzberg und Neukölln wird mit Videokameras überwacht. Bisher gebe es noch keinen Zeugenaufruf, ergänzte der Sprecher. Gegen die unbekannten Täter sei bereits ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes eingeleitet worden.

Nach dpa-Informationen lag der Obdachlose im U-Bahnhof auf einer Bank und schlief, als er mit einem brennenden Gegenstand attackiert wurde. Die Täter zündeten seine Kleidungsstücke an, heißt es im Polizeibericht.

Nur dem beherzten und sofortigen Eingreifen mehrerer Passanten sei es zu verdanken, dass der offenbar alkoholisierte Mann unverletzt blieb, sagte ein Polizeisprecher. Die Helfer hätten die Flammen an dem Papier gelöscht, mit dem sich der Mann offenbar zugedeckt hatte.

Nach anderen Angaben hatte der Obdachlose die Gefahr zunächst selbst bemerkt und seinen Schlafplatz verlassen. Der Fahrer einer U-Bahn sah den Brand und kam mit einem Feuerlöscher zu Hilfe.

„In diesen Tagen sollten wir Nächstenliebe erwarten. Stattdessen erleben wir Menschenverachtung“, sagte Innensenator Andreas Geisel am Sonntag. „Ich bin entsetzt und danke allen, die beherzt geholfen haben. Das ist wahre Mitmenschlichkeit.“

Keine Häufung solcher Gewalttaten

„Solche Gewaltvorfälle häufen sich nicht“, betonte Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), am Sonntag. Die BVG habe 2011 einen Höhepunkt mit 880 Gewalttaten gegen Menschen registriert. Seitdem seien die Zahlen stark zurückgegangen - 2015 seien es 484 Gewalttaten gewesen. „Es spricht sich herum, dass die Bahnhöfe videoüberwacht sind“, sagte Reetz. Es komme oft nur zu Taten im Affekt.

Angriffe auf Berliner Obdachlose hätten nicht zugenommen, sagte auch Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, die in der Hauptstadt vielen Menschen auf der Straße hilft. „Was passiert ist, tut mir sehr leid. Aber aus meiner Sicht häuft sich das nicht.“

Tausende Obdachlose in Berlin

In Berlin haben Tausende Menschen keine Wohnung. Die genaue Zahl ist unbekannt - geschätzt wird sie je nach Quelle und Definition auf 3000 bis 10 000. Experten gehen von zunehmender Obdach- und Wohnungslosigkeit in der Hauptstadt aus. Die Berliner Kältehilfe bietet in diesem Winter rund 700 Schlafplätze.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) öffnen im Winter nachts traditionell einige U-Bahnhöfe für Schutz- und Wärmesuchende. In der Weihnachtsnacht war am U-Bahnhof Schönleinstraße aber regulär Betrieb. Die Züge fahren während der Feiertage rund um die Uhr.

Erst kürzlich hatte der Fall eines U-Bahn-Treters in Berlin bundesweit Empörung ausgelöst. Ein Mann hatte einer Frau unvermittelt auf einer Treppe in den Rücken getreten - die Frau stürzte und brach sich einen Arm. Der Tatverdächtige wurde inzwischen gefasst. Die Polizei hatte Kritik auf sich gezogen, weil sie erst nach mehreren Wochen mit Videobildern nach dem Täter suchte.

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Von Ulrike von Leszczynski

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