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Alte Schule in Niemegk droht einzustürzen

Immobilienstreit Alte Schule in Niemegk droht einzustürzen

Die Stadt Niemegk und die Bauaufsicht des Kreises Potsdam-Mittelmark streiten mit dem Eigentümer eines historischen Gebäudes am Niemegker Kirchplatz, das einzustürzen droht. Statt einer geforderten Sicherung des Gebäudes hat der Besitzer lediglich einen öffentlichen Weg gesperrt. Der Berliner hatte sich einst für seine Pläne feiern lassen, aber bislang wenig getan.

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Die Bausubstanz der alten Schule neben der Niemegker Kirche ist deutlich angeschlagen.

Quelle: Thomas Wachs

Niemegk. Ein Zaun des Anstoßes und das vom Einsturz bedrohte, frühere Schulhaus erhitzen die Gemüter in Niemegker Amtsstuben. Bauamtsleiter Thomas Griesbach zeigte sich in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten entrüstet darüber, dass ein privater Eigentümer neben seiner historischen Immobilie am Kirchplatz 10 einen öffentlichen Weg im Verlauf der Pfarrstraße lediglich mit Bauzäunen abgesperrt hat. Dabei sei eine bauliche Sicherung des maroden Gebäudes dringend nötig.

Bauamtsleiter Thomas Griesbach ärgert sich über den Besitzer des maroden Hauses Kirchplatz 10

Bauamtsleiter Thomas Griesbach ärgert sich über den Besitzer des maroden Hauses Kirchplatz 10.

Quelle: Thomas Wachs

Denn für die ehemalige Schule direkt neben dem Pfarrhaus bestehe seit mehr als einem Jahr akute Einsturzgefahr. „Für die Sperrung des Weges müsste eine kostenpflichtige Sondernutzungsvereinbarung abgeschlossen werden“, erklärte Griesbach. Längst jedoch haben Passanten die Sperrgitter etwas zur Seite geschoben, um den gewohnten Durchgang zum Kirchplatz zu haben.

Die Sicherungsaktion ist eine Auflage der unteren Bauaufsicht bei der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark. Nach Hinweisen aus dem Niemegker Rathaus und einer Begehung im Juli 2015 erließ die Baubehörde im September 2015 einen „Bescheid zur Gefahrenabwehr“ an den Berliner Eigentümer des Hauses.

Nach 20 Jahren ausgestiegen

Die Stadt Niemegk erhielt seit 1993 im Rahmen von Landessprogrammen umfassende Förderung für die Sanierung der Altstadt.

Alle öffentlichen Plätze und Straßen sowie auch Gebäude und private Immobilien wurden so mit Zuschüssen von Bund und Land saniert.

Nach 20 Jahren erfolgte dann planmäßig der Ausstieg der Stadt aus dem Förderprogramm.

Anlass waren erhebliche Zweifel an der Standfestigkeit des Gebäudes. Vermehrt wurden Risse in der Fassade registriert. Auch hatte sich bereits voriges Jahr ein Teil der rückwärtigen Hauswand gelöst, stellte ein Statiker fest. „Es ist eine Frage der Zeit, bis das Haus bei größerer Schneelast oder dem nächsten starken Sturm umstürzt“, erklärt Thomas Griesbach. „Dann könnte auch der nur um die Wegbreite entfernte, alte Schafstall auf dem Gelände des Pfarrhauses arg in Mitleidenschaft gezogen werden“, fürchtet der Bauamtsleiter.

Er moniert die Tatenlosigkeit des Besitzers zur baulichen Sicherung des Hauses. Der Berliner hatte die Immobilie, die zusammen mit dem noch bewohnten Haus am Kirchplatz 11 als ältestes erhaltenes Gebäude der Stadt gilt, im Jahr 2014 bei einer Auktion ersteigert. Eine Sanierung zum Wochenenddomizil für die Familie oder als Vermietobjekt sollte folgen. Das bekräftigte der Eigentümer auch in einem Fernsehbeitrag über mutige Haus-Sanierer. Über einige in der Dokumentation gezeigte Handgriffe für erste Aufräumarbeiten hinaus passiert jedoch bislang nichts am Kirchplatz 10. „Ich kann ja nicht verpflichtete werden, das Haus zu sanieren“, sagt Eigentümer Matthias Lefahrt gegenüber der MAZ. Für die von der Bauaufsicht verfügte Absperrung habe er 2000 Euro gezahlt.

Dieser Bauzaun wurde aufgestellt

Dieser Bauzaun wurde aufgestellt. Passanten öffnen ihn aber immer wieder.

Quelle: Thomas Wachs

Hoffnungen des Bauherren auf eine umfangreiche Förderung zur Sanierung zerschlugen sich. „Der Eigentümer hatte wohl so mit 300 000 Euro gerechnet, die wir ihm aber nicht bieten können“, erklärt Thomas Griesbach gegenüber der MAZ.

Für die übliche Förderung zur Hüllensanierung seien um die 50 000 Euro denkbar gewesen, so der Bauamtsleiter. Dieses Geld könnte auch heute noch ausgereicht werden, obwohl die Stadt offiziell bereits aus dem Landesprogramm zur Altstadtsanierung ausgestiegen ist. „Für einzelne, besonders schwierige Fälle steht noch Fördergeld zur Verfügung“, so Griesbach. „Der Aufwand ist jedoch enorm und eine Refinanzierung über hier übliche Mieteinnahmen wohl kaum möglich“, erklärt der Ressortleiter.

Das sieht auch Immobilienbesitzer inzwischen so: „Der Kauf war ein totaler Fehlgriff für uns. Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt Matthias Lefahrt. Nach Gesprächen vor wenigen Tagen mit dem Niemegker Bauamt zeichne sich nun „eine einvernehmliche Lösung ab“, sagte der Berliner auf Anfrage der MAZ. Demnach werde auch über einen Abriss und die Übertragung des Grundstückes an die Stadt nachgedacht.

An den Kosten könnte sich die Kommune womöglich beteiligen, erklärte Lefahrt nach dem Kontakt mit dem Bauamt. Damit gerate jedoch die zweite Haushälfte in Gefahr, die bewohnt ist. Konkrete Absprachen gibt es aber nicht.

Von Thomas Wachs

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