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Hildegard Hesener ist älteste Stahnsdorferin

Seniorin feiert ihren 101. Geburtstag Hildegard Hesener ist älteste Stahnsdorferin

Ihren 101. Geburtstag feierte am Montag Hildegard Hesener in der betreuten Wohneinrichtung „Sonneneck“ in Stahnsdorf. Sie ist damit die älteste Einwohnerin der Gemeinde. Die frühere Verkäuferin trieb Sport und war viel an der frischen Luft unterwegs. Noch heute interessiert sie sich für die Fernseh-Fußballspiele des FC Bayern München.

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Hildegard Hesener feierte gestern mit ihren Söhnen Manfred (l.) und Helmut (r.) in der betreuten Wohneinrichtung „Haus Sonneneck“ in Stahnsdorf ihren 101. Geburtstag. Sie ist damit die älteste Einwohnerin in Stahnsdorf.

Quelle: Foto: Heinz Helwig

Stahnsdorf. „Wenn ich etwas Doofes sage, seien Sie mir bitte nicht böse“, entschuldigt sich Hildegard Hesener bei Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger), als dieser am Montag der ältesten Einwohnerin seiner Gemeinde zum 101. Geburtstag gratuliert. Doch die rüstige Seniorin muss sich sicht sorgen, sie ist „fit wie ein Turnschuh“, wie man so sagt. Ihre Augen haben zwar an Sehkraft verloren, aber ihr Verstand funktioniert noch immer tadellos. Gern hätte sie sich auch in diesem Jahr gemeinsam mit ihrem Ehemann Karlheinz Hesener wieder als ältestes Stahnsdorfer Ehepaar feiern lassen. Doch er verließ sie am 20. Februar dieses Jahres für immer. Karlheinz Hesener wäre heute 103 Jahre alt geworden.

Hildegard Hesener und ihre drei Schwestern sowie der Bruder wuchsen in der Bahnhofstraße in Stahnsdorf auf. Der Vater, Peter Haas, war Bahnhofsvorsteher auf dem nahe gelegenen Bahnhof. Er starb früh, und die Mutter zog mit den Kindern in die Potsdamer Schlaatzstraße. Dorthin brachte der Bruder eines Tages ein paar Arbeitskollegen mit, und in lustiger Runde bei einem „Pfänderspiel“ musste Hildegard Hesener ihrem Tischnachbarn einen Kuss geben. Das war der Beginn einer innigen Liebe und einer langen Ehe mit Karlheinz, einem echten Rheinländer, der in Berlin bei Siemens als Fernmeldemonteur arbeitete. 1938 heiratete das Paar in der Potsdamer St.-Peter-und-Paul-Kirche und feierte 2013 seine Kronjuwelenhochzeit.

Der Sport, das Singen und die Harmonie haben ihr ein langes Leben beschert, sagt Hildegard Hesener. Die Familie war viel zelten und mit dem Faltboot an der frischen Luft unterwegs. Sie spielte Handball in einer Stahnsdorfer Mannschaft und turnte sehr gern im Babelsberger Turnverein. Sie sang im Kinderchor besonders gern das „Ave Maria“ und später im großen Madrigalchor der Potsdamer Friedenskirche. Mit ihrem Ehemann habe sie sich nie gezankt, sagt sie. „Es ist gut, wenn man sich mit dem Partner versteht. Mein Mann war in der Woche viel beruflich unterwegs. Darum freuten wir uns immer besonders auf die Wochenenden, an denen wir zusammensein konnten.“

Hildegard Hesener war Verkäuferin von Beruf. Vor dem letzten Weltkrieg arbeitete sie in einem Kindermodengeschäft in der Potsdamer Charlottenstraße, zu DDR-Zeiten im „Dürer-Haus“, einem Kunstartikelgeschäft auf der damaligen Klement-Gottwald-Straße (jetzt Brandenburger Straße). „Da wurden mitunter auch mal ein paar Bananen gegen eine schöne Vase eingetauscht“, sagt ihr jüngerer Sohn Manfred Hesener. Zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Helmut stellte er Kupfertreibarbeiten her und verkaufte sie im Geschäft der Mutter.

1980 zog Hildegard Hesener mit ihrem Mann in eine Neubauwohnung im Potsdamer Viertel Am Stern. Die beiden Söhne hatten längst eigene Familien in Bornstedt beziehungsweise in Güterfelde gegründet. Derzeit gehören zwei Enkel und drei Urenkel zur Familie. Der nächste Nachwuchs hat sich bereits angekündigt.

Bis zum Jahr 2011 blieb das Ehepaar in der eigenen Wohnung, bis Hildegard Hesener nach Stahnsdorf zurückkehrte und mit ihrem Mann in die betreute Wohneinrichtung „Haus Sonneneck“ in der Potsdamer Allee zog. Den Einzug und die folgenden Jahre haben die Söhne mit Text und Bild in einer Familienchronik festgehalten. Mindestens einmal in der Woche besuchen sie ihre Mutter und machen den Rollstuhl für den kleinen Rundgang fertig. Auch Karlheinz Hesener hatte gern fotografiert. Er hielt die schönsten Ecken Potsdams vor seiner Zerstörung und die selben Plätze nach der Bombardierung im Bild fest. Seine Fotos waren bereits mehrfach im Potsdam-Museum zu sehen. Jetzt hat sich ein Verlag bei Hildegard Hesener gemeldet, der gern einen Bildband mit den Aufnahmen herausbringen möchte.

Die hochbetagte Frau kommt noch immer ohne sanitäre Hilfsmittel aus, die ältere Menschen oft brauchen. Darauf sind ihre Söhne stolz. Sie läuft selbstständig mit ihrem Rollator im Haus herum und unterhält sich gern mit anderen Bewohnern. Hildegard Hesener schaut sich Schlagersendungen im Fernsehen an und mag Helene Fischer oder Andrea Berg. Für die TV-Spiele des FC Bayern München hat sie sich eine Spezialbrille anfertigen lassen, um wenigstens etwas von dem mitzubekommen, was der Kommentar schildert.

In ihren Wünschen ist Hildegard Hesener bescheiden geworden: „Die Hauptsache ist, man bleibt gesund.“

Von Heinz Helwig

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