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Älteste Eiche wirft gewaltigen Ast ab

Unwetterschäden an Kleinmachnower Alteiche Älteste Eiche wirft gewaltigen Ast ab

Um den rund 700 Jahre alten Baum auf dem Weinberg steht es schlecht. Ein Pilzbefall und fehlende Pflege machen der Eiche seit Langem zu schaffen. Nun fügte ein Unwetter zusätzlich Schäden an. „Langfristig hat dieser Baum keine Überlebenschance“, sagt Baumexperte Gerhard Casperson. Er kennt weitere Bäume in der Region, denen es ähnlich ergeht.

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Umweltexperte Gerhard Casperson tritt seit vielen Jahren für den Schutz der Kleinmachnower Alteichen im Bäketal ein.

Quelle: Jürgen Stich

Kleinmachnow. Es muss einen gewaltigen Knall gegeben haben, als in diesen Tagen ein riesiger Ast des ältesten Kleinmachnower Baums auf den Waldboden niedersauste. Die rund 700 Jahre alte Stieleiche am Fuße des Weinbergs hat damit einen wichtigen Teil ihres „Körpers“ auf immer verloren. Für den Kleinmachnower Naturschützer und weit über die Region hinaus bekannten Baumexperten Gerhard Casperson kam das nicht überraschend: „Langfristig hat dieser Baum keine Überlebenschance.“ Die Eiche sei schon lange von Pilzen befallen und stehe nicht frei, sondern werde von anderen Pflanzen bedrängt.

Der langsame Tod der Eiche ist beschlossene Sache – im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits im Mai hatten die Gemeindevertreter sich dazu durchgerungen, keine weiteren Pflegearbeiten an dem Baumriesen durchführen zu lassen. Zuvor hatte es massive Proteste gegeben, als Äste zurückgeschnitten worden waren. Die Gemeindeverwaltung hatte dies mit ihrer Sicherungspflicht begründet, weil auf der einen Seite des Baums ein Wanderweg entlangführt und auf der anderen ein Haus steht.

„Nur auf der Seite des Hauses dürfen Äste im Notfall gekappt werden“, erklärt Casperson. Der Wanderweg dagegen ist schon seit Monaten gesperrt. Gott sei Dank, muss man jetzt konstatieren. Denn der jüngst abgebrochene Ast ist direkt auf den Weg gestürzt und hätte einen arglosen Spaziergänger erschlagen können. Astbrüche können bei Eichen völlig unvermittelt auch an windstillen Tagen geschehen, wie der Baumexperte erläutert. „Wenn die Wasserversorgung nicht mehr funktioniert, wirft die Eiche den Ast einfach ab.“

Die Bruchstelle ist deutlich zu sehen

Die Bruchstelle ist deutlich zu sehen. Der Ast stürzte auch auf den gesperrten Wanderweg.

Quelle: Jürgen Stich

Im Fall der Kleinmachnower Stieleiche kann der Todeskampf übrigens noch 100 oder 200 Jahre dauern. Mit einem Stammdurchmesser von 7,35 Metern und einer Höhe von 32,30 Metern bleibt er also vorerst ein zwar gestutztes, aber immer noch imposantes Wahrzeichen der Gemeinde. Der gewaltige Baum ist zwar der älteste, aber längst nicht der einzige seiner Art in Kleinmachnow. „Am Hang des Bäkeflüsschens stehen zwölf Alteichen“, so Casperson. Die Bäke windet sich mit Unterbrechungen von Berlin-Steglitz bis zum Potsdamer Griebnitzsee. Einst hat sie das Rad der Kleinmachnower Bäkemühle angetrieben.

In einer Kleingartenanlage in der Nähe des Seniorenstifts Augustinum hat Casperson weitere 20 Alteichen ausgemacht. Er ist mit der Kommune, dem Landkreis und den Naturschutzbehörden im Gespräch, wie die Bäume geschützt werden können. „Das Gesetz erlaubt es den Kleingärtnern, die Eichen sofort zu fällen. Das wollen wir verhindern, ohne dass die Sicherheit der Laubenpieper leidet.“ Keine leichte Aufgabe für den passionierten Umweltschützer, denn die Beteiligten schieben sich gerne die Verantwortung gegenseitig zu.

Keine Pflege mehr für die Alteichen

Die Stieleiche ist ein 20 bis 40 Meter hoher Baum und erreicht einen Stammdurchmesser bis drei Meter, im Freistand bis acht Meter. Ihr Höchstalter liegt bei 500 bis 1000 Jahren, in Ausnahmefällen bis zu 1400 Jahren.

Am besten entwickelt sich die Stieleiche auf nährstoffreichen, tiefgründigen Lehm- und Tonböden. In Kleinmachnow hatte sie sich am Hang der Bäke angesiedelt. Der Fluss ist nur noch an einigen wenigen Stellen zu sehen. Auf lange Strecken hat der Teltowkanal die Bäke verdrängt.

Die Kleinmachnower Gemeindevertretung hat im Mai 2017 beschlossen, keine Pflegearbeiten mehr an den Alteichen vorzunehmen, sondern sie ganz der Natur zu überlassen. Wanderwege mussten deshalb teilweise gesperrt werden.

Von Jürgen Stich

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