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Potsdam-Mittelmark Alte Decke in neuer Schönheit
Lokales Potsdam-Mittelmark Alte Decke in neuer Schönheit
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17:23 29.06.2016
Alte Schönheiten wieder entdeckt: In der Gertraudtenkapelle in Bad Belzig haben Petra und Udo Drott, hier mit Pfarrer Matthias Stephan (links), die bedeutende Deckenmalerei von 1615 saniert. Quelle: Thomas Wachs
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Bad Belzig

Immer wieder geht der Blick bewundernd nach oben. Per Scheinwerfer angestrahlt, präsentiert sich im Altaranbau der kleinen Gertraudtenkapelle am gleichnamige Friedhof in Bad Belzig jetzt ein für die Stadt einmaliges Zeitdokument. Gut ein halbes Jahr lang hat das Restauratorenpaar Udo und Petra Drott mit witterungsbedingten Pausen daran gearbeitet, die aus der Zeit der Renaissance stammende Deckenbemalung zu restaurieren. Sie präsentiert sich nun in frischer Schönheit und weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand aus dem Jahr 1615.

Ein Lautenspieler gehört zu den Motiven der restaurierten Holzdecke. Quelle: Thomas Wachs

Besonders kostbar ist die Malerei, weil sie in den Jahrhunderten auch die schweren Brände während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 überstanden hat. „Damals erlebte Belzig seine wohl größte Zerstörung, lediglich die Kapelle, die zum Gertraudten-Hospital gehörte, überstand diese“, erzählte Udo Drott auf Einladung der Kirchengemeinde St. Marien Hoher Fläming. Sie hatte zum vorläufigen Abschluss der seit 2013 laufenden Sanierungsarbeiten an der Gertraudtenkapelle zur Präsentation der Ergebnisse geladen. Viele Denkmal-Experten und Heimatforscher folgten dieser gespannt.

Insgesamt flossen in die umfangreichen Sicherungsarbeiten für die vermutlich im 15. Jahrhundert gebaute Kapelle rund 141 000 Euro. „Damit landeten wir – nicht zuletzt dank der Arbeit von Architekt Mike Enzmann – noch etwas günstiger als bei den zunächst kalkulierten 150 000 Euro“, sagte Matthias Stephan der MAZ. „Und das trotz des Überraschungsfundes mit zusätzlichem Arbeitsbedarf an der Deckenbemalung“, erklärte der Pfarrer.

Dachdecker entdecken wertvolle Malereien

Durch Zufall waren die wertvollen Malereien an der von unten später mal verkleideten und weiß gemalerten Decke des Anbaus entdeckt worden. Als Dachdecker von oben für ihre Arbeiten einige Bretter entfernten und diese umdrehten, konnten sie historische Malereien erkennen. Dies überraschte auch Denkmalpfleger völlig.

Auch ein Engel schaut herab. Quelle: Thoams Wachs

Nach dezenten Retuschen und der auch mit alten Techniken erfolgten Sanierung der Malerei präsentiere sich nun „eine zu 90 Prozent originale Decke in ihre zusammenhängenden und ungestörten Gestaltung“, sagte Mechthild Noll-Minor, Restaurierungs-Expertin von Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und archäologischen Landesmuseum in ihrem Vortrag zur Einordnung des bedeutenden Fundes nicht nur für die Bad Belziger Stadtgeschichte. Sie zeigte an Fotobeispielen, dass die Malereien in Bad Belzig wohl stark mit der kulturellen und künstlerischen Entwicklung im Raum Wittenberg und Torgau in Verbindung standen. Womöglich kamen auch die Belziger Dekorationsmaler aus diesen kulturellen Zentren, die damals – wie auch das heutige Bad Belzig – noch zu Sachsen gehörten.

Kapelle bekommt Sonntag eine Glocke

Die Expertin vom Landesamt riet dazu, die bedeutenden Malereien in einer Broschüre zu verewigen. Darin sollten dann auch Fotos enthalten sein, die während der Untersuchung auch weiterer Wandmalereien in der Kapelle unter ultraviolettem Licht gemacht wurden. „Damit lassen sich anhand von Bindemitteln und Farbresten ursprüngliche Strukturen deutlicher sichtbar machen“, erklärte Udo Drott. „Besucher könnten mit der Broschüre dann in der Kapelle auf Entdeckungsreise gehen“, sagte Mechthild Noll-Minor.

Bedeutendes Bauwerk

Die Gertraudtenkapelle zu Bad Belzig war als Kirchenraum einst Teil des Gebäudekomplexes des Gertraudtenhospitals nördlich vor dem Brandenburger Tor der befestigten mittelalterlichen Stadt Belzig.

Das Hospital wird erstmals 1383 urkundlich erwähnt. Es kümmerte sich um Kranke und ermöglichte auch Pilgern vorübergehend eine Unterkunft.

Die heutige Gertraudtenkapelle wurde vermutlich im 15. Jahrhundert gebaut. Im Laufe der Reformationszeit änderte sich deren Nutzung. Zeitweise wurde sie auch profan genutzt und diente seit 1575 als Begräbniskapelle.

Zu Pfingsten 1615 wurde sie als „Christkirchlein“ neu geweiht.

Bei der Zerstörung der Stadt Belzig im Dreißigjährigen Krieg brennt auch das Gertraudtenhospital und wird danach nicht wieder aufgebaut. Die Gertraudtenkapelle übersteht diese Zerstörung jedoch.

Die Kapelle ist damit der einzige Innenraum Bad Belzigs, in dem gestaltete Oberflächen aus der Zeit vor 1637 erhalten geblieben sind.

Sie rät zudem zur Dokumentation der auch zum übrigen Kapellenraum gemachten neuen Erkenntnisse. Auf diesen könne aufgebaut werden, wenn über eine weitere Sanierung nachgedacht wird. Handlungsbedarf sehen die Denkmalpfleger auf jeden Fall. Spannend werden könnte es etwa an der heute verputzten Gewölbedecke. Sie könnte auf der Holzschalung womöglich weitere Malereien hervorbringen. Denn auch der Innenraum der Kapelle wurde noch im Mittelalter mit Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament bemalt. Heute stören wuchtige Putzüberlagerungen von der Decke zu den Wänden das Gesamtbild. Daher sehen die Experten „mindestens ästhetischen Handlungsbedarf“, sagte Restaurator Udo Drott.

Vorerst kein Geld für weitere Sanierung

Für weitere Sanierungsprojekte fehle der Kirchengemeinde jedoch vorerst das Geld, so Pfarrer Matthias Stephan. Zunächst soll jetzt am Sonntag der vorläufige Abschluss der fast dreijährigen Arbeiten in der Gertraudtenkapelle mit einem Gottesdienst gefeiert werden. Dann erwartet die Kirchengemeinde und ihre Gäste eine weitere Überraschung, wenn für die Kapelle eine Glocke geweiht wird.

Termin: Gottesdienst in der Gertraudtenkapelle, Sonntag ab 10 Uhr.

Von Thomas Wachs

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