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Auf Streife im Paradies der Diebe

Potsdam-Mittelmark Auf Streife im Paradies der Diebe

Mit verstärkten Kontrollen geht die Brandenburger Polizei gegen die Planenschlitzer an den Autobahnen vor. Organisierte Banden sind der Alptraum der Spediteure und halten die Ermittler auf Trab. Doch müssen die Beamten verdammt vorsichtig sein. Die MAZ konnte ein Polizei-Team begleiten und bei ihrer Arbeit filmen.

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Die Schnitte in der Plane sind alt: Eva Kürten und Andreas Franz nehmen die Lastwagen auf dem Autobahn-Rasthof Fläming ins Visier.

Quelle: Julian Stähle

Klein Marzehns. So schnell wie sie kommen, sind sie wieder weg – die gut organisierten Planenschlitzerbanden von der Autobahn. Ob auf Parkplätzen oder Rasthöfen, die Täter nutzen die Ruhezeiten der Lkw-Fahrer schamlos aus und schlitzen im Schutz der Dunkelheit die Planen der Laster auf.

„Mit einem Kontrollschnitt gucken die Diebe, ob sich wertvolle Ware an Bord befindet“, sagt Autobahnpolizistin Eva Kürten. Sie ist in dieser Nacht mit ihrem Kollegen Andreas Franz auf den Brandenburger Autobahnen unterwegs. „Bei unserer Streifentätigkeit achten wir verstärkt auf die Problematik mit den Planenschlitzern. Mit geschultem Blick nehmen sie besonderes die dunklen und abgelegenen Lkw-Reihen ins Visier. Frische Schlitze fallen den Beamten schnell auf.

Mit dem Nachtsichtgerät auf der Suche nach Dieben

Mit dem Nachtsichtgerät auf der Suche nach Dieben.

Quelle: Julian Stähle

Mit einer umfangreichen Kontrolle auf den Autobahnen 2, 9 und 10 startet die Brandenburger Polizei eine Offensive gegen die Ladungsdiebe. In dieser Nacht sind auch Eva Kürten und Andreas Franz auf mehreren Parkplätzen an der Autobahn 9 in Richtung Leipzig unterwegs.

Wenn sie auf einen Parkplatz kommen, achten sie auf verdächtige Fahrzeuge und Personen, die sich in der Nähe der Lastwagen aufhalten. Ihren Dienstwagen stellen die Beamten am Anfang des Parkplatzes hinter einen Lkw ab. Vorsichtig steigen sie aus und streifen über den nächtlichen Platz.

Spektakuläre Fälle, großer Schaden

Diebesbanden suchen in Lastern nach schneller Beute. Die Schäden reichen oft bis in die Millionen hinein. Beinahe jede Nacht wird in Deutschland ein Rastplatz zum Tatort.

Sie schlitzen die Planen der Lastwagen auf, mehrere Auflieger werden so in einer Nacht ausgespäht. Was sich verkaufen lässt, nehmen die Diebe mit: Elektrogeräte, Motoren, Kleidung, selbst Windeln und Lebensmittel.

Auf der Raststätte Fläming-Ost wollten Diebe in der Nacht zu Freitag zuschlagen. Von einem polnischen Gespann versuchten sie, LCD-Fernseher zu stehlen. Doch offenbar wurden die Diebe gestört und flüchteten ohne Beute.

Hunderte Kochtöpfe im Wert von 50 000 Euro wurden im Oktober 2015 auf einem Rasthof bei Ziesar gestohlen.

Etwa 100 Fahrräder stahlen Planenschlitzer

Anfang Oktober 2015 von einem Lkw in Ziesar 100 wertvolle Räder – der Schaden lag bei rund 50.000 Euro.

Fahrräder im Wert von 1,3 Millionen Euro verschwanden im September 2015 in Michendorf. Dies war der bislang wohl spektakulärste Coup solcher Diebe. Beim Diebesgut handelte es sich um 260 Carbon-Fahrräder.

Einen immensen Schaden (60000 Euro) richteten Diebe vor wenigen Wochen an. Auf zwei Parkplätzen durchwühlten sie 66 Lastwagen. Gestohlen wurde nicht viel.

Wer auf Park- und Rastplätze verdächtige Leute beobachtet, ruft die Polizei unter 110 an.

„Besonders wichtig ist es, auf den Eigenschutz zu achten“, erklärt Andreas Franz. Der erfahrende Autobahnpolizist ist seit mehreren Jahren auf der Bahn unterwegs. Auch in seinem Einsatzbereich kam es in der Vergangenheit zu heftigen Angriffen auf Polizisten. Wenn er mit seiner Kollegin auf dem Parkplatz unterwegs ist, weiß er nie, ob er einen oder mehrere Täter auf frischer Tat erwischt und wie diese reagieren. „Wir müssen davon ausgehen, das der oder die Täter bewaffnet sind, denn die Schlitze und Beschädigungen werden oft mit einem scharfen Messer verursacht“.

Rastplätze sind für zahlreiche Spediteure mittlerweile ein Alptraum, für Diebe eher ein Paradies. Flachbildschirme, Kaffee und Lebensmittel, Computertechnik oder Mobilfunkgeräte, Baby-Windeln, Kosmetika – auf der Jagd nach dem schnellen Geld kennen die Planenschlitzer keine Skrupel. Und das macht die Ermittlungen für die Polizei nicht einfach. „Es handelt sich hierbei um organisierte Kriminalität“, sagt Bernd Lorenz von der Autobahnpolizei Michendorf. Der Beamte ist in dieser Schicht der Dienstgruppenleiter. Er steht per Funk im Kontakt mit seinen Einsatzwagen. Bei größeren Einsätzen oder schwierigen Ermittlungen leitet er vor Ort.

Auf dem Weg zum nächsten Parkapltz

Auf dem Weg zum nächsten Parkapltz.

Quelle: Julian Stähle

Auch Bernd Lorenz hat bei seiner Arbeit auf der Autobahn schon eine Menge erlebt. „Die Banden sind oft skrupellos und gut vernetzt.“ Ihnen auf die Schliche zu kommen, sei schwierig. Denn die Diebe agieren sehr vorsichtig und spähen die Rastplätze aus, um nicht überrascht zu werden. Schwierig sei die Strafverfolgung, weil die bestohlenen Kraftfahrer den Schaden erst am nächsten Morgen bemerken, manchmal sogar noch später. Dann sind die Parkplatz-Piraten oft schon über alle Berge.

Bernd Lorenz und seine Kollegen betreuen einen Autobahnbereich von 300 Kilometern. In dem Gebiet sind etliche Parkplätze und Rastanlagen. Auf einem Parkplatz unweit des Rastplatzes Fläming sind Eva Kürten und Andreas Franz auf einen Lastwagen gestoßen, dessen Plane zahlreiche Schlitze aufweist – aber keine frischen. „Diese Angriffe sind schon alt“, sagt Andreas Franz. „Man sieht hier die großen Schlitze, meist in V-Form. Dadurch haben Diebe die Möglichkeit einfach hinter die Plane eines Aufliegers zu gucken.“ Ramponierte Pläne seien fast schon die Regel. Der Beamte entdeckt an jedem zweiten Laster eine beschädigte Plane.

Die beiden Polizisten fahren zum nächsten Parkplatz – immer den Blick auf die Straße und immer ein Ohr am Funk. Ein weiteres Hilfsmittel ist ein Nachtsichtgerät. Mittels Restlichtverstärkung ist es den Beamten möglich, auch in dunklen Ecken und Gängen Personen und vor allem Wärmequellen zu erkennen. So können die Beamten aus sicherer Distanz erkennen, ob sich verdächtige Leute auf einem Parkplatz zu schaffen machen.

Nachts auf Streife auf Brandenburgs Autobahnen

Nachts auf Streife auf Brandenburgs Autobahnen.

Quelle: Julian Stähle

In dieser Nacht bleibt es ruhig. Verdächtige Personen sind auf den Parkplätzen nicht unterwegs, zumindest sehen die Beamten keine. Möglich, dass die Diebe die Polizisten gesehen haben und sich zurück halten. Für heute ist für Andreas Franz und Eva Kürten Feierabend. Auf dem Autobahnrevier übergeben sie den Wagen an die Frühschicht. Mit Sicherheit werden in den Morgenstunden wieder frische Schlitze festgestellt.

Von Julian Stähle

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