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Alarm in Rädigke: der Brandschutz wackelt

Personalprobleme Alarm in Rädigke: der Brandschutz wackelt

Der Freiwilligen Feuerwehr Rädigke fehlt die nötige Schlagkraft. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die brenzlige Situation war nun Anlass für ein Krisengespräch. Die Niemegker Amtsleitung, die Ortswehrführung und der Rädigker Ortsbeirat wollen gemeinsam nach Lösungen suchen, um die Wehr zur alten Blüte zu führen.

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Krisengespräch zur Lösungssuche für die Zukunft der Feuerwehr in Rädigke.

Quelle: Thomas Wachs

Rädigke. Eine gesellige Stammtischrunde nach Feierabend war das nicht. Immerhin hatten die Männer eine wahrhaft brenzlige Lage zu bereden. Im Dorf Rädigke ist der Brandschutz derzeit nicht ausreichend gewährleistet. „Es scheint zu klemmen in der Ortsfeuerwehr“, sagt Niemegks Amtsdirektor, Thomas Hemmerling über den Eindruck der Amtsverwaltung. Gemeinsam mit Amtsbrandmeister Tino Bastian hatte er daher dazu eingeladen, die Probleme direkt vor Ort zu diskutieren. „Wir haben Angst, das uns hier eine wichtige Säule des Brandschutzes im Amtsgebiet wegbricht und wollen lieber rechtzeitig reden“, so Bastian. Aus der Erstalarmierung für Autobahneinsätze musste die Rädigker Wehr bereits gestrichen werden.

Beim Krisengespräch zur Zukunft der 1933 gegründeten Wehr kamen auf dem Hof des Gasthaus Moritz denn auch diverse Sorgen und Nöte unumwunden auf den Tisch. „Wenn es hoch kommt, sind wir tagsüber fünf Mann für Einsätze“, sagte Heiko Hinze. „Manchmal stehen wir aber auch alleine da“, so der Ortswehrführer. Hauptgrund für die fehlende Einsatzbereitschaft der insgesamt noch 17 aktiven Feuerwehrleute seien Verpflichtungen am Arbeitsplatz. Der liegt für einige Kameraden zudem oft weit entfernt vom Heimatdorf. Eine Stunde Fahrweg sei für viele Alltag.

Allgemeiner Kritikpunkt der erfahrenen Feuerwehrleute waren zudem die zunehmend schwereren Einsätze auf der nahen Autobahn 9. Für die wachsenden technischen und vor allem auch psychischen Anforderungen bei schweren Unfällen mit Verletzten und gar Toten, seien die ehrenamtlichen Helfer oft nicht umfangreich genug ausgebildet. Das hätten erst kürzlich die Probleme beim Unfall eines brennenden Gefahrgutlasters auf der A 10 bei Nuthetal gezeigt.

16 Ortswehren noch aktiv

Im Amt Niemegk gibt es derzeit 16 Ortsfeuerwehren, die teilweise bereits über Gemarkungsgrenzen hinaus kooperieren, und insgesamt 702 Mitglieder der Feuerwehr.

Zur Einsatzsabteilung zählen 335 Männer und Frauen. hinzu kommen 242 passive Leute, die Hilfsaufgaben erledigen sowie 125 Kameraden in der Alters- und Ehernabteilung.

In der Jugendfeuerwehr des Amtes Niemegk gibt es 76 Jugendliche, davon 47 Jungen und 29 Mädchen.

„Hier wälzen Land und Bund anspruchsvolle Aufgaben auf Ehrenamtler ab, bwohl diese Leistungen eigentlich von Profis zu erbringen wären“, hieß es mehrfach in der Diskussionsrunde. Der Ruf nach einer Berufsfeuerwehr wurde laut. Nach Ansicht von Amtsdirektor Hemmerling „ist das jedoch ein Thema für den Landtag“. Bei einem jährlichen Budget von lediglich 300 000 Euro für den gesamten Brandschutz im Amt Niemegk könne dort über festes Personal für die Feuerwehr im Amt überhaupt nicht nachgedacht werden.

Dennoch wurde auf Anregung der Rädigker Kameraden erwogen, die Grundausbildung zum Truppmann künftig zentral durch einen Hauptverantwortlichen erledigen zu lassen. Auch müsse über Vereinfachungen nachgedacht werden, um Interessenten nicht mit Grundkursen über sieben Wochenenden abzuschrecken. Kooperationen mit direkten Nachbardörfern könnten ein erster Schritt sein.

Vor allem sollen für Rädigke nun jedoch dringend neue Kameraden rekrutiert werden. Dafür wollen Feuerwehrleute aktiv in Gesprächen mit ihren Nachbarn werben. Doch fehlen Dorfbewohner jüngerer Generationen, die von den Aktiven angelernt werden könnten. „Unsere Elterngeneration in der Feuerwehr bricht nun weg und der Anschluss im Alter über 45 Jahre fehlt“, sagte Thomas Hinze in der offenen und konstruktiven Diskussionsrunde.

 Der Freiwilligen Feuerwehr Rädigke fehlt die nötige Schlagkraft

Der Freiwilligen Feuerwehr Rädigke fehlt die nötige Schlagkraft.

Quelle: Wachs

Ralf Rafelt, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Rabenstein/Fläming, sowie Tino Bastian plädierten dafür, die Arbeit der Kameraden nicht nur auf die zunehmenden Autobahneinsätze zu beschränken. Der Brand von Ehrenbergs Mühle zum Jahresende 2014 habe gezeigt, wie wichtig die Feuerwehr auch für das Dorf selbst ist. „Zwar haben wir schon Kooperationen mit Wehren in Treuenbrietzen und Sachsen-Anhalt. Doch sind die Probleme dort ähnlich und die Anfahrtswege viel zu lang, wenn ein Hof erst mal brennt“, sagte Tino Bastian.

Für Heiko Hinze „steht eine Schließung unserer Wehr überhaupt nicht zur Debatte. So lange ich noch kann, werde ich bei der Feuerwehr bleiben“, sagte der Ortswehrführer beim Krisengespräch. Ortsvorsteher Siegfried Frenzel wertete dieses als guten Schritt und schlug vor, die Zusammenkunft jährlich zu wiederholen.

Von Thomas Wachs

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