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AfD-Politiker gegen Flüchtlinge an Regelschulen

Wenn ein Landratskandidat mit Populismus punktet AfD-Politiker gegen Flüchtlinge an Regelschulen

In gut 6 Wochen steht die Landratswahl in Potsdam-Mittelmark an, der Wahlkampf läuft. AfD-Mann Sven Schröder hat klare Vorstellungen, unter anderem was Asylkinder in Regelschulen betrifft. Unterstützung hat sich der Politiker von einem prominenten Parteifreund geholt, der den Kandidaten gar nicht kannte – und auch nicht wusste, dass eine Wahl ansteht.

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Schulter an Schulter im Wahlkampf: André Poggenburg und Sven Schröder (rechts im Bild)

Quelle: Saskia Kirf

Brück. Das Publikum im Brücker Schützenhaus ist eher wortkarg. Kaum einer der rund 30 Zuhörer möchte sagen, warum er diesen Freitagabend beim Bürgerdialog des AfD-Landratskandidaten Sven Schröder verbringt. „Aus Interesse“ sagt einer, „Ich habe kein Vertrauen in die Presse“, ein anderer. Ihren Namen in der Zeitung lesen wollen die Befragten nicht. Ernst Siebert aus Borkheide ist da offener. Er wolle herausfinden, ob er Schröder den Posten als Verwaltungschef des Kreises zutrauen könne, sagt das langjährige, mittlerweile jedoch ehemalige Mitglied der CDU. „Persönlichkeit und Charisma sind wichtig, intellektuelle Tiefe des Kandidaten ist auch nicht von Schaden“, findet Siebert, „zudem wäre Verwaltungserfahrung wünschenswert.“

Rechtsextreme Vergangenheit wird ausgespart

Verwaltungserfahrung hat Sven Schröder nicht, dazu steht er auch. Er sitzt für die AfD im Potsdamer Landtag, kümmert sich dort vor allem um ländliche Themen. Einst war Schröder auch Mitglied der als rechtsextrem eingestuften Kleinpartei „Bürgerbewegung pro Deutschland“ – doch bei der Vorstellung seiner Person erwähnt er diese Episode nicht.

Am Freitag war er in Brück, um den potenziellen Wählern zu zeigen, dass er einer von ihnen ist. „Bodenständig und frei leben“ ist der Wahlslogan des zweifachen Vaters, in seinem Programm setzt er auf bewährte Land-Themen und einen Schuss Populismus: Schnelles Internet, eine starke Landwirtschaft, den Stopp des Windkraftausbaus fordert Schröder, er will Dörfer und den ÖPNV stärken.

Und er will im Falle seiner Wahl an Asylsuchende kein Geld mehr auszahlen, sondern ihnen die rund 5 Euro Taschengeld am Tag als Sachleistung zukommen lassen. Diese Praxis fordert auch Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter gelegentlich – von allen Bundesländern außer Bayern wird sie jedoch als zu bürokratisch abgelehnt, vom Flüchtlingsrat als diskriminierend angesehen. Kinder von Asylbewerbern möchte Schröder vom Besuch der Regelschulen ausschließen, sie sollen zunächst Vorschulen besuchen; zudem sieht er die berufsvorbereitenden Praktika für Flüchtlinge als falschen Weg an.

Applaus für Populismus

Beim Publikum im Schützenhaus trifft Schröder damit einen Nerv. Ob Stadtverordnete, Rentner oder der Mann in der Thor-Steinar-Jacke – einer auch in der Neonaziszene beliebten Marke – Sven Schröder hört ihnen zu. Lange Wartezeiten in der KFZ-Zulassungsstelle und die schlechte Hausarztquote auf dem Land sind Probleme, welche die Menschen in Brück beschäftigen. „Herr Landrat Blasig hat die Geburtsstation im Bad Belziger Klinikum geschlossen“ und „für das Asylchaos wird Geld ausgegeben, dass den Hausärzten fehlt“, sind die Antworten, die Sven Schröder hat. Dafür erntet er dankbaren Applaus.

Ihm zur Seite steht an diesem Abend André Poggenburg. Der 41-Jährige ist Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt und gehört dem Bundesvorstand der Partei an. Poggenburg sorgt regelmäßig für Schlagzeilen, etwa weil er auf Wahlkampfveranstaltungen mit Neonazis auftritt oder weil bekannt wurde, dass mehrere Haftbefehle gegen den Politiker vorlagen, weil er sich wiederholt geweigert hatte, eine Vermögensauskunft abzugeben.

Nach Brück ist Poggenburg spontan gekommen, weil der ursprünglich geplante Gastredner Alexander Gauland seinen besuch kurzfristig absagen musste: „Das hier ist schnelle Nachbarschaftshilfe.“ Er habe bislang gar nicht gewusst, dass in Brandenburg gewählt werde, sagt er gegenüber der MAZ. Er kenne auch den Kandidaten Schröder kaum. Bei den Zuschauern kommt Poggenbrug dennoch gut an.

Poggenburg: „Reelle Chancen auf Wahlsieg“

Poggenburg war selbst einst Landratskandidat. 2014, die AfD war noch weitgehend unbekannt, holte er „um die fünf Prozent“, wie André Poggenburg sagt. Sven Schröder habe da weit bessere Aussichten, denkt Poggenburg: „Hier haben wir jemanden, der eine reelle Chance hat, Landrat zu werden.“

Ernst Siebert aus Borkheide, der sich den Kandidaten Schröder und dessen Eignung zum Landrat anschauen wollte, ist da noch nicht sicher. Auf die Frage, ob der Kandidat ihn überzeugt habe, möchte Siebert „ungern mit nein antworten, aber es ist schon noch Luft nach oben." Für alle Fälle hat er sich jedoch schon eine Erklärung parat gelegt: „Selbst wenn er gewählt wird, Herr Schröder wird vom Establishment ausgebremst werden.“

Von Saskia Kirf

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