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Kita wollte Allergiekind loswerden

Die Eltern wussten von nichts Kita wollte Allergiekind loswerden

Der 2-jährige Theo-Fiete aus Stahnsdorf (Potsdam) hat eine Lebensmittelallergie und darf zum Beispiel keine Milchprodukte essen. Seine Kita sah sich mit diesem Problem offenbar überfordert und wollte den Kleinen loswerden – ohne mit den Eltern zu sprechen. Nun gibt es eine Lösung in dem Konflikt, aus dem vor allem die Kita ihre Lehren ziehen will.

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Für den kleinen Theo-Fiete sind Milch und Molkereiprodukte derzeit noch tabu. Doch seine Eltern hoffen, dass seine Allergie bis zu seinem Schulalter ausheilt.

Quelle: Fotolia

Stahnsdorf. Der fast zweijährige Theo-Fiete wird auch weiterhin in der Kindertagesstätte „Mäuseburg“ betreut. Das vereinbarten Kitaleitung und Gemeindeverwaltung mit den Eltern Juliane Wernicke und Sascha Dohlen in einem fast zweistündigen Gespräch am Donnerstagnachmittag. Der Junge leidet unter einer Kuhmilch-Protein- sowie einer Hühnereiweiß-Allergie und darf keine Produkte essen, die von diesen Tieren stammen oder Bestandteile von ihnen enthalten. Mit diesem Problem fühlen sich Kita-Leitung und Erzieher bis jetzt überfordert. Die Erzieher haben Angst, den recht lebendigen Jungen in der Gruppe nicht kontrollieren und vor möglichen Gefahren einer unbeabsichtigt falschen Nahrungsaufnahme schützen zu können.

Plötzlich hatte Theo-Fiete ein „komisches Zucken“

Bis vor kurzem verschwiegen Kitaleitung und Verwaltung der Intensivkrankenschwester und dem Schulsozialpädagogen, dass sie schon seit längerem das Kind aus der Einrichtung herausnehmen und von einer Kindertagespflegerin betreuen lassen wollten. Erst auf hartnäckiges Nachbohren und auf Umwegen erfuhren die Eltern davon. Ein Vorfall vor einigen Wochen schien die Ängste der Erzieher noch geschürt zu haben. Theo-Fiete habe plötzlich ein „komisches Zucken“ gezeigt, informierte die Kitaleiterin eines Nachmittags die Eltern. Auf deren Bitte, dem Kind die mitgegebene Medizin zu verabreichen, soll die Kita auf Vorschriften verwiesen haben, nach denen Kindern Medikamente erst ab einer bestimmten Fiebertemperatur gegeben werden dürfen. Diese Temperatur von 38,5 Grad Celsius hätte der Junge aber nicht erreicht.

Allergien können bis zum Schulalter ausheilen

Erste Anzeichen dieser Lebensmittelallergie können rote Flecken, anschwellende Lippen und Ohren oder Atemnot sein.

Die Allergie kann sich bis zum Schulalter verwachsen, sagen die Eltern.

Theo-Fiete wird jährlich in einem Klinikum von einem Arzt getestet, ob er auf die genannten Allergien reagiert – bis jetzt noch positiv.

Eltern wollten Theo-Fiete ursprünglich von Tagesmutter betreuen lassen

Schon bei der Anmeldung eines Betreuungsplatzes in der Gemeindeverwaltung haben die Eltern im November 2014 auf die Besonderheit ihres Kinder hingewiesen und eine Betreuung durch eine Tagesmutter beantragt. Damals konnte die Verwaltung jedoch keinen Tagespflegeplatz anbieten. Theo-Fiete kam in die „Mäuseburg“.

Eltern sorgen für Essen ihres Kindes

Auch dort informierten die Eltern sofort über die hochgradige Allergien ihres Kindes. Zur Erleichterung für das Kita-Team gaben sie einen „Steckbrief“ mit, was Theo-Fiete essen darf und wie sich mögliche Abweichungen auswirken könnten. Außerdem wurden eine detaillierte Medikamentenliste samt Arzneien hinterlegt. „Auf unser Angebot, die Erzieher in die Besonderheiten unseres Kindes einzuweisen, ist die Kita nicht eingegangen“, sagt Juliane Wernicke. Da der Menülieferant der Kita selbst bei einer individuellen Mahlzeit ein Restrisiko für den Zweijährigen nicht ausschließen konnte, bringen die Eltern sämtliche Mahlzeiten für Theo-Fiete von zuhause mit.

Kita suchte schon seit langen nach einer Alternative für Theo-Fiete

Nach dem Vorfall bat die Kita-Leitung um ein Gespräch ohne genaue Angabe des Grundes. Wiederum erst auf Nachfragen erfuhren die Eltern vom beabsichtigten Wechsel, der aber „nicht in unserem Haus“ stattfinden sollte. In dem Gespräch soll die Kitaleiterin eröffnet haben, schon seit der Aufnahme des Kindes vor rund zehn Monaten mit der Verwaltung nach einer externen Betreuung zu suchen – ohne Abstimmung mit den Eltern. Vom Jugendamt in Werder sei ihr bereits angekündigt worden, eventuell ein Kind aufzunehmen, berichtete die bereits ausgesuchte Tagesmutter später den Eltern. Dass Kita und Gemeindeverwaltung Daten ohne ihr Einverständnis einfach weitergegeben haben, schockiert die Eltern.

Bürgermeisterin pflichtet Kita in dem Konflikt bei

„Wir sind ausschließlich um das Wohl des Kindes bemüht“, beteuern Kita-Leitung und Verwaltung unisono. Obwohl auch in anderen Einrichtungen in Stahnsdorf Allergie-Kinder betreut würden, könne den Erziehern der „Mäuseburg“ die Verantwortung für diesen speziellen Fall nicht zugemutet werden, meinte Vize-Bürgermeisterin Anja Knoppke vor dem Gespräch.

In der Evangelischen Campus-Kita der Hoffbauer-Stiftung Kleinmachnow haben die Erzieher keine Angst vor Allergien. „Man muss mit ihnen leben und mit den Eltern offen damit umgehen“, sagt die stellvertretende Kitaleiterin Nicola Stoeckmann.

Man hätte früher und öfter miteinander reden müssen, lautet die Lehre aus diesem Konflikt. Das wollen Kita und Verwaltung nachholen. Knoppke will den Fall zum Anlass nehmen, die Mitarbeiter der „Mäuseburg“ für diesen speziellen Fall qualifizieren zu lassen. Zudem wird überlegt, Theo-Fiete in eine andere Gruppe zu geben.

Von Heinz Helwig

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