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Abgebrochenes Rotorblatt gibt Rätsel auf

Nach Unfall im Windpark Prützke Abgebrochenes Rotorblatt gibt Rätsel auf

Die Ursache für den schweren Zwischenfall im Windpark Prützke (Potsdam-Mittelmark), bei dem das Rotorblatt eines Windrades abbrach, ist weiter unklar. Zwar gibt es Zeugen für einen Blitzeinschlag, doch der erklärt nicht „die fürchterliche Zerstörung“. MAZ hat mit Zeugen und dem Windrad-Betreiber gesprochen.

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Trümmerteile des abgebrochenen Rotorblattes liegen auf dem Feld.

Quelle: Claudia Nack

Prützke. „Erst habe ich den Lichtstrahl gesehen, dann kam die Explosion hinterher und schon sind die Teile durch die Luft geflogen“, sagt Lutz Feuerherdt. „Ich dachte, meine Augen verblitzen“. Der Landwirt aus Prützke hat den Blitzeinschlag in das Windrad an der ehemaligen Panzerstraße bei Rotscherlinde live erlebt. „Keine 200 Meter weiter habe ich mit dem Trecker gegrubbert“, erzählt Feuerherdt, der beim Netzener Agrarbetrieb arbeitet. „Da zuckt man zusammen.“ Der 55-Jährige ist heilfroh, dass nicht sein Trecker getroffen wurde. „Ein Blitz, ein Donner – das war das ganze Gewitter.“ Am vergangenen Mittwoch kurz nach 16 Uhr sei das gewesen.

Ein 37,5 Meter langes Rotorblatt eines Windrades, das auf einer Pachtfläche des Prützker Landwirtes Olaf Kabelitz steht, brach durch und fiel zu Boden. Ein Stumpf von fünf bis zehn Metern blieb dran. Verletzt wurde zum Glück niemand. „Es war ein Naturereignis“, sagt Kabelitz. „Dreimal besser so als wenn der Blitz in ein Haus eingeschlagen hätte.“ Sobald er vom Eigentümer grünes Licht habe, will er die aus glasfaserverstärkter Plaste bestehenden Trümmerteile von seinem Roggenfeld an den Rand räumen.

Technische Untersuchen laufen weiter

„Das passiert in den nächsten zwei Tagen“, sagt Bernd Wulff. Er ist technischer Betriebsführer der Windpark Prützke GmbH & Co KG, die in der Gemarkung südlich der A 2 einen Windpark mit zwölf Anlagen betreibt. „Die Ursache steht noch nicht fest. Momentan kann nichts ausgeschlossen werden“, sagt Wulff, der am Montag mit Versicherung und Gutachter vor Ort war. Die Experten stehen offenbar vor einem Rätsel. Zwar sei am Rotorblatt ein leichter Blitzeinschlag zu erkennen, aber die Spuren erklären nicht die fürchterliche Zerstörung, sagt Wulff. Die technischen Untersuchungen laufen weiter. Erkenntnisse erhofft man sich, wenn alle drei Rotorblätter abgebaut sind, was in zwei bis drei Wochen passieren soll. Derzeit würden Angebote für neue eingeholt, auch bei der Servicefirma Availon. Ein Team, das am Mittwoch mit Wartungsarbeiten in der Nähe beschäftigt war, hatte es „fürchterlich krachen“ hören und Wulff informiert.

Zwei Flügel und ein Stumpf

Zwei Flügel und ein Stumpf.

Quelle: Claudia Nack

Über die Höhe des Schadens kann Wulff derzeit lediglich spekulieren. Wenn nur ein Rotorblatt gewechselt werden muss, schätzt er die Kosten auf 150 000 bis 200 000 Euro. Der Ersatz aller drei Flügel würde bei rund 400 000 Euro liegen. Die Gesellschaft als Eigentümerin hofft, dass die Versicherung zahlt. „Nach 14 Jahren war das erste Einschlag in unseren Windpark mit schlimmen Folgen“, sagt Wulff. Auch Experten rätseln über diese Dimension. In die Rotorblätter sind Blitzableiter einlaminiert. „Der Blitz soll einschlagen, aber keinen Schaden anrichten“, erklärt er. Die 1,5-Mega-Watt-Anlage von General Electric sie turnusmäßig alle zwei Jahre gewartet worden. Im 14. Jahr befinde sie sich „im guten Windmühlenalter“, sagt er. Die Branche rechnet mit einer Laufzeit von 20 bis 25 Jahren. Gegen unterschwellige Unterstellungen, Windräder seien gefährlich, wehrt sich Wulff. „Im Gegenteil, sie schützen Dörfer vor Blitzeinschlag, denn sie sind die höchste Stelle.“

Bewohner von Rotscherlinde bemerkten nichts

„Mein Kollege saß im Container, als es auf einmal schepperte“, berichtet Matthias Ruppe, Labormitarbeiter auf der nahen Betonmischanlage. „Erst dachte er, es hätte bei uns eingeschlagen. Als er raus lief, sah er den abgebrochenen Flügel“, gibt Ruppe die Schilderung wider. Die Bewohner von Rotscherlinde direkt an der B 102 haben offenbar nichts bemerkt. „Erst nachdem wir in der MAZ über den schweren Zwischenfall gelesen haben, sahen wir den Schaden in der Ferne , sagt Dieter Baier. „Alternative Energien werden heutzutage gebraucht“, findet der Transportunternehmer. „Aber es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, den Strom zu speichern, was der Bund subventionieren müsste.“ Um autark zu sein, habe er Solarzellen auf seinem Dach und im Haus eine Batteriespeicheranlage.

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Von Claudia Nack

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