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Potsdam-Mittelmark Galgenhügel trägt seinen Namen zu Recht
Lokales Potsdam-Mittelmark Galgenhügel trägt seinen Namen zu Recht
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17:07 22.09.2014
Wildes Suchen am Ausgrabungsort. Quelle: S. Specht
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Bad Belzig

Ein emsiges Treiben herrscht derzeit in einem Wald nahe der Kur- und Kreisstadt. Rund 15 Archäologie-Studenten der Berliner Humboldt-Universität und der Viadrina Frankfurt/Oder, samt ihrer Dozentin Marita Genesis, haben nur ein Ziel: Sie wollen herausfinden, ob der so genannte Galgenhügel im Nordwesten der Stadt seinen Namen zurecht trägt. Erste Ergebnisse gibt es bereits. „Es scheint, als hätten wir es wirklich mit einem echten Galgenhügel zu tun“, berichtet Marita Genesis.

Von einem echten Galgenhügel spricht man, wenn der Ort tatsächlich über eine längere Zeit – und nicht nur einmal – als Richtstätte genutzt wurde. Zahlreiche Knochenfunde und komplette Skelette sprechen beim Bad Belziger Galgenhügel eine deutliche Sprache. Letzter Beweis wären Fundamente des Galgens. „Spätestens seit Mitte des 16. Jahrhunderts bis etwa 1840 wurde hier gehängt, gerädert und enthauptet. Darum vermute ich, dass die Fundamente massiv waren und noch existieren“, sagt Marita Genesis.
Thomas Langer hatte die Expertin für historische Richtstätten nach Bad Belzig gelockt. Der Bad Belziger war Gast bei einem Vortrag und berichtete ihr im Anschluss von einem Galgenhügel am Rande seiner Stadt. „Das wollte ich mir genau anschauen“, erinnert sich Marita Genesis.

Noch bis Ende dieser Woche sind sie und ihre Studenten täglich an der Ausgrabungsstelle. Stundenlange Fahrten mit Zug und Auto nehmen die angehenden Archäologen auf sich, um dabei zu sein. „Eigentlich sollten sich die Studenten alle zwei Wochen abwechseln“, berichtet die in Potsdam lebende Dozentin. „Doch es gefällt den Studenten so gut, dass es nun eine gemischte Gruppe geworden ist und eigentlich alle da sind.“

Galgen und Raben

Auf einem Galgenhügel, auch Galgenberg genannt, fanden früher öffentliche Hinrichtungen von Verurteilten statt. Die Stätten lagen meist an markanten Plätzen in der Nähe von Orten mit eigener Gerichtsbarkeit.
Der Bereich war meistens für die unterschiedlichen Todesstrafen mit Galgen, Rad und Pfahl ausgestattet.
Die Hingerichteten blieben lange Zeit hängen und wurden der Verwesung, Hunden, Vögeln und der Witterung überlassen.
Abgefallene Leichen wurden oft unter oder um den Galgen auf dem Galgenberg verscharrt.

Arbeit gibt es auf jeden Fall reichlich. Es wird geschippt, vermessen, gesäubert, fotografiert, notiert und katalogisiert. Wann immer etwas Ungewöhnliches zum Vorschein kommt, wird „Marita“ gerufen. Die schaut sich die Stelle an, ordnet blitzschnell ein und gibt Hinweise, wie mit dem Fund zu verfahren ist. Die wertvollsten Hinweise geben die komplett erhaltenen Skelette. Anhand der Lage und Ausrichtung können die Experten die Todesart ermitteln. Forensiker bestimmen anschließend Alter, Geschlecht und den ungefähren Todeszeitraum.
„Eine gekrümmte Haltung des Körpers und Händen nahe der Knien deutet auf Ertränken hin. Liegt der Kopf bei den Beinen wurde die Person sicher geköpft und Wirbelbrüche deuten auf Erhängen hin“, weiß Marita Genesis. Was ab der kommenden Woche mit der Ausgrabungsstätte geschieht, liegt nach ihren Angaben nicht mehr in ihrer Hand.
Sie wünscht sich zumindest einen kleinen Hinweis an dieser Stelle. „Scharfrichter gehören zu unserer Geschichte. Wir sollten sie nicht verdrängen. Ein großes Monument an dieser Stelle wäre unpassend. Aber mit einer Hinweistafel könnte an die Menschen erinnert werden.

Von Stefan Specht

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