Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark 300 Menschen protestieren gegen Windräder im Wald
Lokales Potsdam-Mittelmark 300 Menschen protestieren gegen Windräder im Wald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:52 11.11.2018
Andrea Gau mit ihren Töchtern Marlene (3) und Lillemor (5) aus Borkheide banden wie andere Demonstranten Bäumen, die Windrädern weichen sollen, weiße Schleifen um. Quelle: Jens Steglich
Beelitz

Fichtenwaldes Ortsvorsteher Tilo Köhn kam mit dem Rad zur Demo. Er war eine Stunde unterwegs und fuhr nur durch Wald: „Wir haben hier noch ein ungewöhnlich großes, geschlossenes Waldgebiet. Es kann nicht sein, dass es für einen zweifelhaften Nutzen aufgegeben und zerschnitten wird“, sagte er. Mit ihm waren am Samstag etwa 300 Menschen dem Ruf des Vereins „Waldkleeblatt“ gefolgt, um in einem Wald in der Reesdorfer Heide gegen den Bau von Windrädern im Wald zu protestieren. Aktueller Anlass der Protestdemonstration war ein Bescheid des Landesumweltamtes, das am 24. September den sofortigen Vollzug der Errichtung von zwölf Windkraftanlagen in der Reesdorfer Heide angeordnet hatte.

Werder unterstützt Beelitz

Die Behörde hatte 2016 den Bau der Windräder südlich der Eisenbahnlinie nach Dessau genehmigt, dagegen legten allerdings die Stadt Beelitz, der Verein „Waldkleeblatt“, Privatpersonen und die Recura-Kliniken in Beelitz-Heilstätten Widerspruch ein. Zur Demo, die in dem Wald stattfand, wo die Windräder gebaut werden sollen, bekamen Beelitz und der Verein Rückendeckung von den Nachbarkommunen etwa aus Borkheide, Borkwalde und Werder und vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND).

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) war persönlich in das Waldgebiet gekommen, um die Unterstützung der Blütenstadt zuzusagen und dafür zu werben, gemeinsam „um den Erhalt unserer Kulturlandschaft zu kämpfen“ und dafür auch laut zu sein. „Unser Protest richtet sich nicht gegen Windkraft, er richtet sich gegen die Zerstörung unserer Natur“, sagte sie. Ihr fehle jegliches Verständnis, „dass Bäume für Windkraftanlagen gefällt werden sollen“. Das Unverständnis darüber, dass im Namen des Klimaschutzes ausgerechnet Hand an den Wald angelegt wird, den besten Kohlendioxid-Speicher und wirksamsten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel, war ein Grundtenor des Protestes.

„Veränderungen sind notwendig, aber sie müssen sinnvoll sein“

Axel Kruschat, Geschäftsführer des Brandenburger BUND, nannte es eine dumme Idee, Windräder in den Wald zu stellen. „Ich will nicht sagen, dass die Energiewende nicht notwendig ist und kann auch nicht sagen, dass alles so bleiben kann wie es ist“, sagte Kruschat und fügte hinzu: „Veränderungen sind notwendig, aber es müssen Veränderungen sein, die sinnvoll sind: Windkraftanlagen im Wald gehören nicht dazu.“ Der BUND-Geschäftsführer war von Winfried Ludwig, dem Vorsitzenden des Waldkleeblatt-Vereins, spontan ans Megafon gebeten worden, als er ihn im Pulk der Demonstranten entdeckt hatte.

Um zum Ort es Protestes zu kommen, mussten die Demonstranten einen längeren Fußmarsch auf sich nehmen. Wegen der nach wie vor hohen Trockenheit hatte der Förster gebeten, möglichst nicht mit Autos in den Wald zu fahren. Quelle: Jens Steglich

Thema war auch die Gefahr möglicher Brände: „Ein Windrad ist nicht zu löschen. Da kommt keine Leiter hoch“, sagte Borkwaldes Ortswehrführerin Marlies Zibulski. Aus den Erfahrungen dieses Waldbrandjahres habe offenbar niemand etwas gelernt. Die Brandgefahren für den Wald etwa durch die Autobahnnähe „reichen aus und jetzt sollen noch Windräder hier rein“, kritisierte die Feuerwehrchefin. Mario Wagner (CDU) wohnt am Ortsrand von Fichtenwalde und saß beim Großbrand im Sommer auf gepackten Koffern, als das Feuer nur 350 Meter von seinem Haus entfernt war. „Mit Windrädern im Wald konterkariert man die Bemühungen, den Waldbrandschutz zu verbessern und schafft eine neue Brandgefahr“, sagte er am Rande der Demo.

Für den Waldkleeblatt-Vereinschef Winfried Ludwig sind beim geplanten Bau der zwölf Windräder in der Reesdorfer Heide die Messen trotz der Anordnung des Landesumweltamtes noch nicht gesungen. Die Stadt Beelitz und der Verein werden „mit hoher Wahrscheinlichkeit juristisch dagegen vorgehen“. In dem Fall seien Gesundheitsschutz und Naturschutzbelange nicht abgewogen worden und auch das Wegerecht „juristisch noch nicht eindeutig geklärt“, sagte er.

Gefahrenklasse wie Spanien und Portugal

Das südliche Brandenburg hat die höchste Waldbrandgefahr in Deutschland und ist im europäischen Maßstab wie Spanien und Portugal der höchsten Gefahrenklasse zugeordnet.

Das liegt an den ätherischen Ölen der Kiefern, geringen Niederschlägen und trockenen Sandböden.

Vor dem Hintergrund der Waldbrände in Fichtenwalde und Treuenbrietzen fordert Waldkleeblatt-Vereinsvorsitzender Winfried Ludwig eine Neubewertung des Brandschutzes im Verfahren zum Bau der Windräder in der Reesdorfer Heide. Die Stellungnahme der mittelmärkischen Brandschutzbehörde war vor den Waldbränden abgegeben worden.

Ludwig hatte zur Demo alle energiepolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen eingeladen. Er kritisiert, dass nur einer kam: Sven Schröder (AfD). Von der CDU war Anja Schmollack da, die 2019 für den Landtag kandidiert.

Von Jens Steglich

Immer am 11.11. muss Lehnins Bürgermeister Rathausschlüssel und Gemeindekasse abgeben. Der närrischen Machtwechsel wird von vielen Besuchern beklatscht. Zudem feiert das neue Prinzenpaar Premiere.

11.11.2018

Rund um die Kirche in Schenkenberg organisiert der Männerkreis der Kirchengemeinde das traditionelle Fest. Theaterspiel, Musik und der beliebte Laternenumzug gehören in jedem Jahr dazu.

11.11.2018

Bei der Herbstdeichschau nahmen jetzt Fachleute für den Hochwasserschutz den Damm zwischen Gollwitz und Götz unter die Lupe. Der Deich ist gut in Form, am Havelradweg muss hingegen ausgebessert werden.

09.11.2018