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20 Firmen haben Interesse an Ex-Kasernenareal

Damsdorf 20 Firmen haben Interesse an Ex-Kasernenareal

40 Lager- und Werkstatthallen auf 316 000 Quadratmetern, das ist das frühere Gelände der Damsdorfer Kaserne, aus dem ein blühender Gewerbestandort werden soll. Bernd Kreykenbohm und Manfred Meske von der kommunalen Entwicklungsgesellschaft geben bei einem Vor-Ort-Termin Einblick in das teils gespenstisch stille frühere Militärgelände.

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Manfred Meske (l.) und Bernd Kreykenbohm zeigen den Lageplan des Gewerbegebietes.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Damsdorf. Er soll einer der größten Wirtschaftsstandorte im Landkreis Potsdam-Mittelmark werden: der geplante Gewerbepark in Damsdorf. Die nackten Zahlen sind schon gigantisch und symbolisieren die Mammutaufgabe, die sich die Gemeinde Kloster Lehnin und die kommunale Entwicklungsgesellschaft vorgenommen haben mit dem früheren Damsdorfer Kasernengelände. Es soll zu einem Gewerbepark als Jobmotor für die Region erblühen, das 316 000 Quadratmeter große Areal mit seinen 40 Lager- und Werkstatthallen, die zusammen 52 000 Quadratmeter groß sind. Bis in die 50er Jahre wuchs dort nur schnöder Kiefernwald, dann bemächtigte sich die Nationale Volksarmee des Geländes, zog Halle um Halle hoch. Schließlich kam die Wende und mit ihr die Bundeswehr. Das Militär blieb bis 2004.

An diesem Aprilvormittag zeigen Bernd Kreykenbohm, Koordinator der Entwicklungsgesellschaft, und deren ehrenamtlicher Geschäftsführer Manfred Meske bei einem Vor-Ort-Termin mit der MAZ das Areal. Am früheren Kasernentor geht es los, vorbei an leerstehenden Mannschaftsgebäuden, in denen einst unter Kompaniechef Dirk Arnold 177 Männer und Frauen des Nachschubbataillones stationiert waren. Turnhalle, Kinosaal und Sportplatz verfallen. Unkraut wuchert auf den Bürgersteigen. Wo Soldaten zackig ein und aus gingen, Öde und Stille.

Die zentrale Straße führt an den früheren Unterkunftsgebäuden der Bundeswehr entlang

Die zentrale Straße führt an den früheren Unterkunftsgebäuden der Bundeswehr entlang. Links die Grabungen für das Medienkatastar.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Schon 2001 machte sich der damalige Damsdorfer Bürgermeister Uwe Brückner Sorgen um die Nachnutzung der Militärfläche. Jetzt ist Brückner Bürgermeister von Kloster Lehnin und damit für das Gewerbegebiet Damsdorf an anderer Stelle mitverantwortlich.

Auch wenn es – baurechtlich gesehen – noch kein Gewerbepark ist, Schwerlaster fahren dort schon heute. Sie kommen von der nahen Autobahnbaustelle und bringen Baustoffe für eine Betonmischanlage, die noch aufgestellt wird. Die meisten nutzen dafür eine knapp 600 Meter lange Baustraße als südliche Anbindung zwischen Kasernengelände und Landstraße 861, um nicht durch das 1600 Einwohner zählende Damsdorf donnern zu müssen.

Eine provisorische Baustraße zum Gelände für die Lastwagen, die derzeit zwischen der Baustelle an der Autobahn 2 bei Lehnin und dem künftigen

Eine provisorische Baustraße zum Gelände für die Lastwagen, die derzeit zwischen der Baustelle an der Autobahn 2 bei Lehnin und dem künftigen Gewerbepark pendeln. Dort soll künftig auch die südliche Anbindung des Areals entlang führen.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Für die Baustraße wurde entlang eines Waldweges eine Schneise durch die Kiefern-Monokultur geschlagen. Sie lässt die Trasse der geplanten Straße erahnen, für deren Bau die Gemeinde auf Fördermittel hofft. Die Baustraße liegt rund 600 Meter entfernt von Damsdorf inmitten des Waldes.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark weist 37 Gewerbegebiete aus. Der geplante Damsdorfer Gewerbepark zählt mit 31,6 Hektar zu den größten. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises gibt ihm gute Vermarktungschancen.

Die Entwicklungsgesellschaft soll Grundstücke erschließen und verkaufen. Ihre Einnahmen aus Pacht betragen laut erstem Quartalsbericht 2017 rund 22 700 Euro.

Bernd Kreykenbohm war 14 Jahre lang bis Mitte 2016 Bürgermeister von Kloster Lehnin, zuvor Amtsdirektor. Manfred Meske ist Mitglied im Gemeinderat Kloster Lehnin. Er leitet den Bauausschuss. Bis 2004 war Meske Amtsdirektor in Groß Kreutz (Havel).

Kreykenbohm betont, für die Zuwegung zum Gelände sei die Gemeinde verantwortlich, für alles auf dem Areal die Entwicklungsgesellschaft. Für die dreht sich nun alles um Planungsrecht. Tatsächlich wirkt das einstige militärische Gebiet, als könnten sich sofort Investoren niederlassen. Doch das ist ein Irrtum, dem nach Angaben Kreykenbohms auch einige Firmenchefs aufsitzen bei der Besichtigung der Fläche. Erst muss der Bebauungsplan genehmigt sein. Für den nördlichen Bereich erwarten Kreykenbohm und Meske das für den Sommer. „Bauanträge noch 2017 wären ein sportliches Ziel“, räumt Kreykenbohm ein. Mit 20 interessierten Firmen sei er im Gespräch. Es sind Logistik-Unternehmen und teils auch Firmen aus der Region. Gewerbe könne sich laut Planung ansiedeln, nicht aber Industrie. Ihre Büros wollen Meske und Kreykenbohm so schnell es geht im Torhaus einrichten. Noch arbeiten sie vom Rathaus in Lehnin aus.

Verrammeltes Torhaus am südlichen Zugang zum früheren Kasernengelände

Verrammeltes Torhaus am südlichen Zugang zum früheren Kasernengelände.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Erleichtert sind beide Männer, dass die Untersuchungen auf Altlasten gute Nachricht brachte: Danach liegt keine sanierungsbedürftige Kontaminierung des Bodens vor. Sorgen bereitete die stillgelegte Tankstelle und das frühere Tanklager. An dessen Zaun prangen Schilder: „Lebensgefahr! Betreten verboten!“

Halle um Halle harren der Entwicklung auf der einstigen Militärfläche

Halle um Halle harren der Entwicklung auf der einstigen Militärfläche.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Was noch im Boden verborgen ist, welche Stromleitungen, Schächte, Kanalisation und Trinkwasserrohre, untersucht für 130 000 Euro derzeit eine externe Firma. Das Ergebnis soll im Mai vorliegen.

Wie viel es kosten wird, das Areal von der Infrastruktur auf den Stand 2017 zu bringen, „wäre reine Spekulation“, wehrt Kreykenbohm Fragen in diese Richtung ab. „Dazu können wir noch nichts sagen“, sagt Meske.

Ein Warnschild „Lebensgefahr

Ein Warnschild „Lebensgefahr! Betreten verboten! Der Eigentümer“ am Zaun des früheren Tanklagers.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Dass das Mammutprojekt Früchte tragen wird, davon geben sich beide überzeugt. Doch in Nachbarorten liegen schon Gewerbeflächen brach. Allein in Jeserig harren 17 Hektar beleuchtete Wiese der Entwicklung. Auch in Groß Kreutz ist Gewerbefläche frei. Kreykenbohm verweist hingegen auf die ausgelasteten Gewerbeparks in Rietz, Reckahn und Grebs. Meske nickt: Ihr Trumpf sei die Nähe der Ex-Militärfläche zur A 2. Da machten wenige Kilometer den Unterschied.

Von Marion von Imhoff

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