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60 Familien ziehen in einstige Fabrik

Wohnen hinter historischen Mauern in Werder 60 Familien ziehen in einstige Fabrik

Im einstigen Schaltgerätewerk Werder werden in den nächsten Monaten 60 Familien mit 60 Kindern einziehen. Die Genossenschaft Uferwerk investiert 10,5 Millionen Euro in die Sanierung des Denkmals. Dort sollen künftig mehrere Generationen in einem Kiez am Großen Zernsee leben.

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Wenke Wegner (r.) vom Vorstand der Genossenschaft trifft die nächsten Absprachen mit dem Berliner Architekten Jan Jakob.

Quelle: Greiner

Werder. Bauleute geben sich unter dem Dach des ehemaligen Schalt- und Gerätewerkes Werder am Zernsee seit September 2015 die Klinke in die Hand. Überall wird gehämmert, verlegt und erneuert. „Im Mai sollen die ersten 13 Familien in den einstigen Produktionshallen unter der Fabrikuhr einziehen“, sagt Wenke Wegner vom Vorstand der Genossenschaft Uferwerk. Der Verbund mit inzwischen 89 Mitgliedern hat das Industriedenkmal und die Nebengebäude auf 17 000 Quadratmeter für drei Millionen Euro vom Eigentümer erworben. Das Gerätewerk produziert jetzt an der Petzower Straße.

Wo einst Führertische und Luftfilter für Züge gefertigt wurden, will die Genossenschaft zwischen Havelauen und Bahnhof 10,5 Millionen Euro investieren und 4900 Quadratmeter Wohnfläche einrichten. „Im August 2015 haben wir die Baugenehmigung bekommen und im September mit der Sanierung begonnen“, sagt Wegener. Die Zeit drängt, denn nicht nur deren Familie möchte möglichst schnell vom Provisorium in der Fabrik in die sanierte Wohnung einziehen. „In den vergangenen sechs Monaten wurden in den Familien, die in den nächsten Monaten in die Mehrfamilienhäuser einziehen, vier Kinder geboren“, sagt Wegner, Kulturwissenschaftlerin und Mutter von drei Kindern. Sie wird mit ihrem Mann und den Kindern in ein Haus ziehen, das mit Strohballen gedämmt wird. „Ich hatte mir so sehr Stroh aus der Region gewünscht, leider hat es damit aber nicht geklappt. Nun kommt es aus dem Norden Deutschlands.“

In den denkmalgeschützten Bauten, die früher sogar als Likörfabrik dienten, werden insgesamt 60 Wohnungen entstehen. Die Genossenschaft rechnet fest damit, dass im Februar 2017, wenn Sanierung und Ausbau der Gebäude abgeschlossen sind, Familien mit insgesamt 60 Kindern im Sprengel leben werden. Im wachsenden Kiez am Ufer des Zernsees wird der jüngste Bewohner in den nächsten Tagen geboren, die ältesten sind über 70 Jahre alt. Mehrere Generationen werden in den nächsten Monaten je nach Baufortschritt in die Häuser einziehen. Sieben Familien, in der Genossenschaft liebevoll die „Küchengruppe“ genannt, wollen sich künftig eine Großküche teilen, abwechselnd kochen oder sich auch mal bedienen lassen.

„Wir wollen künftig nicht nur alternative Energien für die Wärmegewinnung nutzen, sondern auch das Carsharing nutzen und anbieten“, sagt Wegner. Sie hofft, dass sich durch die weitere Erschließung der Havelauen auch die Straßen und Wege zum neuen Kiez verbessern. „Auch die Verkehrssituation an der Waldorfschule muss dringend verbessert werden, denn wenn früh und abends die Kinder mit dem Auto gebracht und abgeholt werden, ist oft das Chaos programmiert“, sagt Wegner.

Die Genossenschaft Uferwerk ist Bestandteil des Forschungsprojektes „Wohn Mobil“ des Ökoinstitutes Berlin. Dazu gehört auch, dass Mitarbeiter des Projektes die Bewohner zur ökologischen Lebensweise beraten. „Natürlich würden wir uns freuen, wenn es noch mit Fördermitteln für die Denkmalpflege klappt, aber noch haben wir keine Zusage“, sagt Wegner. Für die Kulturwissenschaftlerin waren die vergangenen Monate mit Planungen, Genehmigungen, Rechnungen und Architektengesprächen ein einziges Abenteuer, gesteht sie. „Aber wir haben unser Vorhaben nicht bereut, auch wenn viele Herausforderungen bei der Sanierung eines Industriegeländes zu meistern sind.“

Zuzug aus Berlin und Potsdam

Nutzer der Wohnanlage im sanierten und ausgebauten Industriedenkmal am Großen Zernsee sind Familien unter anderen aus Potsdam, Berlin aber auch aus Süd- und Norddeutschland.

Der künftige Kiez ist sozial und ökologisch ausgerichtet. Es werden individuell gestaltete Wohnungen für die Mitglieder entstehen, aber keine luxuriöse Anlage. Man will sich auf keinen Fall einigeln oder abschotten.

Die Einrichtung von zwei Wohnungen für Flüchtlinge wird noch geprüft.

Kleine Hausgärten und ein Kaffee für Besucher und kleine Veranstaltungen sind vorgesehen.

Die künftigen Bewohner des Denkmals sind nicht nur vom Alter her sehr unterschiedlich, auch ihre Berufe sind sehr vielfältig. Unter anderen Handwerker, Therapeuten, Wissenschaftler und Ingenieure haben sich für eine Wohnung hinter historischen Mauern entschieden. „Leider ist bisher keine Kinderärztin dabei“, sagt Wegner. „Bei mehr als 60 Kindern wäre eine Ärztin vor Ort einfach ungemein praktisch, sagt Mutter Wegner mit einem Augenzwinkern.

Von Regine Greiner

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