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Architekt zeichnet Gesichter seiner Heimat

Werder Architekt zeichnet Gesichter seiner Heimat

Architekt und Illustrator, Tino Würfel aus Werder, zeichnet leidenschaftlich gern. Das war schon zu Zeiten seiner Bauzeichnerlehre so. Aber viel lieber, als Grundrisse oder Ansichten von Häusern, zeichnet er Menschen, Landschaften oder Figuren. Porträts sind sein eigentliches Steckenpferd, sagt er. Doch davon allein kann er noch lange nicht leben.

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Mit einem roten Kugelschreiber hat Tino Würfel diese Werder-Silhouette im Sommer 2007 gezeichnet.

Werder. Filigran, präzise und lebhaft: Mit viel Liebe zum Detail hat der Zeichner und Architekt Tino Würfel dabei geholfen, den zweiten Band der Werder-Chronik zu illustrieren. Den Auftrag erhielt er vom Autoren persönlich. Ortschronist Baldur Martin kontaktierte den 42-jährigen Werderaner, den er bei einer Ausstellung kennengelernt hatte. Er brauchte Bilder aus der Zeit, in der es die Fotografie noch nicht gab. Als Thema nahm sich Würfel die arbeitende Bevölkerung vor und griff nach der Recherche in Büchern, Chroniken und im Internet zum Stift. Heraus kamen etwa die Obstzüchtermädchen, die Melkerin mit ihrer Kuh oder die Amtsrichter mit Anzug und Hut.

So intensiv hatte sich Würfel vorher noch nie mit der Geschichte der Blütenstadt beschäftigt. Dabei ist er ein echter Werderaner. Er wuchs in der kleinen Siedlung von Bochow-Bruch auf und ging in Groß Kreutz zur Schule. Auf die Frage, ob ihm das Zeichnen schon immer im Blut lag, hat er eine klare Antwort: „Das trägt man so in sich.“ Die Kindheit und Jugend in Bochow-Bruch war an manchen Tagen einsam, da es wenig Gleichaltrige gab. Also begann Würfel schon als junger Mensch mit dem Malen. Im Kunstunterricht zeichnete sich sein Talent später immer mehr ab. Nach dem Abitur, das er am Oberstufenzentrum in Werder machte, war er für ein Jahr im Zivildienst als Friedhofsgärtner der Kirchengemeinde Groß Kreutz tätig. Bei Russig und Langer in Geltow absolvierte er schließlich seine Bauzeichnerlehre. Dort fertigte er Grundrisse, Ansichten und Details per Hand – Dinge, die heutzutage größtenteils am Computer passieren. „Das hat schon Spaß gemacht“, sagt er.

Würfel wollte eigentlich Design studieren

Nach der Lehre zog er nach Potsdam-Babelsberg und studierte von 1997 bis 2001 Architektur an der Fachhochschule Potsdam. Ursprünglich wollte er eigentlich in den Design-Studiengang, bekam allerdings eine Absage aufgrund mangelnder Darstellungsfähigkeit. „Eigentlich hatten sie einfach nur keinen Platz mehr, aber das durften sie so nicht schreiben“, erzählt Würfel. Noch während des Studiums vertiefte er seine eigentliche Leidenschaft und lernte das Freihandzeichnen beim Künstler Wolfgang Thiel.

Gasse auf der Werderaner Insel

Gasse auf der Werderaner Insel

Quelle: Privat

Gemeinsam mit einem seiner damaligen Lehrmeister, Wolfgang Langer, eröffnete er 2004 ein Architektenbüro in der Brandenburger Straße in Werder und machte sich damit selbstständig. Nach Langers Tod führte er das Büro in der Brandenburger Straße weiter und holte sich Unterstützung vom Architekten Rainer Ziegelmann. Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn wohnt Würfel seit 2011 in einem Haus in Neu-Plötzin.

Zwei Bücher voller Porträts und Landschaften

„Mein eigentliches Steckenpferd sind Porträts“, erzählt er. Seit 2004 zeichnet er neben seinem Architektendasein Menschen jeden Alters mit Bleistiften, Sepiakreide, Kohle oder Rötelstiften. Manche stehen oder sitzen ihm Modell, andere Gesichter zeichnet er frei von Fotos ab. „Wenn ich an Leuten vorbeigehe, erwische ich mich manchmal dabei, dass ich mir vorstelle, wie sie gezeichnet aussehen“, sagt Würfel. Zwei Bücher füllen seine Porträts mittlerweile und auf einem der letzten Blätter ist Würfels Oma zu sehen. „Das Bild stand anstatt eines Fotos zu ihrer Beerdigung am Altar“, erzählt er. Viele ließen trotz Digitalisierung noch Zeichnungen von ihren Kindern oder Eltern bei ihm machen.

Obstzüchtermädchen, gezeichnet von Tino Würfel

Obstzüchtermädchen, gezeichnet von Tino Würfel

Quelle: Privat

Würfel träumt davon, irgendwann mal von den Porträts und Landschaften, die er fertigt, leben zu können. „Das wäre schön, aber es würde sich kaum rentieren“, sagt er. Die Honorare, die er für seine gelegentlichen Illustrationsaufträge bekommt, reichen noch nicht aus. An Stillleben hat er sich auch probiert, aber die seien ihm auf Dauer langweilig geworden. Dafür finden sich in seiner Sammlung vor allem Werderaner Ansichten, aber auch Zeichnungen aus fernen Städten wie etwa Krakau. Dort hat er während des Studiums mit einem schwarzen Kugelschreiber einen Häuserzug gezeichnet, der sich an der Wand seines Büros wiederfindet. Die Bücher mit Würfels Zeichnungen liegen zum Beispiel zur Weihnachtsmarktzeit auf der Insel in der Galerie des Lendelhauses aus. Manche Besucher lassen sich bei dieser Gelegenheit auch von Würfel porträtieren.

Bücher, Kalender und Chroniken

Bekannt wurde Tino Würfel unter anderem mit seinen Illustrationen zu dem Kinderbuch „Moppel und Mücke“ von Christine Pohl. Die Werderaner Autorin kam mit ihren Texten und Vorstellungen zu ihm. Dabei heraus kamen nicht nur etliche Zeichnungen, sondern auch ein dazugehöriges Malbuch, in dem die Kinder seine Figuren ausmalen können.

2012
fertigte er Illustrationen zu „Die Abenteuer des Zwiesel“ von Ingeborg Lauwaßer, die, wie Würfel auch, Mitglied bei der Vereinigung „Havelkünstler“ ist. Außerdem zeichnete er für den Kalender der Havelkünstler 2009 und für das Kochbuch „Havelzander im Apfelbett“.

Kürzlich erschien das Kinderbuch „Lea und der Schneemann“ (Silke Herling), zu dem Würfel ebenfalls zeichnete.

Von Luise Fröhlich

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