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Álvaro sucht eine deutsche Gastfamilie

Region Teltow Álvaro sucht eine deutsche Gastfamilie

Der 17-jährige Austausschüler Álvaro lebt derzeit in Stahnsdorf in einer Familie und würde sich wünschen, auch weiterhin in der Region bleiben zu können. Denn sein Aufenthalt ist nur bis zum Jahresende gesichert. Álvaro hat eifrig deutsch gelernt, seine Familie musste Venezuela aus politischen Gründen verlassen.

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An deutsche Gebräuche hat sich Álvaro schon gewöhnt – sein Betreuer Michael Baufeld hofft, dass der Junge weiter in der Region bleiben kann.

Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Stahnsdorf. Am schwierigsten sei für ihn gewesen, dass er hier bei seiner Gastfamilie jede Woche sein Zimmer selbst aufräumen müsse, erzählt Álvaro (17), denn zuhause in Venezuela hatte seine Familie Personal für solche Aufgaben. Doch seit August ist der Jugendliche als Gastschüler in Stahnsdorf und hier laufen die Dinge anders. Und nicht nur das: „Das Essen ist anders, die Kultur, die Sprache – alles ist anders“, sagt Álvaro. In seiner Heimatstadt Caracas, der Hauptstadt des Landes, durfte er etwa aufgrund der politischen Situation nach sechs Uhr abends nicht mehr aus dem Haus – hier ist das kein Problem. Auch hat ihn sein Vater aufgrund der unsicheren Lage überall mit dem Auto hingebracht, das Fahrrad, das er dort hatte, konnte er eigentlich nicht benutzen. Hier ist sein größtes Hobby Radfahren. Sein Leben in Venezuela sei viel stärker kontrolliert gewesen, hier in Deutschland habe er deutlich mehr Freiheiten. „Und es gibt alles – Essen, Medizin“, ergänzt der 17-Jährige sichtlich begeistert.

Álvaro ist über die Organisation YFU (Youth for Understanding) nach Stahnsdorf gekommen. Schon sein Vater und sein Onkel hätten nach dem Schulabschluss ein Auslandsjahr eingelegt und so sei er mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Die USA habe er nicht herausfordernd genug gefunden, er wollte lieber eine schwierigere Sprache lernen, also habe er sich für Deutsch entschieden, erzählt der Jugendliche, der zwar in seiner Heimat schon die Hochschulreife hat, hier aber die 11. Klasse des Vicco-von-Bülow-Gymnasiums in Stahnsdorf besucht. Benotet wird er dabei nicht, das würden seine Sprachkenntnisse auch nicht zulassen.

Álvaro hat, wie die anderen YFU-Schüler, zu Beginn seines Deutschland-Aufenthaltes einen dreiwöchigen Sprachkurs absolviert und lernt jetzt laufend dazu. Stolz erzählt er, dass er am Nikolaustag erstmals alle Aufgaben im Biologie-Unterricht verstanden hat. Beim Sprechen fällt er aber noch gerne ins Englisch und wenn er von seinen Freunden erzählt, mit denen er sich in der Freizeit trifft, sind darunter ein Mexikaner, eine Schülerin, die ein Jahr in Chile verbracht hat, oder andere Venezolaner – genug Möglichkeiten also, um in der eigenen Muttersprache zu quatschen. Anschlussprobleme hat er aber keine. „Die Leute sind sehr nett hier“, sagt Álvaro. Selbst als er unlängst eine Panne mit seinem Fahrrad hatte, seien alle stehen geblieben und hätten ihm Hilfe angeboten, erzählt er.

1000 Jugendliche im Ausland

YFU wurde 1951 ins Leben gerufen, heute ist YFU in rund 50 Ländern zu finden, rund 60 000 Jugendliche haben bereits an den Austauschprogrammen teilgenommen.

Deutschland entsendet jährlich rund 1000 Jugendliche ins Ausland und nimmt etwa 550 für ein halbes oder ein ganzes Jahr auf.

Rund 4000 Ehrenamtliche in zwölf Landesgruppen übernehmen in Deutschland den Hauptteil der Aufgaben bei der Betreuung, der Bewerberauswahl und auf den Seminaren.

Wer Interesse hat, Álvaro oder einen anderen Gastschüler aufzunehmen, meldet sich am besten im Hauptsitz in Hamburg per Mail unter: info@yfu.de oder 040/2270020.

Und trotzdem ist noch nicht klar, ob Álvaro tatsächlich wie geplant bis Juli in Stahnsdorf bleiben kann, denn seine Gastfamilie habe von vornherein nur bis Ende Dezember die Möglichkeit gehabt, ihn aufzunehmen, so Michael Baufeld, sein Betreuer. Nun wird eine neue Familie gesucht, am liebsten natürlich in der Region. „Man soll einfach mutig sein und sich darauf einlassen“, empfiehlt Baufeld, der seit 2016 ehrenamtlich für YFU arbeitet und sonst in der Kommunikation für die Deutsche Bahn tätig ist. Seine beiden Töchter hätten selbst in Finnland und Chile Austauschjahre verbracht, erzählt er. Natürlich wisse man im Vorhinein nicht, ob es klappen würde und es sei auch nicht ungewöhnlich, dass es Wechsel gebe. Meist passiere gar nichts Schlimmes, sondern die Beteiligten würden nur merken, dass sie nicht zusammenpassen – aber das sei in Ordnung, versichert er.

Wo auch immer in Deutschland Álvaro sein zweites Halbjahr verbringen wird – danach geht es jedenfalls nicht mehr zurück in seine Heimat Venezuela. Aufgrund der politischen Situation hat seine Familie bereits das Land verlassen. Da er spanischer Staatsbürger ist, wird Álvaro im Sommer zu seinem Vater nach Madrid gehen, erzählt er. Hier würde er dann gerne Medizin studieren.

Von Konstanze Kobel-Höller

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