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Auf der Flucht: Kaufmann verlor seine Münzen

Experten entschlüsseln Geheimnisse Auf der Flucht: Kaufmann verlor seine Münzen

War es ein reicher Bauer, der seine Ersparnisse verstecken wollte? Der Münzfund von Martin König, der in seinem Garten in Lühnsdorf (Potsdam-Mittelmark) bei Erdarbeiten mehrere hundert so genannte Denare gefunden hatte, wird derzeit in Potsdam untersucht. Experten vermuten, deren Ursprung entschlüsseln zu können.

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Wilko Krone nimmt den seltenen Fund genauestens unter die Lupe.

Quelle: Stefan Specht

Lühnsdorf, Potsdam. War es ein reicher Bauer, der seine Ersparnisse verstecken wollte? Der Münzfund von Martin König, der in seinem Garten bei Erdarbeiten mehrere hundert so genannte Denare gefunden hatte, wird derzeit in Potsdam untersucht. Obwohl das nicht im Vordergrund steht, taucht dabei immer wieder die Frage auf, wer diesen Schatz vor ziemlich genau 700 Jahren vergraben haben könnte.

Diese Frage stellen sich Wilko Krone und Hans-Dieter Dannenberg. Die beiden Experten für Münzen aus dieser Zeit haben sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Fund beschäftigt. Und das im Auftrag des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege. Thomas Kersting, Leiter der Bodendenkmalpflege, hatte den Fund für das Land in Besitz genommen und ihn anschließend Wilko Krone und Hans-Dieter Dannenberg für die Untersuchung überlassen.

Zur Untersuchung in Potsdam

Dabei hatten es die beiden Münzexperten nicht nur mit den anfangs vermeldeten 466 ganzen und 209 halben Münzen zu tun. Bei einer Nachsuche mit Metaldetektor wurden noch einmal 33 ganze und 34 halbe Denare im Sand entdeckt. Jeder Silberling wurde von Hans-Dieter Dannenberg und Wilko Krone gesäubert, gewaschen, gewogen und anschließend fotografiert. Dann begann die eigentliche Detektivarbeit.

„Wir ordnen die Münzen anhand von Katalogen den Herkunftsstätten und Prägejahren zu“, berichtet der Vorsitzende der Potsdamer Numismatiker, Wilko Krone. „Das ist oft schwierig, da die Prägungen durch die Jahrhunderte nicht mehr zu erkennen sind. Besonders bei halben Denaren ist das die reinste Puzzlearbeit.“ Interessant fanden Krone und Dannenberg die Zusammensetzung der Münzen, die etwa aus den Jahren 1270 bis 1300 stammen.

Denn obwohl Lühnsdorf zu jener Zeit noch zu Sachsen gehörte, stammen mehr als 75 Prozent des Fundes aus der Markgrafschaft Brandenburg. „Wir vermuten deshalb, dass ein Kaufmann das Geld vergraben hatte. Nur zwei Kilometer entfernt verlief ein wichtiger Handelsweg. Raubritter machten die Gegend unsicher. Wahrscheinlich kam der Kaufmann nach dem Verstecken seines Geldes ums Leben, konnte die Münzen also nicht mehr ausgraben“, sagt Wilko Krone. Dafür spricht auch die Tatsache, dass unter den Münzen ein Exemplar aus Pommern und eins gar aus Osnabrück ist. Fünf Silberlinge konnten noch nicht genau bestimmt werden.

Finder erhält eine Belohnung

Thomas Kersting vom Landesamt für Denkmalpflege vermutet dagegen, dass Lühnsdorf schon älter ist, als es die erste urkundliche Erwähnung von 1377 vermuten lässt. „So ein großer Fund in so einem kleinen Ort ist doch seltsam. Vielleicht war da doch schon mehr los als gedacht“, sagte er. Er freut sich, dass Martin König seine Entdeckung gemeldet hat, denn obwohl das Pflicht sei, täten das nicht alle Finder. Eine gute Nachricht hat er auch noch für den ehrlichen Finder: „Er wird demnächst vom Land Brandenburg eine Fundprämiere erhalten“, so der Denkmalpfleger. Wie viel das sein wird, wollte er nicht verraten. Nur so viel: „Es ist eine Summe im mittleren dreistelligen Bereich.“

Martin König wird seine Münzen noch mindestens einmal wiedersehen können. Im Januar soll es eine Ausstellung in Lühnsdorf geben. An einem Sonnabend oder Sonntag werden die Münzen dann ausgestellt. Hans-Dieter Dannenberg und Wilko Krone werden dabei sein und ihren Abschlussbericht vorstellen. Thomas Kersting vom Landesamt wird berichten, wie es mit den Münzen nun weitergeht.

KURZINTERVIEW:

Hans-Dieter Dannenberg hat mehrere Sachbücher zu den brandenburgischen Denaren geschrieben und ist einer von nur drei Ehrenmitgliedern der Berliner Numismatiker.


MAZ:
Wie ordnen Sie die Entdeckung der 700 Münzen ein?

Hans-Dieter Dannenberg: Jeder Fund ist für uns wichtig. Von der Größe her ist das kein herausragender Fund. Aber auch dieses Mal waren wieder besondere Stücke dabei. So war es knifflig, den halben Denar aus Osnabrück zuordnen zu können.

Gibt es einen Erkenntnisgewinn?

Dannenberg: Ja. Die Münzen, die zuletzt in Götz gefunden wurden, sind rund 50 Jahre älter. Sie waren schwerer. Es scheint also, dass die Münzpräger mit der Zeit knausriger mit dem Material wurden. Außerdem war eine der Lühnsdorfer Münzen doppelt so schwer wie die anderen. Diese so genannten Schwerstücke kommen nur ganz selten vor.

Welchen Wert hatten die Münzen zur damaligen Zeit?

Dannenberg: Für einen Denar bekam man ein Bier, ein Huhn kostete zwei Denare.

In welche Zeit datieren Sie das Vergraben der Münzen?

Dannenberg: Wir legen uns auf das Jahr 1320 fest, plus minus einige Jahre.

Von Stefan Specht

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