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Asylbewerber gärtnern gegen die Langeweile

Bad Belzig Asylbewerber gärtnern gegen die Langeweile

Das Übergangswohnheim für Asylbewerber in Bad Belzig besteht seit 25 Jahren. Jetzt wurde dort das Jubiläum mit einem multikulturellen Fest gefeiert. Aus dem Anlass ist auf dem Gelände am Weitzgrunder Weg ein Gartenprojekt eröffnet worden. Bewohner begegnen damit ihrer Langweile im Wohnheim.

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Hossein Saki (re.) aus dem Iran, Sozialarbeiterin Caroline Ballerstädt und Dennis Arlan aus Kenia pflanzen im neuen Garten des Bad Belziger Asylbewerberheimes.

Quelle: Thomas Wachs

Bad Belzig. Akkurat aufgereiht stehen Selleriepflanzen neben Schnittlauch, Tomaten und Kartoffelstauden. Ein Pfirsichbäumchen trägt zahlreiche Früchte. In der Gartenlaube dudelt ein kleines Radio. An der Fassade weht ein schwarz-rot-goldenes Fähnchen. Was anmutet wie ein typisch deutscher Schrebergarten, ist das Projekt von Hossein Saki (32) aus dem Iran und Dennis Arlan (29) aus Kenia. Mit den Frauen Warda und Kharda aus Somalia schufen die Bewohner des Übergangswohnheimes für Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge in Bad Belzig seit Mai diese kleine grüne Oase. Sie gärtnern gegen die Langeweile und das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. „Alle Pflanzen sind Spenden von Bad Belziger Bürgern“, erklärt Caroline Ballerstädt. „Vor allem die Kirchengemeinde hat uns sehr unterstützt und auch den Zaun besorgt“, sagt die Sozialarbeiterin. „Für die Bewohner gibt das Projekt die wichtige Chance, endlich wieder etwas selbst zu schaffen und das wichtige Gefühl, sich nützlich machen zu können“, erzählt die Mitarbeiterin des Heimes.

Offiziell eröffnet wurde der Garten am Mittwochnachmittag während des multikulturellen Jubiläumsfestes im Übergangswohnheim am Weitzgrunder Weg. Es besteht seit 25 Jahren.

Etwas Ruhe nach turbulenteren Zeiten

Aktuell ist dort wieder mehr Ruhe eingekehrt. Dabei gab es durchaus schon turbulentere Zeiten in den Quartieren. „In der Spitze hatten wir hier noch kürzlich 250 Bewohner“, sagt Lutz Kuligk, der Heimkoordinator. Er ist fast von Anfang an dabei. So wie die erste Heimleiterin, Heike Herrmann, erinnert er sich auch an die Außenstellen in Verlorenwasser in den 90er-Jahren sowie im Ferienlager Hohenspringe, das voriges Jahr vorübergehend belegt werden musste.

Aktuell ist der damals massive Zustrom von Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern deutlich abgeebbt. Heute leben 170 Menschen aus 15 Nationen in dem Heim. Darunter zehn Familien und 37 Kinder jeden Alters. 90 Bewohner leben in den voriges Jahr zusätzlich zu den älteren Bungalowbauten auf dem 22 000 Quadratmeter großen Gelände errichteten Containerquartieren. Dort sind hauptsächlich jüngere Männer untergebracht.

Patin vermittelt zwischen Eltern und Kindern

In ihren Grußworten zum Jubiläumsfest würdigten Vertreter der für die Betreuung zuständigen Kreisverwaltung sowie von der Stadt Bad Belzig die Arbeit des Arbeits- und Ausbildungsförderungsvereines Potsdam-Mittelmark (AAfV), der das Heim betreibt. „Trotz der hohen Anforderungen vor allem im vorigen Jahr konnten die Probleme in guter Kooperation gelöst werden“, sagte Sozialamtsleiterin Nicole Böttcher. Die Bad Belziger Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) würdigte den Beitrag des Heimes, „um Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, hier eine neue Perspektive zu geben“. Sie hofft, dass sich die Zuzügler „als Einwohner der Stadt hier in das gesellschaftliche Leben einbringen und sich sicher fühlen“.

Ihren Beitrag leistet unter anderem Anke Weltzien. Die 33-jährige Mutter zweier kleiner Kinder kommt einmal wöchentlich als ehrenamtliche Patin in das Heim. Dort betreut sie eine afghanische Familie mit vier Kindern im Alter von 13, elf, neun und Zweieinhalb Jahren.

„Ich verstehe mich als Mittlerin zwischen den Kulturen und auch zwischen den afghanischen Eltern und ihren Kinder, die über die Schule schon viel stärker hier integriert sind als ihre Eltern“, sagt die Bad Belzigerin. Gemeinsam werden Spiele erlernt und Lieder gesungen. Zudem hilft die Patin bei Kontakten zur Schule. So muss für einen Klassenausflug mal ein Fahrrad besorgt oder den Eltern vermittelt werden, dass eine Lesenacht im Hort mit gemeinsamer Übernachtung der Kinder zum Schulleben gehört“, erzählt Weltzien. „Als Dank bekomme ich viel Wärme und Gastfreundschaft zurück.“

Von Thomas Wachs

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