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Anwohner fürchten Stammbahn-Lärm

Bahnlinie Potsdam-Berlin bleibt umstritten Anwohner fürchten Stammbahn-Lärm

Die „Schutzgemeinschaft Stammbahn“ hat jetzt im Kleinmachnower Bauausschuss massive Bedenken gegen den Wiederaufbau der Stammbahnstrecke zwischen Berlin und Potsdam geäußert. Die Anwohner in Kleinmachnow befürchten, dass auf der Strecke vor allem Güterzüge verkehren würden. Doch Lärmschutz ist nicht vorgesehen.

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Die Stammbahn von Potsdam über Kleinmachnow nach Berlin soll die Region besser anbinden. Kritiker befürchten aber, dass die Strecke hautsächlich für den Gütertransport geplant wird.

Quelle: dpa

Kleinmachnow. Mit ihren Sorgen und Wünschen zum Thema Stammbahn wandten sich Kleinmachnower Bürger an den Bauausschuss, der mehrere Beschlüsse zu Bebauungsplänen für diese Trasse in der Beratung hatte. In einem eindringlichen Plädoyer legte Toralf Reichenbach, ein Anlieger der Trasse, dar, dass er befürchte, dass die Deutsche Bahn bei Wiederaufnahme der Strecke diese mehrgleisig und rund um die Uhr mit Dieselloks und Güterverkehr betreiben könnte.

Wird es überhaupt einen Halt in Kleinmachnow geben?

Gespräche mit Entscheidungsträgern hatten bei Reichenbach außerdem den Eindruck erweckt, dass der Ort vom Personenverkehr lediglich rasch durchfahren werden sollte, dass es sich also um eine Ferneverkehrsstrecke ohne Halt in Kleinmachnow handeln würde. Außerdem plädierte er für effizienten Schallschutz. „Bereits jetzt höre ich den Lärm vom Bahnhof Wannsee durch den ganzen Grunewald“, so Reichenbach. Da die Trasse bereits jetzt für Diesel- und Elektrolokbetrieb planfestgestellt und gewidmet sei, könne die Deutsche Bahn die Strecke künftig auch ohne die Errichtung weiterer Schallschutzmaßnahmen rund um die Uhr betreiben, erklärte Reichenbach und wies darauf hin, dass es sich bei der Stammbahn um eine „mehrgleisige, 16 bis 18 Meter hohe Schnellbahntrasse mit Güterverkehr“ handeln werde, „die an der gesamten nördlichen Ortsgrenze vorbeirauscht.“ Die Schallausbreitung in dieser Höhe sei „beachtlich“, warnte er.

Die Bahn versichert: Über Lärmschutz wird geredet werden

Matthias Schubert (SPD/PRO), der Ausschussvorsitzende, wies darauf hin, dass sehr wohl ein neues Planfeststellungsverfahren nötig sein werde, da sich die sogenannte Gradiente der Strecke ändert, die neu über die Autobahn geführt werden müsse. Diese Vorgehensweise sei auch in einem Schreiben des Berliner Bahnbevollmächtigen Alexander Kaczmarek bestätigt worden, so Jörg Ernsting, Kleinmachnows Bauamtsleiter. Bei dem Verfahren müsste dann auch erneut über notwendige Lärmschutzmaßnahmen entschieden werden, erklärte Schubert. Dabei könnte auch die Gemeinde Einwendungen vorbringen – die dann berücksichtig würden oder eben nicht, so der Ausschusschef weiter.

Die „Schutzgemeinschaft Stammbahn“ ist mit dieser Aussage nicht zufrieden: Die Mitglieder befürchten, dass ein Planfeststellungsverfahren nur für den entsprechenden Abschnitt fällig wird, auf den die veränderten Höhenlagen zutreffen – auf den anderen Streckenkilometern würde demnach kein Schallschutz mehr zur Sprache kommen. Generell hätte die Gemeinde wenig bis keine Einflussmöglichkeiten auf Entscheidungen wie die Art der Streckennutzung – also S-Bahn oder Regional-, Fern- oder Güterverkehr –, die Gestaltung der Trasse, die Anzahl und die Lage der Haltepunkte, die Breite der Trasse sowie damit eventuell verbundene Waldrodungen oder Naturverluste, die Häufigkeit und Uhrzeit der Zugdurchfahrten, die Art der Kreuzung an der Ortseinfahrt und am Stahnsdorfer Damm (Über- oder Unterführung) sowie auch der Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer im Düppler Forst oder in Dreilinden und natürlich die Entscheidungen zu Schallschutzmaßnahmen, warnt die Schutzgemeinschaft.

Ministerin hatte Haltepunkte in Kleinmachnow versprochen

Hinsichtlich der Frage, ob es sich um Schnellbahn- oder doch um Fernbahnverkehr handeln würde, erklärte Ernsting, dass bei einer Veranstaltung mit Brandenburgs Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider (SPD), Pläne mit zwei Haltepunkten in der Gemeinde präsentiert wurden. „Es geht natürlich um eine Entlastung der Umlandgemeinden“, erklärte er. Dies zweifelte Reichenbach an: „Es soll den Regionen aus zweiter Reihe im Umland von Berlin eine schnelle Durchfahrt nach Berlin ermöglicht werden“, ist er überzeugt.

Die B-Pläne, die schließlich im Bauausschuss einstimmig empfohlen wurden, hätten jedoch nichts mit den Anliegen der Bewohner zu tun, so Ernsting. Im Bereich der Stammbahntrasse gebe es zahlreiche Nutzungen, auch bauliche, deren Entfernung vom Landkreis angeordnet worden sei. Damit hinter der Sommerfeldsiedlung auch weiterhin Zäune bis zu zwei Meter Höhe bestehen bleiben dürfen, um den Pächtern die Abgrenzung ihrer Flächen vom öffentlich begehbaren Grund zu ermöglichen, seien neue B-Pläne nötig geworden. Die Genehmigungen würden dann im Nachhinein ausgestellt werden. Denn das erste Ziel, so Ernsting, sei es, die Trasse, deren Eigentümer die Deutsche Bahn sei, auf Dauer von Bebauung freizuhalten. Denn, so heißt es in den Unterlagen: „Die Wiederinbetriebnahme der Potsdamer (Stamm-)Bahn ist im Sinne einer weitsichtigen Planung für die Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf und den Metropolraum Berlin-Brandenburg insgesamt von besonderer Bedeutung.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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