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Potsdam-Mittelmark Abenteuer Saftfabrik nie bereut
Lokales Potsdam-Mittelmark Abenteuer Saftfabrik nie bereut
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17:40 28.10.2016
Angelika Thierschmann weiß, Mosten ist kein Zuckerschlecken. Quelle: RG
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Werder

Es riecht herrlich fruchtig in Werders „Deutschlandhalle“ an der Plötziner Chaussee. Angelika Thierschmann gönnt sich und ihrer mobilen Presse und Mosterei keine Auszeit. Ihr Partner im Leben und bei der Arbeit Gerhard Gensch stellt die nächste Ladung Äpfel oder Quitten schon wieder bereit. „Der Andrang ist in den vergangenen 16 Jahren immer größer geworden. Das Geschäft unterm Dach, im Volksmund Deutschlandhalle genannt, läuft gut“, sagt die Unternehmerin. Aber abends seien alle Familienmitglieder geschafft, denn der Tag beginnt um 6.30 Uhr mit den Vorbereitungen und erst abends gegen 20 Uhr steht die Maschine still.

In den vergangenen 16 Jahren hat die ehemalige Kauffrau im Geschäft für Eisenwaren und Hausrat in Berlin mit ihrer Familie und ihrer Mosterei tonnenweise Äpfel, Birnen und Quitten zu Saft verarbeitet. „Und das ohne Zuckerzusatz, Chemie, Konzentrat und Wasser, also 100 Prozent Natur“, betont die 48-Jährige. Die Arbeit verlangt trotz maschineller Unterstützung viel körperlichen Einsatz. Dennoch haben die vier Kinder ihre Mutter fast nie klagen gehört, obwohl die Hände, Schultern und der Rücken oft am Abend vom vielen Zupacken schmerzen. „Trotzdem habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut. Obwohl eine Mosterei von mir nie geplant war. Zumal ich davon keine Ahnung hatte“, gesteht die Geschäftsinhaberin. „Doch wer wollte schon eine Frau mit vier Kindern einstellen, ich aber musste einfach was tun. Meine Schwester, die selbst Most herstellte, machte mir Mut, mein neuer Partner auch und mein Abenteuer Lohnmosterei nahm seinen Lauf“, erinnert sich die aufgeschlossene und liebenswerte Frau. Während sie die Maschine bedient, ihr Partner die Großkisten mit Äpfeln rangiert, füllt der 17jährige Sohn Eric für Kunden aus Berlin den gewünschten Saft in Glasballons. „Daraus machen wir unseren geliebten Most oder Apfelwein, der Saft von hier ist besonders gut, deshalb kommen wir immer wieder“, sagt Günter Haag. Nadine Schünemann vom Café in der alten Geltower Weberei parkt das Auto vor der Halle, um den Saft von den selbst geernteten Quitten abzuholen. „Im vergangenen Jahr habe ich die Verarbeitung noch selbst gemacht, aber danke, das muss ich nicht noch mal haben, die Quitten sind hart wie Stein und lassen sich alles andere als leicht entsaften.“ Mit dem Saft für Limonade, Sirup und Gelee will sie die Besucher verwöhnen. „Er ist nicht so süß und sehr aromatisch. Deshalb wohl wieder auch so richtig in Mode gekommen.“

Aus 100 Kilogramm Äpfel werden im Durchschnitt 70 Liter Saft, im Hofladen kann man leckere Sorten kaufen oder die Früchte bringen und den Saft später abholen. Jetzt in der Hochsaison ist eine Anmeldung in der Mosterei zu empfehlen. Kunden haben dann meistens keine Geringere als Werders Baumblütenkönigin 2015 an der Strippe. Tamara Thierschmann erwartet im November ihr erstes Baby. „Nun werde ich endlich Oma, darauf habe ich sehnsüchtig gewartet,“ gesteht Angelika Thierschmann. Erst wenn der erste Frost kommt, die Maschine nicht mehr störungsfrei arbeiten kann, wird die Familie aufatmen. „Aber lange ausruhen geht auch nicht, dann fahre ich mit einer Freundin nach Berlin und verkaufe dort unseren Saft. Und im Sommer, wenn die Erdbeeren und Kirschen reif sind, muss die Mosterei wieder laufen.“ Die Chefin will solange es geht, den Betrieb managen, ihn den Kindern auf keinen Fall aufdrängen. „Aber ich glaube, er wird von der Familie fortgesetzt, auch wenn wir darüber heute noch längst nicht verbindlich sprechen.“

Von Regine Greiner

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