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Alte Fabrik in Werder mit neuem Charme

MAZ zu Hause ... in Werder Alte Fabrik in Werder mit neuem Charme

Der Eigentümer des einstigen Vulkanfiber-Werkes in Werder investiert drei Millionen Euro, um das Denkmal zu einem modernen Wasserwanderstützpunkt mit Seelokal umzugestalten. Der Berliner Jörg Maywald ist zwar selbst kein Wassersportler, hat sich aber in die Industriearchitektur von 1918 verliebt.

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Investor Jörg Maywald erwarb das sanierungsbedürftige Anwesen 1998.

Quelle: Greiner

Werder. Fast 100 Jahre ist es her, als in Werder an der Havel die Vulkanfiberfabrik entstand. Im nächsten Jahr wird das Jubiläum begangen. Doch in dem heutigen Denkmal wird bereits seit 1994 kein Vulkanfiber mehr produziert. Auf dem historischen Flecken am Ufer der Havel unweit vom Bahnhof hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel verändert. Und der Wandel begann, als Jörg Maywald aus Berlin nach der Abwicklung des Betriebes 1998 das sanierungsbedürftige Anwesen auf 34 000 Quadratmeter von der Treuhand erwarb. „Trotz des schlechten Zustands der Gebäude spürte ich das Potenzial, das in den Klinkerhäusern am Wasser steckte“, sagt Maywald, der bis 1994 in der Berliner Charité praktizierte, bevor er in die freie Wirtschaft wechselte.

Von der Zukunft des Fleckens mit bester Anbindung und einzigartiger Umgebung überzeugt, ließ er ein Entwicklungskonzept bis 2018 erarbeiten. Und das mit dem Ziel, Schritt für Schritt einen Wasserwanderstützpunkt zu schaffen. „Und wenn alles klappt, ist er im nächsten Jahr zum 100. Geburtstag der Fabrik fertig“, sagt Maywald. Dann hat der Eigentümer gemeinsam mit dem Verein der Vulkanfiberfreunde auch drei Millionen Euro für einen neuen Anziehungspunkt in Werder für Einheimische, Touristen und Wassersportler ausgegeben. Darin eingeschlossen sind Fördermittel von der Investitionsbank des Landes Brandenburg in Höhe von bisher 760 000 Euro.

Gastronom für das neue Lokal gesucht

Während das historische Filterhaus am Wasser gerade mit viel Aufwand als neues Restaurant mit großer überdachter Terrasse für mehr als 100 Gäste ausgebaut wird, sind andere Gebäude schon saniert oder werden erneuert und noch umgebaut. Für das neue Lokal wird gerade ein guter Gastronom gesucht. 22 Mieter, vom Schützenverein bis zur Marina Vulkanfiber, haben sich auf dem Gelände eingerichtet. „Damit ist das Areal voll vermietet. Aber schwarze Zahlen schreiben wir noch nicht, und einen Kredit hat uns die Bank auch nie in Aussicht gestellt“, sagt Maywald. Er wartet seit Monaten vergeblich auf die anteiligen Zahlungen vom Kreis in Höhe von 230 000 Euro für den notwendigen Bodenaustausch auf dem Gelände, wo früher im großen Umfang mit Zinkchlorid gearbeitet wurde. Insgesamt 400 000 Euro musste Maywald für die Bodensanierung hinblättern – Ausgaben, mit denen er in dieser Höhe nicht gerechnet hatte.

Doch wer gedacht hatte, Maywald ist Wassersportler und liebt große Yachten, der irrt. Ihn hat vor allem die historische Fabrikarchitektur fasziniert. Darum geht er auch behutsam mit ihr um. Im ehemaligen Bottichhaus sollen nach der Sanierung Boote repariert werden, dennoch will der Investor unbedingt einen der alten Holzbottiche erhalten und hat ihm seinen angestammten Platz in der Halle reserviert.

Eröffnung April 2018

Mit der Neugestaltung des Geländes wird auch das Ufer hergerichtet, entstehen Serviceeinrichtungen für Wasserwanderer und Charterbootnutzer. Der Havelradweg führt direkt am Stützpunkt vorbei, Radler sind dort gern gesehen. Natürlich sind im Plan auch Toiletten und Parkplätze und barrierefreie Zugänge berücksichtigt. Somit ist eine der Perlen am Wasser fast wieder völlig poliert. „Die Eröffnung des Lokals am Wasser im April 2018 kann ich schon jetzt kaum erwarten“, sagt Maywald.

Betrieb mit 400 Arbeitsplätzen

Der Berliner Industrielle Martin Schmidt hatte im Jahr 1916 auf dem Werderaner Grundstück Mittelweg 56–58 (heute Adolf-Damaschke-Straße) der vormaligen Ziegelei Fritze die Vulkanfiber-Fabrik gegründet.

In mehreren Ausbaustufen von 1918 bis 1919 und um 1930 wurde der Betrieb auf insgesamt 400 Arbeitsplätze erweitert.

Noch heute wird Vulkanfiber als Trägermaterial für Schleifscheiben, Dichtungen und in Bereichen der Textil- und Elektroindustrtie verwendet. Früher war es zum Beispiel Ausgangsstoff für Reisekoffer und Postmietbehälter.

Die Fabrikanlage in Werder ist ein wertvolles Zeugnis für den Industriebau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Bis zu dreieinhalb Tausend Tonnen des wertvollen Werkstoffs verließen pro Jahr das Werk am Bahnhof. Entwickelt wurde das Material 1859 in den USA.

Von Regine Greiner

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