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An den Schulen wird es immer enger

Schulen in Stahnsdorf An den Schulen wird es immer enger

540 Kinder besuchen die „Zille-Grundschule“, die eigentlich dreizügig, tatsächlich aber mittlerweile bis auf einen Jahrgang vierzügig ist. Die fünf Klassen, die keine eigenen Räume haben, müssen improvisieren und ungeeignete Räume für den Unterricht nutzen

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Die Zille-Schule platzt aus allen Nähten, bekommt ohne Fördermittel aber nicht mehr Räume.

Quelle: Kobel-Höller

Stahnsdorf. An den Grundschulen der Gemeinde Stahnsdorf wird es immer enger. Seit Mitte September wird nun in der Heinrich-Zille-Schule aus brandschutzrechtlichen Gründen auch nicht mehr auf den Fluren gearbeitet – ein herber Schlag für die Schule, die ohnehin schon damit klar kommen muss, 23 Klassen zu führen, aber nur 18 Klassenräume zur Verfügung zu haben. 540 Kinder besuchen die „Zille“, die eigentlich dreizügig, tatsächlich aber mittlerweile bis auf einen Jahrgang vierzügig ist. Die fünf Klassen ohne eigene Räume müssen improvisieren: Drei werden in Horträumen unterrichtet, zwei in zweckentfremdeten Fachräumen. Zwei Förderräume stehen zur Verfügung, ansonsten wird auf die Bibliothek, den Kartenlagerraum und sogar den Lehrer-Konferenzraum ausgewichen. Sobald eine Klasse beim Sport ist, wird der frei gewordene Raum fremdgenutzt – „man wird erfinderisch“, nennen es die Zille-Pädagoginnen.

Eigentlich bräuchte man für jeweils zwei Klassen einen Extraraum, heißt es, unter anderem, damit Gruppen oder einzelne Kinder gezielt betreut werden können. Denn die Schülerschaft ist bereits jetzt extrem vielfältig: Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, Lernschwäche, Teil-Leistungsschwäche, sonderpädagogischem Förderbedarf, ADHS oder anderen chronischen Erkrankungen, Migrationshintergrund oder aus einem sozial schwachen oder bildungsfernen Elternhaus benötigen besondere Unterstützung. Und individuelle Förderung ist schon lange nicht mehr eine freiwillige Extra-Leistung – vielmehr ist sie für alle Kinder festgeschrieben im Schulgesetz und für besonders Betroffene in zusätzlichen Verordnungen. Sie ist also Muss-Leistung. Binnendifferenzierter Unterricht, Lerngruppen, Einzelförderung oder ehrenamtliche Lernhelfer sind dabei Mittel, die zum Ziel führen können. Nötig dazu ist ein Zusammenspiel von Eltern, Lehrern, dem Schulträger und dem Schulamt, vor allem aber müssen die beiden Grundpfeiler passen: Die personelle und die räumliche/materielle Ausstattung.

Die Grundschulen von Stahnsdorf

Die Heinrich-Zille-Grundschule, die 1962 eröffnet wurde, wird von rund 540 Schülern besucht. An der Lindenhof-Grundschule, die der derzeit rund 300 Kinder beherbergt, wird seit mehr als 100 Jahren unterrichtet.

Auf dem Mühlenhof-Campus gegenüber der Lindenhof-Schule ist neben einer Sporthalle und einem Sportplatz auch ein Grundschul-Neubau geplant. Zuätzlich ist dort auch die Möglichkeit für ein neues Hortgebäude gegeben.

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention am 26. März 2009 hat sich Deutschland verpflichtet, in den Schulen die Inklusion einzuführen. Mit dem Projekt „Gemeinsames Lernen“ möchte das Land Brandenburg dieser Verpflichtung nachkommen. In diesem Schuljahr nehmen 129 Schulen im Land an dem Projekt teil; für nächstes Jahr können sich noch weitere Schulen als Projektschulen bewerben. Ziel ist, dass in rund sechs Jahren alle brandenburgischen Schulen Inklusionsschulen sind.

Um genau diese zu verbessern, hat sich das Kollegium der Zille-Grundschule mit einer Dreiviertelmehrheit klar dafür ausgesprochen, sich für das Projekt „Gemeinsames Lernen“ zu bewerben. Denn was in den nächsten Jahren ohnehin für alle Schulen des Landes verpflichtend werden soll, wie die Zille-Vertreterinnen erklären, birgt beim Einstieg zum jetzigen frühen Zeitpunkt noch die Möglichkeit für Förderungen. Konkret erhofft man sich etwa Mittel für rund 2,5 zusätzliche Lehrkräfte, auch würde die Maximalbelegung der Klassen von 28 auf 25 Kinder gesenkt. Aus dem kommunalen Infrastrukturprogramm wäre außerdem eine finanzielle Unterstützung von baulichen Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele mit 60 Prozent möglich. Denn zusätzliche Räume könnten durch den Ausbau des sogenannten Säulenganges gewonnen werden, der seit längerem im Gespräch ist. Vier Fachräume und sechs Förderräume wären machbar, auf die restlichen benötigten Räume könne man warten, bis die Schule tatsächlich wieder dreizügig sei, heißt es.

Rund 2 bis 2,4 Millionen Euro würden die Baumaßnahmen nach aktuellen Planungen kosten. Wenn 60 Prozent gefördert würden, bliebe eine knappe Millionen übrig, die noch aufzubringen wäre. „Und die müssen wohl zu beschaffen sein“, gibt man sich optimistisch. Als nächster Schritt ist nun ein beschlussfähiger neuer Bauplan nötig, mit dem die nötigen Fördermittel auch tatsächlich beantragt werden können, und die Fraktionen sind dabei, Beschlussanträge für die nächste Gemeindevertretersitzung am 19. Oktober vorzubereiten, in denen es auch um die Beschaffung des fehlenden Geldes geht.

Doch auch wenn sich die Kommunalpolitiker vom pädagogischen Konzept der Zille-Vertreterinnen beeindruckt zeigen und man sich einig ist, dass man doch die beste Förderung für alle Grundschüler haben möchte, so gibt es doch ein großes Problem, das Wolfgang Brenneis (CDU) in Worte fasst: „Es geht ums Geld. Wir können Geld nur einmal ausgeben.“ Und Stahnsdorf plant in den kommenden Jahren bereits eine andere große Investition im Grundschulbereich: den Neubau der Lindenhof-Grundschule auf dem Mühlenstraßen-Campus. Das aktuelle Raumkonzept sieht hier 114 Räume für ein Maximum von 504 Kindern vor, darunter 18 Klassenräume und 9 Teilungsräume, die auch für die Förderung genutzt werden können. Die jetzige Lindenhof-Grundschule auf der anderen Seite der Straße soll dann zunächst als Hort dienen.

Die Lindenhof-Grundschule soll künftig in einen deutlich größeren Neubau umziehen

Die Lindenhof-Grundschule soll künftig in einen deutlich größeren Neubau umziehen.

Quelle: Kobel-Höller

Zum Vergleich: Die Zille-Schule verfügt inklusive Hort nach Angabe von Stahnsdorfs Vize-Bürgermeisterin Anja Knoppke über 44 Räume. Ausreichend, wenn die Schule wieder dreizügig ist, argumentiert sie. Und bis dahin könnten doch die Horträume mitgenutzt werden, bekommen die Zille-Vertreterinnen immer wieder zu hören. Doch genau hier liegt der Denkfehler, kritisieren sie: Der Hort könne nicht zur Schule dazu gerechnet werden. Ohnehin würden Räume mitgenutzt, doch ab 11 Uhr müssten diese der Vorbereitung für die Nachmittagsbetreuung übergeben werden. Außerdem dürfe dort nichts verändert oder gelagert werden, was gerade den Förderunterricht, wo viel mit Spezialmaterialien gearbeitet wird, deutlich erschwere. „Das ist für uns eine absolute Notlösung, die Horträume zu nutzen“, sagen die Sozialpädagoginnen. Umso mehr ärgert es Vertreter der Zille-Schule, dass ihnen immer wieder mangelnde Flexibilität im Umgang mit dem Hort vorgeworfen wird, „Wie kompromissbereit muss man denn sowieso schon sein, wenn man 23 Klassen in nur 18 Klassenräumen unterrichtet?“

Von Konstanze Kobel-Höller

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