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Arbeitslos, weil das Kind keinen Kitaplatz hat

Werder Arbeitslos, weil das Kind keinen Kitaplatz hat

Trotz mehrerer neu eröffneter Kindergärten in den vergangenen Jahren herrscht in Werder noch immer ein großer Mangel an Kitaplätzen. Eine Familie beschwerte sich nun über die Folgen. Denn die Mutter musste ihren Job aufgeben, um das Kind tagsüber betreuen zu können.

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Auch in Werder heiß begehrt: Ein Kitaplatz für die Kleinsten.

Quelle: dpa

Werder. Trotz Neueröffnung der Kita in der Adolf-Damaschke-Straße am Mittwoch fehlen in der Blütenstadt noch immer rund hundert Plätze für die Betreuung der kleinsten Werderaner. Anhaltender Zuzug und fehlerhafte Berechnungen im Kitabedarfsplan des Landkreises haben zu einem chronischen Mangel geführt, den Eltern seit langer Zeit beklagen.

Auch eine junge Familie, die zum 1. September von Berlin nach Werder gezogen ist, bekam den Mangel zu spüren. Denn für ihren Sohn Philip (5) war einfach kein Platz frei. Der Hinweis auf den gesetzlich zugesicherten Kitaplatz sei mit Geld- und Personalmangel abgetan worden, berichtet die Familie. Die Folge: In den ersten drei Wochen pendelte Philip jeden Tag mit seiner Mutter Laura Möller (28) zur Arbeit nach Berlin und saß mit ihr am Schreibtisch. „So etwas einem kleinen Kind zuzumuten, ist in meinen Augen unerträglich“, sagt sie. Ihr Lebensgefährte, Malvin Glasmacher (25), arbeitet bei der Polizei ebenfalls in Vollzeit.

Stadt sieht Handlungsbedarf beim Landkreis

Die junge Mutter sah nach diesen ersten Wochen keinen anderen Ausweg, als ihren Job aufzugeben und Sozialhilfe zu beantragen. Doch an dieser Station lauerte schon das nächste Problem. Obwohl sie mehr als zehn Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, kommt Arbeitslosengeld I für sie nicht infrage. „Ich müsste der Arbeitsvermittlung den ganzen Tag und in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Das kann ich aber nicht, weil ich mich um Philip kümmern muss“, berichtet Laura Möller. Dem Sozialamt wiederum sei das kleine, einstöckige Haus mit drei Zimmern zu groß, was für die Familie entweder einen Umzug oder den Verzicht auf die finanzielle Unterstützung bedeutet. In Werder ist das kein Einzelfall.

Die Kita in der Adolf-Damaschke-Straße in Werder ist am Mittwoch eröffnet worden

Die Kita in der Adolf-Damaschke-Straße in Werder ist am Mittwoch eröffnet worden. Sie bietet Platz für 100 Kinder.

Quelle: Luise Fröhlich

„Das Wachstum der Stadt hat in den letzten drei Jahren eine Massivität erreicht, die nicht voraussehbar war. Als Indiz dafür ist der Kitabedarfsplan zu sehen oder auch die Schulentwicklungsplanung“, erklärte Christian Große, 1. Beigeordneter in Werder. Der Verwaltung sei dieser Zustand bewusst und ebenso frustrierend wie für die Eltern. „Wir müssen jedoch auch feststellen, dass wir nicht Träger der Aufgabe sind, sondern der Landkreis Potsdam-Mittelmark. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Lösung des Problems“, versicherte er. Zwischen der Entscheidung eine Kita zu bauen und deren Eröffnung würden derzeit und trotz schneller Modulbauweise allerdings mindestens zwei Jahre liegen.

Linke: „Es reicht immer noch nicht aus.“

Immer wieder verteidigte sich die Stadt auch in den politischen Gremien damit, bereits ihr Möglichstes zu tun. Beispielsweise als die Linksfraktion im Mai vergangenen Jahres einen entsprechenden Antrag in die Stadtverordnetenversammlung einbrachte. „Wir kommen keinen Schritt weiter, wenn alle mit dem Finger auf den Kreis als örtlichen Träger der Jugendhilfe zeigen“, erklärte kürzlich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Gabriele Janke. Denn nach Kitagesetz seien sowohl die Kommune, als auch der Kreis verantwortlich. Die neu eröffneten Kitas in Töplitz und Werder würden zwar die Bemühungen der Stadt zeigen, aber es reiche immer noch nicht aus.

Einige Eltern klagen – und haben Erfolg

Nach MAZ-Informationen gehen manche Eltern gegen die Verweigerung des Kitaplatzes vor. Wie viele das in Werder getan haben, ist nicht bekannt.

In der Nachbargemeinde Schwielowsee ist kürzlich ein ähnlicher Fall aufgetreten. Die Familie klagte, weil die Kommune das Kind nicht zum gewünschten Zeitpunkt aufnehmen konnte. Sie gewann den Prozess schließlich vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Die Gemeinde hat den vorläufig gültigen Beschluss zurückgewiesen.

Dadurch kommt es zu einem Hauptverfahren, bei dem eine Entscheidung erst nach mehreren Jahren fallen kann.

Auch die CDU-Fraktion bemängelte, dass der Kreis in seiner Kitabedarfsplanung mit falschen Zahlen rechnet und beauftragte die Stadtverwaltung, eine eigene Planung aufzustellen. Die Stadtverordneten befürworteten dies mehrheitlich im Sommer. Zwei weitere Einrichtungen mit insgesamt 220 Plätzen seien Christian Große zufolge nun in Planung.

Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) äußerte im jüngsten Hauptausschuss das Ziel, im kommenden Jahr die nächste Kita zu eröffnen. Es sei eine gemeinsame Kraftanstrengung des Kreises und der Stadt nötig, wobei die Stadt das Bewusstsein dafür beim Landkreis vermisse, so Christian Große weiter.

Von Luise Fröhlich

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