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Potsdam-Mittelmark Kinder haben ein Recht auf Trauer
Lokales Potsdam-Mittelmark Kinder haben ein Recht auf Trauer
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00:35 31.03.2018
Die Stahnsdorferin Sabine Elvert will eine Gruppe für trauernde Kinder in der Region Teltow gründen. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Stahnsdorf

„Früher, in den Großfamilien, gab es immer jemanden, der auch gerade einen anderen verloren hatte und daher den Kindern helfen konnte. Es gab sozusagen Mini-Trauergruppen innerhalb der Familie. Ein Zehnjähriger, der schon jemanden verloren hat, kann einem Sechsjährigen am besten helfen“, ist Sabine Elvert (44) überzeugt. Als die Stahnsdorferin ihren Vater verlor und ihr damals fast sechs Jahre alter Sohn sie fragte, ob Opa denn die Einschulung nicht miterleben wollte, oder am Grab laut wissen wollte, ob die teuren Zähne denn jetzt auch mitbegraben würden, da erlebte sie das erste Mal, wie das ohne Großfamilie ist, dass man als Mutter mit der Trauer des eigenen Kindes überfordert sein kann.

„Es gab keinen roten Faden, kein Handbuch. In dieser Situation habe auch ich gar nicht gewusst, wo ich danach suchen hätte sollen“, erinnert sie sich. „Diese Hilflosigkeit werde ich nie vergessen. Aber sie hat noch nicht gereicht, um etwas zu unternehmen“, so Elvert. Erst als sie Jahre später ihrem Sohn erklären sollte, dass ein Mitschüler nach einer Operation vielleicht nicht mehr in die Schule zurück kommen würde, suchte sie nach Unterstützung: Sie besuchte den Potsdamer Hospiztag, wollte mehr wissen, auch selbst helfen, und ließ sich in der Folge ehrenamtlich zur Begleiterin für Familien mit schwer und lebensverkürzt erkrankten Kindern ausbilden.

Nach dem Sommer soll die Trauergruppe an den Start gehen

Nun möchte sie in der Region eine Trauergruppe für Kinder errichten: „Hier sind rund 60 000 Einwohner und gestorben wird ständig. Es hängt immer eine Familie dran, oft auch Kinder.“ Seit rund einem Jahr ist sie damit in Vorbereitung, nun wird es endlich konkret: Acht ehrenamtliche Helferinnen und Helfer haben sich bereits gemeldet, in den nächsten Wochen möchte sie alle von ihnen kennenlernen. Nach dem Sommer möchte sie an den Start gehen, mit ihrem geschützten Raum für Grundschulkinder, die dort weinen und lachen, reden und schweigen, singen, malen und basteln können.

„Es wird sicher nicht die ganze Zeit geheult werden, wie sich das manche Leute vorstellen. Es werden Erinnerungen ausgetauscht und viel Kreatives gemacht, um die Trauer mit den Händen im wahrsten Sinn des Wortes zu verarbeiten.“ Die Gruppe soll den Ängsten, Gefühlen und Fragen einen Rahmen geben. Hier dürfen Kinder nach Krankheitsverläufen fragen, erzählen, dass sie weinen müssen, wenn sie etwas Gelbes sehen, weil das die Lieblingsfarbe der verstorbenen Oma war, oder sagen, dass sie traurig sind, weil sie für den Muttertag nichts mehr basteln können. Sie sollen aufgefangen werden und Verständnis finden. Gemeinsam soll auch herausgefunden werden, was den Kindern Kraft gibt, was ihnen hilft, wenn sie einmal ganz unten sind.

Auch die Eltern trauernder Kinder sind nicht allein

Oft würden die Kinder ihre eigenen Gefühle selbst nicht verstehen, nicht wissen, warum sie vielleicht wütend auf den geliebten Menschen sind, der sie verlassen hat, oder sie könnten zuhause nicht trauern, weil sie Mama nicht traurig machen wollten. „Aber Kinder haben ein Recht auf Trauer, auch wenn sie ihnen oft abgesprochen wird“, betont Elvert. „Und auf die Wahrheit.“ Man könne alles kindgerecht erklären, selbst den Suizid des geliebten Elternteils. „Die Fantasie der Kinder ist schlimmer als jeder Horrorfilm“, warnt sie.

Doch auch die Eltern trauernder Kinder sollen nicht allein gelassen werden: Parallel zur Kindergruppe wird ein Gespräch angeboten. „Es ist ja immer die ganze Familie betroffen“, erinnert Elvert. „Nach einer Studie sind immer im Schnitt 160 Menschen betroffen, wenn eine Person stirbt.“ Das Verständnis dafür ist jedoch sehr gering. „Getrauert wird zuhause“, hat Elvert öfter als einmal zu hören bekommen, wenn sie Schulen Trauerbegleitung für betroffene Klassen angeboten hat. Es fehle an Zeit, Interesse und Ressourcen, sagt sie. Dabei hat in der dritten oder vierten Klasse praktisches jedes Kind schon Erfahrungen mit Trauer gemacht – sei es in Form eines Todesfalls, der Trennung der Eltern, eines Umzuges oder auch des Verlusts des heiß geliebten Kuscheltieres, von dem es sich zuvor jahrelang nicht trennen konnte. Denn Trauer hat viele Seiten, wie auch der Umgang damit.

Noch werden passende Räume gesucht

Jede zweite Woche möchte sich die Trauergruppe für Kinder treffen. Bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit für die Zusammenkunft einer Jugend-Trauergruppe.

Noch werden die passenden Räumlichkeiten gesucht. Sie müssen für Kinder geeignet sein, idealerweise mit einem getrennten Platz für die Eltern und einem benutzbaren Außenbereich zum Toben.

Weitere Informationen sowie Kontakt für Geld-, Sach- oder Zeitspenden unter loswerden möchten: Sabine Elvert, Telefon: 0151/41 26 72 82, S.Elvert@Trauerkinder.de, www.Trauerkinder.de

Von Konstanze Kobel-Höller

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