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Potsdam-Mittelmark Ansturm auf das Burgwall-Gymnasium
Lokales Potsdam-Mittelmark Ansturm auf das Burgwall-Gymnasium
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00:18 20.02.2017
Groß war kürzlich das Interesse beim Abend der offenen Tür am Gymnasium Treuenbrietzen. Viele Eltern hoffen auf dessen Umwandlung zur Gesamtschule mit Abiturstufe. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen/Brück

Die intensive Werbung hat sich gelohnt. Das Treuenbrietzener Gymnasium „Am Burgwall“ kann für das neue Schuljahr auf 62 gesicherte Anmeldung aus Erstwünschen verweisen. Das bestätigte Bürgermeister Michael Knape (parteilos) gegenüber der MAZ. „Nun können wir sogar wieder über eine Dreizügigkeit nachdenken“, sagte der Verwaltungschef als Träger der kommunalen Bildungsstätte. Zuletzt hatte das Gymnasium mit knapp 40 Anmeldungen noch Sondergenehmigungen benötigt, um überhaupt neue siebte Klassen bilden zu dürfen.

Knape sieht das gute Ergebnis auch als „verdienten Lohn für die umfangreichen Aktivitäten von Schulgremien und engagierter Eltern“, die sich für die Umwandlung des Gymnasium-Standortes zur Gesamtschule mit Abiturstufe stark machen. Viele Bürger der Region hatten diese Schulform kürzlich auch bei einer Unterschriftensammlung mit mehr als 1300 Teilnehmern deutlich eingefordert. Allein 34 neue Siebtklässler kommen aus der Grundschule Treuenbrietzen. 15 Anmeldungen liegen aus Teltow-Fläming von Grundschülern aus Blönsdorf (elf), Zülichendorf (3) und Jüterbog (1) vor. Zudem gibt es acht Erstwünsche aus dem Raum Brück und vier aus Niemegk, teilte die Stadtverwaltung mit.

Politische Verwirrungen halten an

Unterdessen halten die politischen Verwirrungen um die Errichtung einer Gesamtschule mit Abiturstufe im südlichen Landkreis Potsdam-Mittelmark an. Das wurde diese Woche bei der Beratung im Kreistagsausschuss für Bildung und Kultur deutlich. Das Gremium hatte in Vorbereitung der Kreistagssitzung zum 30. März über entsprechende Anträge aus Treuenbrietzen und Brück zu entscheiden. Eine klare Empfehlung an den Kreistag ging daraus nicht hervor. Eine erneute Beratung in den Fraktionen wurde empfohlen. Auch plädierten einige Abgeordnete für den Versuch einer erneuten Annäherung beider Kommunen für ein gemeinsames Konzept. Dieser Weg jedoch war schon im Vorjahr offiziell abgebrochen worden.

Der Fachbereich 5 für Soziales, Jugend, Schule und Gesundheit der Kreisverwaltung plädierte in den Beschlussvorlagen nun dafür, den Antrag aus Treuenbrietzen zu befürworten und den aus Brück abzulehnen. Ressortchef Thomas Schulz hatte in Auswertung der verschiedenen Szenarien zu Auswirkungen beider Anträge jeweils auch die Risiken für die weiteren Schulstandorte abgewogen. Demnach werden für beide Konzepte mehr oder weniger starke Auswirkungen auf bestehende Oberschulen und Gymnasien im südlichen Landkreis skizziert.

Zunehmend beliebte Schulform

Pläne für neue Gesamtschulen mit Abiturstufe gibt aufgrund der stetig steigenden Nachfrage für diese Schulform aktuell auch im Norden des Landkreises.

Der Kreistagsausschuss für Bildung und Kultur billigte einstimmig Projekte in Teltow sowie in Kleinmachnow.

So sollen aus dem Kreishaushalt 2,6 Millionen Euro als Anschubfinanzierung an die Hoffbauer-Stiftung fließen, die auf ihrem Campus in Kleinmachnow eine Gesamtschule schaffen möchte.

In Teltow indes will der Kreis in eigener Trägerschaft eine neue Gesamtschule für die Region selbst errichten.

Zudem plant die Stadt Teltow selbst die Umwandlung einer kommunalen Oberschule in eine Gesamtschule.

„Die Errichtung einer Gesamtschule in Brück gefährdet die gut funktionierende und seit Jahren bestehende Schulstruktur erheblich“, heißt es in der Begründung des Beschlussvorschlages. „Nicht nur die umliegenden Oberschulen sowie das Treuenbrietzener Gymnasium seien in ihrem Schülerbestand gefährdet, sondern auch die jetzige Zügigkeit am Fläming-Gymnasium in Bad Belzig würde künftig absinken müssen“, heißt es weiter. Der Antrag auf Errichtung einer Gesamtschule am Standort Brück könne daher „aus schulentwicklungsplanerischer Sicht nicht befürwortet werden“, schreibt Fachbereichsleiter Thomas Schulz.

Auch die Oberschule Brück soll zur Gesamtschule mit Abiturstufe entwickelt werden. Quelle: Thomas Wachs

Jedoch sieht er auch bei einer Gesamtschule in Treuenbrietzen „erhebliche Gefährdungspotenziale für die gut funktionierende und seit Jahren bestehende Schulstruktur in der südlichen Region des Landkreises“. Insbesondere Oberschulen seien gefährdet.

„Wichtige Argumente der Kreisentwicklung“

Dennoch sprächen „regionalplanerisch betrachtet, wichtige Argumente der Kreisentwicklung für eine Gesamtschule am traditionellen Schulort Treuenbrietzen. Dort gebe es großes Engagement der Stadt als Träger, wie auch seitens der Eltern. Mit der Neuausrichtung des Gymnasiums als Gesamtschule sollte der Standort gesichert werden. So könne dem Wunsch von Schülern und Eltern für ein wohnortnahes Angebot entsprochen werden. Das sei ebenfalls attraktiv für Schüler aus dem angrenzenden Landkreis Teltow-Fläming, da es auch dort im südlichen Teil bislang keine Gesamtschule gibt. Anders als in Brück bilde der Standort keine Konkurrenz zur neuen Gesamtschule in Kloster Lehnin, die sich als Erfolgsmodell erweist.

Bei Ablehnung des Antrages zur Änderung des kreislichen Schulentwicklungsplanes für eine Gesamtschule könnte Treuenbrietzen zudem selbst den Bedarf für eine Oberschule nachweisen. Dies würde wiederum die Existenz aller umliegenden Oberschulen stark gefährden und gleichzeitig keinen Standort für das 13-jährige Abitur im Süden des Landkreises schaffen, argumentiert Thomas Schulz.

Kein klares Votum im Bildungsausschuss

Der Bildungsausschuss sprach sich dennoch mit drei Ja-Stimmen, vier Ablehnungen und einer Enthaltung knapp gegen den Antrag aus Treuenbrietzen aus. Die weitere Beschlussvorlage, die sich allerdings auf eine Ablehnung des Brücker Antrages für einen gemeinsam Gesamtschulstandort in Brück und Treuenbrietzen bezog, wurde unterdessen mit einer Ja-Stimme, vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen abgelehnt.

Vor Ort wird in Brück wie in Treuenbrietzen indes längst eine klare Entscheidung vom Kreistag erwartet. „Wir hängen durch die Gesamtschuldebatte schon seit mehr als zwei Jahren mit unserem Projekt für den Erweiterungsbau der Grundschule. Dabei dürfen wir nun keine weitere Zeit verlieren“, sagt Lars Nissen, der amtierende Brücker Amtsdirektor und Leiter des Sozialressorts. Der Handlungsdruck sei groß, um nicht zuletzt auch wieder Klarheit für die Raumsituation der Grundschule zu schaffen, die derzeit Teile der Oberschule nutzt.

Treuenbrietzens Bürgermeister, Michael Knape (parteilos), plädiert ebenfalls für eine Entscheidung am 30. März im Kreistag. Nach Jahren der Ungewissheit sei man dies „den Eltern und allen Beteiligten schuldig, die sich für eine Gesamtschule als neue Bildungsform in der Region engagieren“. Das Votum des Ausschusses sieht er als „persönliche Momentaufnahme“ der Mitglieder, die nicht die Fraktionsmeinungen im Kreistag widerspiegeln könne. Den aktuellen Ansturm auf das Burgwall-Gymnasium wertetet der Bürgermeister als „klare Rückendeckung für die Gesamtschulthematik“.

Von Thomas Wachs

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