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Anarcho-Komödie über Justiz-Farce

„Sacco & Vanzetti“ in Werder Anarcho-Komödie über Justiz-Farce

Ein Fehlurteil, gefällt aus politischen Gründen, hat in den 1920ern in den USA Geschichte geschrieben – im realen Leben und auf der Bühne. „Sacco & Vanzetti“ heißt das Stück, das sich um die gleichnamigen Todeskandidaten dreht. Jetzt ist es in der Comedie Soleil in Werder zu sehen. Die Premiere endete mit langem Schweigen und anschließenden Bravo-Rufen.

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„Sacco und Vanzetti“ im Theater Comédie Soleil.

Quelle: promo

Werder. Zwei Männer sitzen in der Todeszelle. Für ein Verbrechen, das sie nicht begangen haben. Ihnen ist bewusst, allein ihr Engagement in der anarchistischen Arbeiterbewegung und ihre italienische Herkunft sind die Gründe dafür, dass nun der elektrische Stuhl auf sie wartet. Obwohl in den USA und auch in Europa Tausende gegen das offensichtlich politisch begründete Fehlurteil protestieren – Ferdinando Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti bleiben der amerikanischen Justiz chancenlos ausgeliefert. Sie verlieren ihr Leben am 23. August 1927.

Die Geschichte von Sacco und Vanzetti ist seitdem häufig in Literatur, Film und Theater aufgegriffen worden. Regisseurin Karoline Hugler von der Comédie Soleil in Werder nahm die anarchistische Komödie des amerikanischen Dramatikers Louis Lippa als Vorlage für ihre Inszenierung. Ihr liegt die Idee zugrunde, dass die beiden Verurteilten in ihrer Zelle die Stationen dieser Justiz-Farce nachspielen, in der sie unfreiwillig zu Hauptdarstellern geworden waren. Die Szenen muten an wie Revuenummern.

Zunächst überrascht, dass zwei Frauen in die Rollen von Sacco und Vanzetti schlüpfen. Doch Karoline Hugler selbst als Sacco und Saskia Rutner als Vanzetti erweisen sich bald als ideale Besetzung. Feinfühlig und differenziert wissen sie das Auf und Ab der Gefühle der Todeskandidaten zu vermitteln. In vermeintlich fröhlichen Augenblicken schmeckt man Bitternis. Von einer Rolle in die andere wechselnd führen die beiden sowohl das Verbrechen, dessen sie beschuldigt wurden, als auch die ungeheuerlichen Vorgänge im Gerichtssaal vor Augen. Sie sind Gangster, unterschiedlich manipulierte Zeugen, Staatsanwalt und Richter, sogar Straßenbahn und Fluchtauto. Eine beeindruckend bewältigte Mammutaufgabe für die Schauspielerinnen. Zwischen den Spielszenen wird den Verurteilten immer aufs neue ihre Situation bewusst. Die Sehnsucht nach seiner Familie quält Nicola Sacco. Der Gedanke, Frau und Kinder nie wieder in die Arme schließen zu können, lässt ihn verzagen. Vanzetti versucht stets, ihm einen noch so kleinen Hoffnungsschimmer zu zeigen. Denn er glaubt unerschütterlich an die Rettung. Bis auch das letzte Gnadengesuch abgelehnt ist.

Als am Ende Sacco und Vanzetti zur Hinrichtungszelle geführt werden und die Stimme von Joan Baez das Lied „Here’s to you, Nicola and Bart“ anstimmt, herrschte am Freitagabend bei der Premiere ein langes Schweigen in dem kleinen Theater. Dann wurde üppiger Beifall gespendet, sogar Bravorufe ertönten. Drei Damen verbeugen sich erschöpft und strahlend. Hinter den Gittern der Zelle hatte bis dahin unsichtbar Lisa Klauser an E-Orgel und Banjo den musikalischen Background geliefert.

Weitere Aufführungen am 29. Oktober und 5. November, je um 19.30 Uhr; am 30. Oktober und 6. November, jeweils um 17 Uhr. Comédie Soleil, Eisenbahnstraße 210, 14542 Werder. Tickets: Tel. 03327 54 72 35.

Von Edith Mende

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