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50. Hilfstransport nach Litauen ist der letzte

Emstal 50. Hilfstransport nach Litauen ist der letzte

Nach 25 Jahren endet eine der größten Spendenaktionen im Land Brandenburg „mit Abschiedsschmerz“ und wird nun in einer anderen Form fortgesetzt. Tausende Menschen hat die Aktion erreicht, die Spender in Mittelmark und jene Menschen in Litauen, die teils noch immer in bitterer Not leben.

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Zupackende ehrenamtliche Helfer: Seit 1992 gingen jährlich zwei Transporte der Litauenhilfe von Emstal aus zu den Menschen in Not.

Quelle: Foto: Christine Lummert

Emstal. Der 50. Hilfstransport nach Litauen ist Montag von Emstal aus gestartet. Er ist nach 25 Jahren zugleich der letzte. Das gaben die Initiatoren Andreas Kuhnert, SPD-Landtagsabgeordneter über ein Vierteljahrhundert, und Alt-Superintendent Jürgen Lorenz bekannt. Damit geht eine Ära zu Ende. „Mit einem Stück Abschiedsschmerz“, so Lorenz. Über 25 Jahre war er ein Ort der Nächstenliebe, der Hof der Speditionsfirma Haseloff, auf dem alle sechs Monate die tausenden Pakete von Spendern auf einen Lastwagen geladen und ihre Reise ins 1068 Kilometer entfernte Vilnius antraten. Am Steuer Firmenchef Olaf Haseloff, der die einwöchige Tour jedes Mal mit Freude auf sich nahm. „Wir haben tausende Menschen erreicht, auch hier vor Ort“, sagt Kuhnert. „Ein ganz großes Lob an die Helferschar.“ Lorenz sagt, „es ist nicht so, dass mit dem 50. Transport die Partnerschaft endet, sie bekommt einen neuen Akzent“.

Zwei Gründe ließen die Helfer zu dem Schluss kommen, die Transporte zu beenden: Die Ehrenamtler, auf deren Schultern die Organisation lag, haben ein Alter erreicht, in denen es Jüngere gebraucht hätte, die Hilfe fortzusetzen. „Natürlich sind wir alle 25 Jahre älter geworden und es ist schwieriger geworden, Helfer zu finden“, sagt Lorenz, mittlerweile 81 Jahre alt.

Zwei Mädchen in einem Kinderheim in Vilnius

Zwei Mädchen in einem Kinderheim in Vilnius. Auch zu ihnen brachten die Unterstützer der Litauenhilfe aus Emstal Spenden.

Quelle: privat

Zudem wirkte der Litauentransport zuletzt auch ein wenig wie aus der Zeit gefallen. „So habe ich es manchmal gefühlt“, sagt Kuhnert. Die Hilfe ist zwar noch nötig; die Armut unter Rentnern, Alleinerziehenden und chronisch Kranken in Litauen ist noch groß. Aber die Sachspenden waren in dieser Form nicht mehr so sinnvoll wie anfangs. So hat jeder der Spender, die jetzt Pakete nach Emstal brachten, einen Zettel erhalten: „Liebe Freunde der Hilfe für Litauen“, stand darauf. In Abstimmung mit der Leitung des Diakonischen Werks Sandora in Vilnius solle die Hilfe mit finanziellen Spenden fortgeführt werden, „weil es in Litauen alles zu kaufen gibt, wenn man es bezahlen kann“.

Ursula und Olaf Haseloff am Montag kurz vor der Abfahrt mit dem letzten Hilfstransport nach Litauen

Ursula und Olaf Haseloff am Montag kurz vor der Abfahrt mit dem letzten Hilfstransport nach Litauen. 14 Jahre lang steuerte Olaf Haseloff den Lastwagen allein dorthin Litauen und pflegt längst Freundschaften zu den Menschen, denen er die Spendengüter brachte.

Quelle: privat

Das Engagement ist nicht genug zu würdigen. Kleidung, Krankenbetten, Praxisausstattungen, Rollstühle, Hygieneartikel, die es in Litauen nicht zu kriegen gab, schenkten die Mittelmärker. Die Hilfe kam an, wo Menschen Not litten, beim Behindertenhilfsverein Viltis, in fünf Kinderheimen, beim Diakonischen Werk Vilnius, dessen Aufbau die Litauenhilfe unterstützte. Mehrere Kinderheime sind mittlerweile geschlossen, weil die Schützlinge jetzt wie in Deutschland meist in Pflegefamilien leben.

Der Anfang der Litauenhilfe

Andreas Kuhnert knüpfte 1992 Kontakt zu Victor Kianka, über den er im Fernsehen eine NDR-Reportage gesehen hatte. Kianka baute mit Beginn der Unabhängigkeit Litauens 1991 wieder eine Kirchengemeinde auf.

Im Januar 1992 reiste Kuhnert zu Kianka, besprach die Hilfe. Drei Monate später schon fuhr der erste Hilfstransport von Emstal aus gen Litauen. Am Steuer schon damals ein Mitarbeiter der Firma Haseloff.

Die Litauenhilfe wird vor allem getragen von hunderten Menschen aus dem Alt-Kirchenkreis Lehnin.

Für jeden Transport fanden sich rund 20 ehrenamtliche Helfer, die über mehrere Tage die Pakete auf dem Hof der Spedition Haseloff in Emstal annahmen. Organisiert hat das auch Anke Pausemann.

Andreas Kuhnert war fast 50 Mal in Litauen. Jürgen Lorenz fliegt mit seiner Frau Maria diese Woche wieder hin. Ursula Haseloff begleitet erstmals ihren Mann nach Vilnius. Es ist die letzte Gelegenheit: „Die Hilfe hat uns sehr, sehr viel bedeutet“, sagt die 60-Jährige.

Info: In einer Feierstunde im Juni auf dem Stiftsgelände Lehnin werden die Litauenhilfe und ihre Unterstützer gewürdigt.

Von Marion von Imhoff

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