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Potsdam-Mittelmark Auf der Steintour in die Irre geraten
Lokales Potsdam-Mittelmark Auf der Steintour in die Irre geraten
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00:17 13.03.2017
Da liegt das Schild, Infos fehlen: Am Schäferstein zwischen Treuenbrietzen und Dietersdorf. Quelle: Heiko Hesse
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Treuenbrietzen

Tolle Empfehlung, na schönen Dank aber auch. Die Wander- und Radwanderkarte zum Naturpark Hoher Fläming weist die „Steintour“ südlich von Treuenbrietzen als Strecke für Radler aus. Ebenso die Großraum-Radtourenkarte Berlin-Brandenburg aus dem Kompass-Verlag. Was bei einer Länge von 34 Kilometern auch nahe liegt, Rundwanderwege sind in der Regel deutlich kürzer. Doch mitten im Wald, irgendwo zwischen Neu-Rietz und der Bundesstraße 2 ist mir klar: Wer hier wirklich mit dem Fahrrad durch will, hat ein Mountainbike, ist trainierter Sportler, hat viel Kraft, viel Zeit und verdammt starke Nerven.

Das Thema der Tour ist eigentlich faszinierend: Die Strecke führt an einem Dutzend bedeutsamer Findlinge entlang. Teils sind es dicke Klamotten, die seit der letzten Eiszeit an dieser Stelle liegen, teils welche, die Menschen versetzt haben. Fast alle Steine sind mit einer Geschichte verbunden – einer Sage, einer hochherrschaftlichen Widmung oder dem Umstand, dass Anlieger Angst hatten, das sowjetische Militär würde ihnen den Vorgarten kaputt fahren.

Die grüne Linie von Treuenbrietzen über Neu-Rietz, Lüdendorf und Fronsdorf ist in der Radwanderkarte von Kompass als Radtour ausgewiesen. Die Karte stammt von 2015. Quelle: MAZ

Wie es eine Routenbeschreibung empfiehlt, die auf der Internetseite der Stadt Treuenbrietzen steht, starte ich am Rathaus, fahre auf einem zum Teil gruseligen Radweg nach Süden aus der Stadt hinaus. Und nach zwei Kilometern rechts weg nach Rietz. In der Beschreibung, die die Steintour als Wanderweg führt, soll es in Rietz-Bucht nach links zum Luisenstein gehen. Man möge der Ausschilderung folgen. Es gibt aber keine. „Gab es mal“, sagt eine freundliche Dame. Zwei Herren weisen den Weg in den Wald. Erst wieder zurück auf der Straße sehe ich das Schild „Luisenstein 600 m“.

Karten und Internet

Grundsätzlich lohnt sich eine gute Vorbereitung. Eine gute Radwanderkarte gehört ins Gepäck.

Im Internet bieten verschiedene Seiten Tipps an. Manche informieren sogar über das Streckenprofil und man erfährt, an welchen Stellen es bergauf geht.

Einfach im Internet in der Suchabfrage „Radtour“ und den gewünschten Ort oder die Zielregion eingeben, dann gibt es meist viele Info-Angebote.

Station Nummer 2: der Bischofsstein. Zwischen Rietz und Neu-Rietz geht es links in den Wald. Schilder verschiedener Generationen weisen den Weg. Noch rollt es sich einigermaßen bequem. Wo laut Karte und Beschreibung der imposante Bischofsstein sein sollte, stoße ich auf einen kleinen Findling, der an eine Schlacht gegen Schweden im 30-jährigen Krieg erinnert.

Ein altes Holzschild weist den Weg zum Bischofsstein. Der Stein ist bedeutend, weil er in vorchristlicher Zeit für religiöse Zwecke genutzt worden ist und im Mittelalter sprichwörtlich christianisiert wurde – deshalb Bischofsstein. Der Waldweg wird langsam ungemütlich, immer sandiger, die Reifen rutschen weg.

Die Richtung stimmt – na ja, ungefähr jedenfalls. Quelle: Heiko Hesse

Nach einem halben Kilometer zeigt ein Pfeil zum Bischofsstein – genau in die Richtung, aus der ich eben gekommen bin. Also zurück, am Schwedenstein war ja eine Kreuzung.

Was ab da folgt, ist ein Hin und Her auf sandigen Wegen. Die Naturpark-Karte passt nicht, die Textbeschreibung aus dem Rathaus könnte globaler kaum sein. Keine Schilder, nur Kiefern, Sand und Moos. Den Bischofsstein habe ich abgeschrieben, aber wenigstens den Schneiderstein will ich sehen. Und orientiere mich grob in Richtung Bundesstraße. An einer Kreuzung kommt eine Frau mit drei Hunden entgegen. „Zur Bundesstraße?“, sagt sie, dreht sich um und weist den Weg. „Immer gerade aus, ist nicht weit.“ Danke, gute Frau.

Tatsächlich rauscht in der Ferne der Verkehr vorüber. Der Pfad stößt auf die breite Straße – mit einem Radweg daneben. Keine Ahnung, wo ich ungefähr zwischen dem Abzweig Rietz und Dietersdorf auf die B 2 gestoßen bin. Ich radele einfach mal in Richtung Süden, was nach dem Gehoppel und Geschiebe eine echte Wohltat ist.

Ist das Kunst oder kann das weg? Am Schneiderstein steht dieses hoffnungslos verwitterte Schild, das irgendwie auch nicht weiter hilft. Quelle: Heiko Hesse

Es rollt so gut, dass ich beinahe an den kleinen Täfelchen rechts des Wegs vorbei gerauscht wäre. Sie weisen den Verlauf der Steintour über die B 2 hinweg. Hier ist es kein Problem, den Schneiderstein zu finden. Doch die drei Metallaufsteller, die die vier Sagen zu diesem Stein erzählen und die Tour erklären, dürften wenigstens 20 Jahre alt sein. Die Karte mit dem Streckenverlauf ähnelt eher einem Schnittmusterbogen – wer hier sucht, ist verloren im Nichts. Sonne, Wind und Regen haben Schrift und Bilder hinfort getragen.

Auf der gegenüberliegenden Seite der B 2 liegt eine andere mystische Klamotte zwischen den Kiefern. Marode Schilder lassen ahnen, wo es lang gehen könnte. Ein Trampelpfad führt durch Moos, über Stock und Stein. Extremsportler lieben solche Radwege. Wie der Brocken heißt? In einer Karte ist von „Riesenstein“ die Rede, in einer anderen Beschreibung heißt er „Schäferstein“. Der Pfahl, an dem bestimmt mal eine Erklärung hingt, liegt abgebrochen daneben.

Ursprünglich wollte ich an Lüdendorf und Frohnsdorf vorbei zurück nach Treuenbrietzen, um alle Steine zu bewundern. Aber ich hatte nach vier Stunden vielleicht ein Drittel der Tourstrecke geschafft und wenig Lust auf weitere acht Stunden durch das Unterholz. Da fiel mir der schöne gerade, asphaltierte Radweg neben der B 2 ein. So waren wenigstens die letzten Kilometer dieses Ausflugs noch ein kleines Vergnügen.

Von Heiko Hesse

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