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35 verwahrloste Hunde aus Wohnung gerettet

Niemegk: Unhaltbare Zustände im Haus voller Hunde 35 verwahrloste Hunde aus Wohnung gerettet

Es war höchste Zeit: Mehr als 35 verwahrloste Hunde sind am Freitagvormittag aus einer Wohnung in Neuendorf bei Niemegk (Potsdam-Mittelmark) gerettet worden. Die Hunde vegetierten zwischen Müll und Kot vor sich hin. Der Amtstierärztin blieb keine andere Wahl, zumal die Besitzerin bereits negativ aufgefallen ist.

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Unter Polizeischutz rettet das Veterinäramt am Freitag mehr als 35 verwahrloste Hunde aus diesem Haus in Neuendorf bei Niemegk.

Quelle: Thomas Wachs

Neuendorf. Es war der Lebensgefährte, der das Elend der vielen kleinen kläffenden Vierbeiner nicht mehr mit ansehen konnte. Mehr als 35 niedliche Hündchen der Rassen Chihuahua, Shi-Tzu und Mops vegetieren in einen Einfamilienhaus am Ortseingang von Neuendorf bei Niemegk seit Monaten unter unmöglichen Bedingungen. Gehalten werden sie zwischen überbordendem Hausrat, Müll und inmitten des eigenen Kots. Sämtliche Räume im Erdgeschoss und in der ersten Etage sind von Hunden bewohnt. Nur einzelne Tiere haben Auslauf auf dem verwilderten Grundstück. Gehalten werden die Hunde von einer 57 Jahre alten Züchterin. Sie allerdings ist damit völlig überfordert. Denn auch die schwergewichtige Frau selbst benötigt aus Gesundheitsgründen Hilfe. Dafür wurde ihr die Pflegestufe 2 zugebilligt. Dennoch kommen im Haus immer mehr Tiere hinzu.

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Freitag, 29. April: In Neuendorf bei Niemegk (Potsdam-Mittelmark) rettet das Veterinäramt der Kreisverwaltung unter Polizeischutz mehr als 35 verwahrloste Hunde aus dem Haus einer Züchterin. Die Frau war Tierschützern schon in Nordrhein-Westfalen negativ aufgefallen, wo sie bis vor zwei Jahren lebte.

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Am Freitag nun macht das Veterinäramt der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark der unhaltbaren Situation ein Ende. Sämtliche Hunde werden eingezogen und in das Tierheim „Hoher Fläming“ von Mario Lindenborn nach Medewitz gebracht. Der Hundeexperte ist Kooperationspartner von Kommunen der Region. Der Züchterin bleibt das Recht, die Tiere zu verkaufen. Allerdings nur unter Aufsicht des Veterinäramtes.

Zuchtgenehmigung mehrfach entzogen

Immer wieder war Petra Thiem, die Amtliche Tierärztin der Kreisverwaltung, seit 2014 in dem Neuendorfer Haus erschienen, um auf die Einhaltung des Tierschutzes und saubere Bedingungen zu drängen. Doch nachhaltig geändert habe sich nie etwas. „Immer gab es nur kurzzeitige Verbesserungen, wenn die über die Pflegestufe bewilligte Pflegekraft offenkundig zum Hausputz eingesetzt worden war“, erzählt Petra Thiem. Mehrfach wurde der Hundehalterin daher die Zuchterlaubnis entzogen. So auch am Freitag wieder. In Amtshilfe durch die Polizei beschlagnahmte die Tierärztin sämtliche Hunde. Sie werden registriert, fotografiert, durch eine Wiesenburger Tierarztpraxis untersucht und danach im Tierheim aufgepäppelt.

Krankhafte Tierliebe

Das Animal Hoarding, also die Tierhortung, ist das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren.

Als Tierhorter werden Menschen bezeichnet, die eine Vielzahl von Tieren auf engem Raum halten, ohne die Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene und tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können.

Betroffene Personen sind nicht mehr in der Lage, auf die Haltungsmängel und die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der eigenen Person oder der Haushaltsmitglieder zu reagieren.

Experte unterscheiden nach der zugrunde liegenden Motivation vier Typen von Tierhortern: Den übertriebenen Pfleger, den Rettertyp, den Züchtertyp und den Ausbeutertyp.

In ganz Deutschland registrieren Veterinärämter jährlich rund 500 Fälle von Animal Hoarding mit mehr als 50 000 betroffenen Tieren.

Das Fass zum überlaufen gebracht hatte der jüngste Besuch am Mittwochabend. Als die Züchterin an dem Tag nach Tschechien unterwegs war, um neue Hunde zu kaufen, holte der erst seit kurzem dort lebende Mitbewohner die Tierärztin und mit ihr Mario Lindenborn ins Haus. Ihnen bot sich ein furchtbares Bild. In Küchenpapier eingerollt lagen wenige Tage zuvor geborene Hundewelpen tot auf dem Küchentisch. Die Mutter-Hündin war bereits eingeschläfert worden, weil sie eine schmerzhafte, offene eitrige Entzündung ihres Gesäuges erlitten hatte. „Manche Räume konnten wir gar nicht betreten“, erzählt Mario Lindenborn gegenüber der MAZ. Hinzu kommt ein übler Geruch im Haus. Seit Wochen stehen Säcke mit Frischfleisch ungekühlt in einer Ecke. „Sie wurden als Tiefkühlware im Internet bestellt und bis heute an die Hunde verfüttert“, berichtet der entsetzte Tierheimbetreiber.

Völlig die Kontrolle verloren

„Die Haltungsbedingungen sowie der Pflege-und Gesundheitszustand nahezu aller Hunde waren so schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, dass die Fortnahme aller Hunde umgehend vorbereitet werden musste“, erklärt Petra Thiem.

Sie hatte bereits 2014 – unmittelbar nach dem Umzug der Hundehalterin aus Nordrhein Westfalen in den Fläming – Hinweise auf die Machenschaften der Züchterin erhalten. Auch die international tätige Tierschutzorganisation PETA war nach bundesweiten Beschwerden längst darauf aufmerksam geworden. Letztlich waren es immer wieder auch Hinweise und Beschwerden von Käufern der Zuchthunde, die Behörden und Tierschützer auf den Plan riefen.

Mario Lindenborn und  Petra Thiem registrieren jeden geretteten Hund

Mario Lindenborn und Petra Thiem registrieren jeden geretteten Hund.

Quelle: Thomas Wachs

Seit Jahren züchtet die Frau in großem Ausmaß Hunde und bietet sie über das Internet zum Verkauf an. Sieben Tiere waren offiziell zur Zucht angemeldet. Günstige Preise zwischen 300 Euro und regulär üblichen 1200 Euro für Zuchthunde mit Papieren lockten immer wieder Käufer an.

Petra Thiem spricht der Halterin die Fähigkeit zur Zucht ab: „Sie hat völlig die Kontrolle verloren.“ Die Amtliche Tierärztin sieht einen typischen Fall von „Animal Hoarding“, also dem krankhaften Sammeln und Züchten von Tieren.

Halterin kämpft um jeden entzogenen Hund

Am Freitag kämpft die Züchterin verbissen um jeden Hund, den die Mitarbeiter des Tierheimes und des Veterinäramtes nach der Registrierung einzeln aus dem Haus tragen. Gegenüber der MAZ will die Hundehalterin sich nicht zu den Verstößen gegen das Tierschutzgesetz äußern.

Für direkte Nachbarn war das Hundehaus längst ein Ärgernis. „Die Mülltonnen stanken und das Gekläffe der vielen Hunde in der Nacht war oft eine Katastrophe“, erzählt Marko Knape der MAZ. „Irgendwie tun uns die Frau und die Hunde ja auch leid“ sagt der unmittelbare Nachbar von der anderen Straßenseite. „Es wurde Zeit, dass da nun was passiert“, so Knape.

Von Thomas Wachs

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