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Aisha O. hofft auf eine Entschuldigung

Angriff auf schwangere Somalierin in Bad Belzig Aisha O. hofft auf eine Entschuldigung

Diese Tat hat viele geschockt: Vor mehr als zwei Wochen ist die Somalierin Aisha O. in Bad Belzig von Jugendlichen angegriffen und getreten worden. Die 21-Jährige ist hochschwanger. Jetzt haben Schüler die junge Frau besucht. Unterdessen stocken die Ermittlungen in dem Fall.

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Zu Besuch im Übergangsheim: Blumen und Pralinen brachten die Schüler der Krause-Tschetschog-Oberschule Aisha O. mit
 

Quelle: Saskia Popp

Bad Belzig.  In Aisha O.s kleinem Zimmer im Übergangswohnheim wird es eng. Sieben Schüler der Krause-Tschetschog-Oberschule, dazu zwei Pädagoginnen und ein Übersetzer drängen sich in dem kaum zehn Quadratmeter messenden Raum. Die Schüler wollen die hoch schwangere Somalierin besuchen, die vor mehr als zwei Wochen Opfer eines Angriffs wurde. Die mutmaßlichen Täter: drei Jugendliche, Schüler der Bad Belziger Oberschule.

„Wir wollen Ihnen sagen, dass hier nicht alle Menschen so sind“, sagt die 16-jährige Sabrina Reulecke. Sie schäme sich für diese Tat, sie wolle auch nicht im Namen der Täter sprechen, sondern die Stimmung an der Oberschule wiedergeben. „Es tut uns allen sehr leid, was passiert ist“, sagt Reulecke, sie macht klar: „Wir unterstützen solche Taten nicht.“

Schüler bringen Blumen und Geschenke mit

Schulleiterin Cornelia Scholla freut sich über den Einsatz der Teenager. „Die Initiative herzukommen, ging komplett von den Schülern aus“, so die Direktorin, „sie haben überlegt, was sie tun können und haben dann gleich gesagt, ein persönliches Gespräch sei das Beste.“ Alle Klassensprecher der vier Jahrgänge wurden zusammengerufen, mit Blumen und Pralinen sitzen sie nun um Aisha O. herum.

Die freut sich über ihre jungen Besucher, wie sie sagt: „Aisha findet es schön. dass ihr da seid“, erklärt ein Dolmetscher die Worte der Somalierin, „sie nimmt euch nichts übel und möchte euch sagen, dass es ihr und ihrem ungeborenen Baby gut geht.“ Ein Mädchen werde sie bekommen, verrät Aisha O. noch, um Weihnachten herum soll es auf die Welt kommen.

Stockende Ermittlungen

Der Angriff auf Aisha O. ereignete sich am Nachmittag des 11. November. Die mutmaßlichen Täter, drei Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren, waren schnell ermittelt. Befragt wurden sie jedoch bis heute nicht.

Ein Polizeisprecher begründet diese langsamen Ermittlungen mit dem Schutz der minderjährigen Täter. „Wir können Jugendliche nur im einvernehmen mit den Eltern befragen“, sagte der Polizist am Dienstag beim Treffen des Bad Belziger Forums. Er fordert: „Lassen Sie der Polizei die Zeit, ordentlich zu ermitteln. Zu Art und Schwere der Straftaten gibt es keine Angaben.“

Viele Bad Belziger sind mit der Arbeit der Polizei in diesem Fall nicht zufrieden. „Es gibt rechtsstaatliche Richtlinien. Ich wünsche mir, dass die Polizei schnellstmöglich zu einem Ergebnis kommt. dazu gehört natürlich auch, dass die mutmaßlichen Täter befragt werden“, sagt Götz Dieckmann, Koordinator der Stadt Bad Belzig gegen rechte Gewalt.

Die offene Art der jungen Frau kommt bei den Schülern gut an. „Sie hat uns sofort gebeten, uns hinzusetzen und war sehr gastfreundlich, das fand ich toll“, beschreibt Anna-Lena Jipp das Kennenlernen. Ihr Freund spielt am Wochenende regelmäßig mit den Geflüchteten Fußball, deshalb kennt die 15-Jährige viele der Bewohner des Übergangswohnheims. „Ich war allerdings noch nie hier“, so die Schülerin, „und, soweit ich weiß, auch keiner meiner Mitschüler.“

„Ich finde das Zimmer sehr klein“, sagt Jupp Ludwig (13), „die Möbel sind auch sehr alt und nicht schön. Es tut mir leid, dass diese Menschen hier so leben müssen.“ Ihm ist auch aufgefallen, dass einige Frauen im Hof des Wohnheimes lediglich Badelatschen an den Füßen tragen. „Das ist schon krass,“ sagt Ludwig, „immerhin haben wir Ende November. Es ist wirklich kalt.“

„Für unsere Schüler war dieser Besuch sehr sinnvoll“, resümiert Sozialarbeiterin Regina Weber, „ich denke, dass auch Frau O. sich wirklich gefreut hat.“ Zum Ende des Besuchs stellt Aisha O. ihren jungen Besuchern noch eine Frage. Ob die drei Täter überlegt hätten, sie mal zu besuchen, möchte sie wissen.  Die 21-jährige wünscht sich eine Entschuldigung ihrer Peiniger. „Dann, so übersetzt der Dolmetscher, „wäre die ganze Geschichte für sie vergessen.“

Von Saskia Popp

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