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Potsdam-Mittelmark Als kleiner Junge dem Archäologen hinterher
Lokales Potsdam-Mittelmark Als kleiner Junge dem Archäologen hinterher
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15:47 19.03.2018
Toben auf dem Aushub-Hügel: Als Ende der 1950er-Jahre Ausgrabungen in Lüsse stattfanden, war Kurt Hübner (links) noch ein kleiner Junge. Die Kinder schauten den Archäologen damals zu. Quelle: Privat
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Lüsse

„Es hat sich viel verändert“, sagt Kurt Hübner und stapft durch den Wald an der Bahnstrecke bei Lüsse. Wo während seiner Kindheit Birken wuchsen, stehen heute Kiefern. Dennoch steuert er zielgerichtet einen Flecken Erde an, der sich eigentlich nicht viel vom Areal drum herum unterscheidet. „Hier war es“, ist sich der 65-Jährige sicher und bleibt unweit des Schienenstrangs an einem alten Zaunpfahl stehen.

Verrostete Nägel in unterschiedlicher Höhe sind die einzigen Hinweise, die auf dessen früheren Zweck hinweisen. Dann deutet er auf einige Reste von Fundamenten und eingefallene Kellergewölben. „Das war Blockstelle 44“, erklärt der in Brück lebende Ruheständler. Im Bahnwärterhaus am Bahnübergang zwischen Lüsse und Schwanebeck, von ihm jeweils nur als Blockstelle 44 bezeichnet, verbrachte Kurt Hübner einen Teil seiner Kindheit.

Lebensabschnitt unverhofft ins Gedächtnis zurückgeholt

Die jüngste Berichterstattung der Märkischen Allgemeinen über die Urnenfunde während des Straßen- und Radwegebaus an der Bundesstraße 246 in Höhe der Bahnbrücke bei Lüsse – und nahe des alten Bahnwärterhauses – hat genau diesen Lebensabschnitt unverhofft in sein Gedächtnis zurückgeholt.

Kurt Hübner (65) aus Brück erinnert sich gut an die Grabungen in Lüsse Ende der 50er-Jahre. Quelle: Christiane Sommer

„Ganz in der Nähe, genau gesagt etwa 350 Meter westlich der Blockstelle 44, wurde schon einmal gegraben. Das war Ende der 1950er Jahre“, beginnt der 65-Jährige zu erzählen und nennt dabei einen Namen, der unmittelbar mit Bad Belzig verbunden ist. „Fritz Horst war damals mit dabei. Er war ein junger Mann und ich ein neugieriger Schuljunge“, sagt Hübner.

Raubgrabungen schon in den 50er-Jahren

Bei der gerade abgeschlossenen Grabung an der Bundesstraße 246 sind insgesamt 50 Urnen aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit geborgen worden.

Nach Schätzungen der Experten erfolgten die Bestattungen zwischen 1000 bis 500 Jahre vor Christus.

Während des Bau der Eisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts waren die Hügelgräber zum ersten Mal in das Blickfeld der Archäologen gerückt.

Raubgrabungen stellte Fritz Horst bereits Ende der 50-er Jahre fest.

Derartige Diebstähle haben sich zum Bedauern der Fachleute während der jüngsten Arbeiten abermals bestätigt.

Fritz Horst wurde 1936 in Belzig geboren. Er starb 1990.

Seine Eltern betrieben in der heutigen Filiale der Sparkasse am Bad Belziger Marktplatz eine Bäckerei.

Hübner heftete sich mit seinem älteren Bruder Manfred sprichwörtlich an die Fersen des gebürtigen Belziger Archäologen. Der erkannte wiederum das Interesse der Kinder, zeigte und erklärte ihnen die Hügelgräber um Lüsse und ließ sie dadurch an seiner Arbeit teilhaben.

Archäologen erklärten Kindern der Leichenbrand

Im Nachgang der 1958 begonnenen Ausgrabung wurde das Gräberfeld im Jahr darauf unter Schutz gestellt. „Die großen Hügel hat er uns als Königsgräber erklärt“, erinnert sich Kurt Hübner – um dann von den Urnen zu erzählen, die während der Ausgrabung in der Scheune von Blockstelle 44 zwischengelagert wurden. „Im Heu“, sagt der Ruheständler.

Archäologische Grabungen fanden kürzlich beim Straßenbau nahe Lüsse statt. Hier Archäologe Rainer Bartels vom Brandenburgischen Landesamt Quelle: Christiane Sommer

Ein großes und ein kleines Exemplar sind Hübner, warum auch immer, in besonderer Erinnerung geblieben. Weiter erzählt er, wie den Kindern der Leichenbrand der großen Urne gezeigt wurde und dass Archäologe Fritz Horst ihnen erklärte, dass bereits viele Hügelgräber geplündert waren. Ferner weiß Hübner, dass die Funde später ins Museum für Ur- und Frühgeschichte in Potsdam überstellt wurden. An deren Abholung aus der Scheune kann er sich jedoch nicht mehr erinnern. Womöglich musste er zu diesem Zeitpunkt gerade die Schulbank im benachbarten Lüsse drücken.

Nach Lüsse war die Familie im Jahre 1961 gezogen, „weil Blockstelle 44 damals immer noch keinen Stromanschluss hatte“, erinnert sich der pensionierte Berufsfeuerwehrmann. Zu Beginn der 70er-Jahre wurde das alte Bahnwärterhaus abgerissen. Die Natur hat sich den Flecken Erde längst zurückgeholt und als Wohnort ist das Areal schon lange nicht mehr zu erkennen. So wie auch viele Hügelgräber rundum.

Von Christiane Sommer

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