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Nachbarschaftsstreit in Zitz Anzeige, weil der Hahn zu laut kräht

Kaum zu glauben: Weil sich eine Zitzer Familie durch das „lang anhaltende“ Geschrei der Hähne von Reno Nerling belästigt fühlt, wird der Fall nun vor Gericht verhandelt. Voraus ging ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit. Und das in einem Dorf, wo es seit 1980 einen Rassegeflügelzuchtverein mit dem traditionellen Pfingstwettkrähen gibt.

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Reno Nerling mit zwei seiner Chabo-Hähne.

Quelle: Claudia Nack

Zitz. „Wenn es einen nicht selber betreffen würde, dann könnte man darüber lachen“, sagt Hühnerzüchter Reno Nerling. Denn was wären die Dörfer ohne Tiere. Die Rosenauer Gemeindevertreter sehen es genauso. Sie haben vor Ostern den einstimmigen Beschluss gefasst, dass die Nutztierhaltung und insbesondere die Geflügelhaltung in allen Ortsteilen von Rosenau ortsüblich sei.

Den Antrag hatte der Zitzer Ortsvorsteher Silvio Mehlhaase eingebracht. Hintergrund ist ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit, der in knapp zwei Wochen vor dem Brandenburger Amtsgericht verhandelt wird, weil sich eine Zitzer Familie durch das „lang anhaltende und andauernde“ Geschrei der Hähne von Reno Nerling belästigt fühlt. Und das in einem Dorf, wo es seit 36 Jahren einen Rassegeflügelzuchtverein mit dem traditionellen Wettkrähen am Pfingstsonntag gibt. Noch nie hat sich ein Anwohner über dieses alljährliche Spektakel beschwert.

„Wir leben doch auf dem Lande“

„Wir leben doch auf dem Lande und dazu gehört auch, dass Hähne krähen“, kann Bürgermeister Hans-Joachim Probst diesen skurrilen Fall kaum glauben. Mit der Ortsüblichkeit für sämtliche Nutztiere wollen die Rosenauer Volksvertreter vorbauen. „Damit nicht der Nächste kommt und sich beschwert, weil Schweine quieken, Ziegen meckern oder Pferde wiehern“. Auch für Christina Wartenberg aus Rogäsen ist diese Klage unbegreiflich. „Wir haben unseren Hahn zurückgegeben, weil er nicht gekräht hat“, warf die Gemeindevertreterin ein.

Reno Nerling hält auf dem elterlichen Grundstück nach eigenen Angaben derzeit elf Hühner und drei Hähne der Zwergrasse Chabo. Der 37-Jährige ist seit 1996 im Zitzer Rassegeflügelzuchtverein und durch seinen Großvater Werner Schüler, der zu den ersten Mitgliedern des 1980 gegründeten Vereins gehörte, mit Hühnern aufgewachsen. Nach dessen Tod hat der Enkel die Stallanlage in der Dorfstraße unterhalb der Kirche übernommen. „Bei meinem Opa, der Zwerg-Welsumer hielt, hat sich niemand beschwert“, sagt der in Genthin wohnende gebürtige Zitzer. Der Nachbarschaftsstreit währe seit etwa fünf Jahren. Ein Versuch der Schlichtung durch die Schiedsstelle 2012 sei gescheitert. „Ich hatte damals noch Antwerpener Bartzwerge und diese Rasse extra abgeschafft“, berichtet Nerling der MAZ. Dem Ehepaar habe er angeboten, sich bei Problemen jederzeit zu melden. Dazu kam es nie, dafür gingen Anwaltsschreiben hin und hier. Wie verlangt, habe er den Zaun so hergerichtet, dass das Licht der in der Dorfstraße vorbeifahrenden Autos seine Hühner nicht blende. „Außerdem baute ich einen elektronischen Pförtner ein, damit sich die Hühnerklappen nicht vor acht Uhr morgens öffnen“, erzählt er. Trotzdem führte kein Weg zu einer Einigung. Statt dessen flatterte ihm Anfang dieses Jahres die Klage ins Haus.

„Sobald es morgens hell wird, geht es los“

„Das stundenlange Hahnengeschrei ist nervig und gesundheitsschädigend“, steht für Hans-Wilhelm Geue fest, der nach der Wende 1994 aus dem Altbundesgebiet in sein Elternhaus nach Zitz gezogen ist und in Brandenburg als Geschäftsführer des Gesundheitszentrums arbeitet. „Markdurchdringend und laut hallend“ sei dieses Hähnekrähen. „Sobald es morgens hell wird, geht es los“, sagt Geue auf Nachfrage der MAZ. Nicht nur er, sondern vor allem seine Frau und auch die 17-jährige Tochter fühlen sich belästigt, denn die Ställe befänden sich nur schräg gegenüber seines Hauses mitten im Dorf. „Ich plädiere für eine gänzliche Abschaffung oder wenigstens für eine Rasse, wo die Hähne nicht so laut schreien“, sagt Geue. „Da es keine Gespräche gab, ist die Klage aus meiner Sicht die letzte Möglichkeit.“

Der gesprächsbereite Reno Nerling sieht das freilich anders. „Es wäre ein Unding, wenn auf dem Dorf die Hühnerhaltung verboten würde“, so der 37-Jährige, der seit kurzem auch Vize-Vereinsvorsitzender ist. An seinem Hobby schätzt er die „Ruhe und Entspannung“. Der 17 Mitglieder zählende und 1980 gegründete Zitzer Verein hat sich dem Erhalt und der Zucht verschiedener Geflügelrassen verschrieben. Nerling selbst holte auch schon Titel und Pokale. Im vorigen Jahr erhielt er, der noch im europaweiten Club der Chabo-Züchter organisiert ist und dessen siebenjähriger Sohn bereits Interesse für Hühner zeigt, mit einem Huhn den Landesverbandsehrenpreis. Aus der Stadt Genthin sei ihm ein ähnlicher Fall bekannt, dort habe der Verein gewonnen.

„Ein glückliches Huhn braucht einen Hahn“

„Traurig, aber wahr“, sagt Vereinschef Steffen Jäger. Zumal an gleicher Stelle schon seit Jahrzehnten Hühner gehalten werden. Zu Ehren von Nerlings Großvater werde sogar der Werner-Schüler-Gedächtnispokal vom Preisrichter vergeben. „Alle wollen Eier essen, aber ein glückliches Huhn braucht halt auch einen Hahn“.

Wie es in Zitz ausgeht, entscheidet der Richter am 11. April. Erst im vorigen Jahr hatten die Gemeinderäte von Rosenau, Bensdorf und Wusterwitz auf Anraten des Imkervereins einen Beschluss über die Ortsüblichkeit der Bienenhaltung gefasst, um mögliche Beschwerden und Klagen von Anwohnern im Keim zu ersticken.

Von Claudia Nack

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