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Weit gereist – und in Bad Belzig angekommen

Menschen im Fläming Weit gereist – und in Bad Belzig angekommen

Leyla Coban ist weit gereist, um schließlich in Bad Belzig anzukommen. Die studierte Psychologin macht im Zegg eine Ausbildung zur Gemüsegärtnerin. Hier versorgt sie die hauseigene Küche und bringt die Hausgäste in Kontakt mit der solidarischen Landwirtschaft.

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Leyla Coban, 26, in ihrem Reich – dem Garten des Ökodorfes Zegg

Quelle: Saskia Popp

Bad Belzig. Die Salatpflanzen stehen in Reih und Glied, Setzlinge warten im Schatten darauf, eingepflanzt zu werden. Mittendrin steht Leyla Coban. Die 26-jährige absolviert im Bad Belziger Zegg eine Ausbildung zur Gärtnerin mit dem Schwerpunkt Gemüseanbau. Der Garten der Ökogemeinschaft ist ihr Reich, sie kennt hier jedes Blatt.

Ursprünglich stammt Leyla Coban aus Aachen, doch die Heimatstadt verließ sie direkt nach dem Abitur. Zunächst ging es auf Reisen: ein Jahr lebte sie in Japan, verbrachte einige Zeit in Norwegen, Frankreich und der Türkei. Schließlich studierte Coban Psychologie, wusste aber schnell, dass dies nicht die Berufung fürs Leben war. „Ich habe den Abschluss gemacht, aber hatte schon an der Uni das Gefühl, lieber etwas praktisches machen zu wollen, etwas erfüllendes.“

Solidarische Landwirtschaft als Bestimmung

Also ging Leyla Coban erneut auf Reisen, diesmal allerdings nicht in die weite Welt, sondern quer durchs Land. „Ich war in vielen Gemeinschaften zu Gast“, sagt sie, „weil mich die solidarische Landwirtschaft und die Gärten dort interessiert haben.“

In der solidarischen Landwirtschaft finanzieren – vereinfacht gesagt – Interessierte einen Hof für einen bestimmten Zeitraum und erhalten im Gegenzug dessen Produkte. So soll die Unabhängigkeit der Produzenten gewährleistet werden, die nicht auf das Erzielen maximaler Einkünfte angewiesen sind und somit mehr Zeit und Möglichkeiten für nachhaltiges Arbeiten haben. Für Leyla Coban ist dies der richtige Ansatz.

„Ich lernte einen Zegg-Bewohner kennen, der mir von der Lehrstelle hier erzählte“, erinnert sich die Auszubildende, „das hat mich nicht mehr losgelassen.“ Also kam sie zum Probearbeiten, besuchte ein Seminar – und blieb. Seit September lebt die 26-jährige in einer Wohngemeinschaft auf dem Gelände und absolviert die Ausbildung im eigenen Garten.

Dieser versorgt die Küche des Seminarhauses. „Wir sagen, was momentan reif ist und danach wird ein Küchenplan erstellt“, erklärt die angehende Gärtnerin den Ablauf. „Dann bestellt wiederum die Küche bei uns und wir liefern, was gebraucht wird.“ Zur vollständigen Selbstversorgung reicht es nicht, aber etwa 60 Prozent des im Zegg verarbeiteten Obst und Gemüses stammt aus eigenem Anbau.

Untypische Arbeitszeiten dank Hausgästen

Das schätzen die Gäste, die bei ihren wochenweisen Aufenthalten an verschiedenen Stationen in der Gemeinschaft helfen. Die Helfer bringen für Leyla den Luxus, ihren Arbeitstag erst um 9 Uhr beginnen zu müssen. „Für Gärtner ist das eine vollkommen untypische Zeit“, sagt sie, „aber die Gäste helfen freiwillig, da wollen wir sie nicht mitten in der Nacht aufscheuchen.“

Viel Freizeit bleibt da nicht: „Im Zegg ist der Alltag ganz schnell voll mit Aktivitäten, die einfach so zusammenkommen“, sagt Leyla lachend. Ruhe findet sie im Meditieren, auch die Arbeit mit dem Pflanzen gibt ihr Kraft. „Das erdet mich richtig“, sagt die Coban, die sich in Bad Belzig sehr wohl fühlt. „Ich kann mir eine Zukunft hier gut vorstellen“, sagt Leyla Coban. Doch zunächst müssen die Setzlinge dringend in die Erde.

Von Saskia Popp

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