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Potsdam-Mittelmark Am Zernsee entsteht ein Strohballenhaus
Lokales Potsdam-Mittelmark Am Zernsee entsteht ein Strohballenhaus
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18:35 20.10.2016
Der Kranz auf dem Dachstuhl weht im Wind, während einige Gäste des Richtfestes die letzten Nägel ins Holz schlagen. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

„Möge der Sonnenschein vom Wein die Wärme dieses Hauses sein“, rief Marcus Fröbe vom Dach. Dann setzte der Zimmermann aus Lutherstadt Wittenberg das bis zum Rand gefüllte Weinglas an und trank das erste auf die Bauherren, das zweite auf die Gäste und das dritte auf den lieben Gott. „Die Scherbensplitter sollen das Haus schützen“, sagte er und ließ das Glas aus etwa sechs Metern Höhe fallen. Damit wurden zwei weitere Häuser der Baugenossenschaft Uferwerk am Zernsee in Werder eingeweiht – eins davon ist das Strohballenhaus.

Etwa 60 Gäste kamen zum gestrigen Richtfest auf das ehemalige Gelände des Schaltgerätewerks in Werder, unter ihnen auch Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). In der denkmalgeschützten Fabrik wurden einst Führertische für schnelle Züge produziert. Seit 2014 sind neben der alten Fabrik zwei Häuser im Bau, die sich durch möglichst ökologische Bauweise mit nachhaltigen Materialien auszeichnen. 60 Wohnungen für etwa 140 Menschen aus verschiedenen Generationen sollen auf dem gesamten Gelände entstehen. Insgesamt soll das Projekt laut Uferwerk 12,6 Millionen Euro kosten.

Im kommenden Frühjahr sollen die Häuser fertig sein

Bei den eingeweihten Gebäuden handelt es sich um Haus 42 und Haus 28. „Die Nummerierungen sind auf den ersten Blick etwas komisch. Wir haben sie von der alten Fabrik übernommen“, erzählt Max Kölling, Vorstandsmitglied beim Uferwerk. Haus 28, errichtet in der Strohballenbauweise, soll Anfang April kommenden Jahres fertig werden und Haus 42, ein Holzständerbau, könnte im Frühsommer bezugsfertig sein. „Wenn diese beiden Häuser fertig werden, haben wir das Gröbste geschafft“, sagte Kölling. Daneben wird noch ein bestehendes Fabrikgebäude saniert.

Die Strohballen werden in die Holzständer gestapelt. Quelle: Privat

Auf der Baustelle ging es in den vergangenen Wochen gut voran. Das Strohballenhaus bekam ein Dach und erste Putzschichten. Im Inneren haben die Bauarbeiter einige Wände aufgestellt sowie Rohre und Kabel verlegt. Die Grundfläche des Strohballenhauses ist 580 Quadratmeter groß. Elf Wohnungen auf zwei Etagen sollen dort unterkommen. „Stroh ist ein regionaler Baustoff, der in der Landwirtschaft eher ein Abfallprodukt ist. Stroh hat aber einen guten Dämmwert und gilt als gutes Beispiel für einen nachhaltigen Rohstoff“, erklärte Kölling.

Die Strohballen selbst haben keine tragende Funktion

Wie die meisten anderen Strohballenhäuser in Deutschland auch, wurde das Haus in Werder mit Holzrahmen als Stützen gebaut. Die Strohballen übernehmen also keine tragende Funktion, sondern werden als Dämmung in die Holzkonstruktion eingestapelt, verdichtet und abschließend mit Lehmputz gegen Witterung und Insektenbefall versiegelt. „Es ist einfach eine schöne Art und Weise des Bauens“, sagte Kölling. Haus 42 hat zwar keine Strohdämmung, nutzt aber die nachhaltigen Stoffe Holzfaser und Zellulose.

Die Gäste sahen Zimmermann Fröbe am Donnerstag nicht nur beim Weintrinken zu, sondern durften auch selbst Hand anlegen. Ganze 24 Nägel mussten noch in das Holz des Dachstuhls geschlagen werden. Die Wohn- und Baugenossenschaft Uferwerk gründete sich im Jahr 2011, übernahm im Oktober 2014 das Gelände am Zernsee und begann im vergangenen Jahr damit, die Altsubstanz der ehemaligen Fabrik abzutragen.

Arbeitsintensiv, aber kostensparend

Die Strohballenbauweise ist eine uralte Form des Hausbaus. Bereits vor mehr als hundert Jahren haben sich Strohballen als Baustoff bei eiskaltem Klima Nebraskas in Amerika bewährt. In den 80er-Jahren entdeckte die ökologische Baubewegung diese umweltfreundliche Bauweise wieder.

Der Verein „Öko Bauen Bilden“ unterstützt solche Bauprojekte und half in Werder bei der Umsetzung. In einem Zeitraum von 14 Tagen haben etwa 30 Freiwillige aus ganz Deutschland bei einem Workshop geholfen, das Stroh in die Holzständer zu pressen. Professionelle Anweisungen haben sie dabei von der Firma „Stroh Unlimited“ aus Buckow bekommen.

Rohstoffexperten entkräften den Einwand der Kritiker, dass Baustoffe wie Holz und Stroh das Brandrisiko im Haus deutlich erhöhen. Die Gefahr in Ein- bis Zweifamilienhäusern sei nicht größer als bei den konventionellen Alternativen, sagen sie.

Auch in der Haltbarkeit sollen Häuser aus Stroh, Holz und Lehm ihren Pendants aus Stahl und Beton in nichts nach stehen. So zeigen hundert Jahre alte denkmalgeschützte Häuser, dass Holz und Stroh auch langfristig funktionieren.

Verglichen mit herkömmlichen Bauweisen ist der Strohballenbau arbeitsintensiver, aber kostensparender.

Von Luise Fröhlich

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