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700 Jahre Werder in sieben Stunden

Historikertagung am 18. März 700 Jahre Werder in sieben Stunden

Anlässlich der Historikertagung am 18. März zum 700. Geburtstag Werders auf der Bismarckhöhe hat Klaus Neitmann, Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, am Mittwoch ganz besondere Schätze offenbart. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Manuela Saß präsentierte er die beiden Ersterwähnungsurkunden der Blütenstadt.

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Klaus Neitmann blättert mit Bürgermeisterin Manuela Saß in Werders Ersterwähnungsurkunde.

Quelle: Foto: Friedrich Bungert

Werder. Auf Pergament steht es in niederdeutscher Sprache fein säuberlich geschrieben: Im Jahr 1317 übereignet der Markgraf Woldemar das „Opidum“ Werder mit all seinen Bewohnern und Flächen an das Kloster Lehnin. Da das Kriegstreiben teuer war, brauchte er Geld und verlangte für Werder einen ganzen Batzen, wie Klaus Neitmann, Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Potsdam, verraten hat. Erstmals präsentierte er am Mittwoch im Beisein von Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) die beiden Ersterwähnungsurkunden der Öffentlichkeit.

Abschrift der Ersterwähnungsurkunde von Werder

Abschrift der Ersterwähnungsurkunde von Werder

Quelle: Friedrich Bungert

Bei der Historikertagung, ein Highlight im Veranstaltungskalender der Stadt zum 700. Geburtstag, am 18. März von 10 bis 17 Uhr auf der Bismarckhöhe, werden diese ausgestellt. Neitmann gab Entwarnung – die Werderaner dürfen in diesem Jahr berechtigterweise das Jubiläum feiern, denn beide Urkunden bestätigen die Ersterwähnung im Jahr 1317. Das Pergament, über das während der langen Planung der 700-Jahr-Feier schon oft gesprochen wurde, in den Händen zu halten, war für Saß etwas Besonderes. Dass sich die Werderaner für die Historie interessieren, haben bereits die Volkshochschulkurse gezeigt. „Die Tagung ist die Krönung der Kurse. Bei denen war die Nachfrage so groß, dass sogar darüber nachgedacht wird, die Reihe fortzusetzen“, sagte die Stadt-Chefin.

Werder war Handelsmittelpunkt

Die Tagung ist eine Kooperation der Brandenburgischen Historischen Kommission mit dem Landeshauptarchiv und der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg. Sieben Stunden lang geben eine Reihe von Historikern einen Gesamtüberblick über die Geschichte Werders vom Mittelalter über die Preußenzeit, die NS-Herrschaft bis hin zur Wende. Als Referenten treten zum Beispiel Klaus Neitmann selbst, Frank Göse oder Hartmut Röhn auf. Zweites wesentliches Ziel ist es, den Abriss in den Kontext der Landesgeschichte zu bringen. Diesbezüglich wird Neitmann beispielsweise erklären, welche Bedeutung das Kloster Lehnin hatte und warum die Mönche an Werder interessiert waren. Einen kleinen Einblick gab er bereits beim Pressegespräch im Archiv: „Werder war für das Kloster als Handelsmittelpunkt in einem großen Seengebiet interessant. Dort konnten die Mönche einen Markt einrichten“, so Neitmann. Sie haben sich zu dieser Zeit hauptsächlich von Fisch ernährt und die Überschüsse des Fischfangs auf den Markt gebracht. Von den Werderanern kassierten sie Zoll und wollten damit letztlich Gewinn machen, sagt der Historiker.

Professor Klaus Neitmann zeigt die entscheidenden Zeilen

Professor Klaus Neitmann zeigt die entscheidenden Zeilen

Quelle: Friedrich Bungert

Die originale Ersterwähnungsurkunde vom 5. April 1317 lagert im Magazin des Archivs. Die zweite Urkunde vom 26. August 1317 soll bis 1945 im Geheimen Staatsarchiv in Berlin Dahlem gelegen haben und ist vermutlich in den Wirren der Nachkriegszeit verloren gegangen. Dabei sei diese für Archivare und Historiker die viel interessantere, weil sie sich konkret auf Werder bezieht. Der genaue Wortlaut aus der Urkunde stammt aus einer notariell beglaubigten Abschrift aus dem 15. Jahrhundert.

Stadt rechnet mit 150 Gästen bei der Tagung

Die Historikertagung richtet sich ausdrücklich an Werderaner und Gäste, die erfahren wollen, wie die Bürger in der Vergangenheit gelebt haben und was Werder auszeichnet. Neitmann habe den Referenten daher aufgetragen, den Fachjargon zu streichen. „Bis zum 19. Jahrhundert war Werder eine Stadt wie viele andere, doch dann bekam sie ein Gesicht, dem man Einzigartigkeit nicht abstreiten kann“, sagt Neitmann. Die Vorträge der Fachleute werden vor Ort schriftlich festgehalten und später gebündelt veröffentlicht. Die Stadt rechnet mit etwa 150 Gästen im Saal der Bismarckhöhe. „Es passen aber auch noch mehr Stühle rein“, betonte Saß.

Von Luise Fröhlich

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