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Wölfe töten drei Kälber in Brück

Angriff auf Kuhherde Wölfe töten drei Kälber in Brück

Übergriffe auf Nutztierherden kommen seit der Rückkehr der Wölfe immer wieder vor, meistens werden Schafe gerissen. Doch nun haben die Angriffe eine neue Dimension erreicht: Wölfe fallen neuerdings massiv in Kuhherden ein. Ein betroffener Landwirt in Brück (Potsdam-Mittelmark) sorgt sich um seine Existenz.

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Vom letzten gerissenen Jungrind ließen die Raubtiere nur Darmtrakt und Pansen übrig.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Brück. Unruhe bei den Bauern im Kreis Potsdam-Mittelmark: Wölfe fallen neuerdings massiv in Mutterkuhherden auf den Belziger Landschaftswiesen ein. Nach zwei Attacken in vier Tagen beklagte Züchter Peter Kernchen (55) aus Trebitz bei Brück den Verlust von drei Kälbern. Weitere Tiere wurden an den Keulen verletzt. Ob sie durchkommen, ist fraglich.

Übergriffe auf Nutztierherden kommen seit der Rückkehr der Wölfe immer wieder vor. Landesweit wurden bislang mehrere hundert Tiere gerissen, in der Mehrzahl waren es jedoch Schafe. Das Land sah sich gezwungen, eine Richtlinie zum Ausgleich für Schäden aufzulegen. Doch mit den jüngsten Vorfällen bei Brück haben die Angriffe von Wölfen auf Nutztiere in Brandenburg eine neue Dimension erreicht.

Züchter Peter Kernchen schaut derzeit besonders häufig nach seinen Kühen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

"Ich ahnte, dass es dazu kommen könnte. Aber nach zwei blutigen Nächten habe ich keine ruhige Minute mehr", sorgt sich Kernchen. Der Landwirt führt seit 20 Jahren einen Grünlandbetrieb, der sich auf die Zucht von Fleischrindern spezialisiert hat. Er befürchtet, dass Nutztiere zur Futtergrundlage für die Wölfe werden, seit sich das Damwild in der Region rar macht. Gleich nach dem ersten Angriff in der Nacht zum vergangenen Sonnabend installierte Kernchen Scheinwerfer und ließ auf der Weide ein Radio spielen. Doch die Räuber kamen wieder und holten sich ihre Beute von einer anderen Koppel. Jetzt sollen Flatterbänder am Elektrozaun und nächtliche Streifenfahrten den Wölfen den Appetit verderben.

Zum Problem für den Tierhalter wird der benachbarte Truppenübungsplatz Lehnin-Brück. Dort ist die Anwesenheit eines Wolfsrudels nachgewiesen, das bereits mehrfach gesichtet und einmal sogar mit einer Kamera gefilmt wurde.

Im Frühjahr sind auf dem Areal wieder sechs Welpen geboren worden. Auf der Suche nach Nahrung legen Wölfe in einer Nacht locker bis zu 50 Kilometer zurück. So viel Energie müssen die Tiere hier gar nicht aufwenden. Wolfs- und Weideland trennen nur eine Straße und ein paar Kiefern.

Dass Wölfe die über 90 Kilogramm schweren Kälber gerissen haben, steht für Fachleute fest. Im Auftrag des Landesumweltamtes machte sich der ehrenamtliche  ein Bild vom Ort des Geschehens. Vom letzten gerissenen Jungrind ließen die Raubtiere nur Darmtrakt und Pansen übrig. "Ein typisches Bild für die Art. Und es waren mehrere", sagte Hartleb, der zahlreiche Trittsiegel als Wolfsspuren identifizieren konnte.

Der Wolfsbeauftragte Kay-Uwe Hartleb fotografiert sichtbare Spuren vom Wolf.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Sollte sich die Population weiter ungehindert ausbreiten, sieht Bauer Kernchen für die Weidetierhaltung in den Belziger Landschaftswiesen keine Zukunft mehr. Früher als geplant, will er in diesem Jahr seine Kälber verkaufen, um sie nicht alle an die Wölfe zu verlieren. Bis dahin wird jeden Morgen nachgezählt.

Sonja Wallschlag, Wolfsbotschafterin beim Naturschutzbund Nabu, sieht jedoch keinen Grund, die strengen Schutzrichtlinien für Wölfe in Deutschland zu lockern. Genrell seien ihre Bestände noch gering. "Um Nutztierrisse zu vermeiden, gibt es diverse Schutzmöglichkeiten, über Elektrozäune bis zu Herdenschutzhunden." Das Brandenburger Umweltamt schätzt die Zahl der Wölfe in der Mark derzeit auf etwa 100.

Von Frank Bürstenbinder

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Die Rückkehr des Wolfs bereitet vor allem kleinen Nutztierhaltern in Brandenburg große Probleme. Jedes Tier, dass durch den Wolf verloren geht, ist für die Bauern existenzbedrohlich. Das Landesumweltamt hat den Tierhaltern in der Nähe des Truppenübungsplatzes Lehnin-Brück unbürokratische Hilfe zugesichert. Geld und Schutzzäune sollen helfen.

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