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Auf die Posaune, fertig, los!

Teltow Auf die Posaune, fertig, los!

Der Teltower Posaunenchor hat einige Besonderheiten. Es spielen Laien, die ihr Instrument aber sehr gut beherrschen. Und als Mitspielerin ist eine echte Schwester dabei: Rosemarie Wald, die von den anderen im Ensemble zärtlich „Alterspräsidentin“ genannt wird.

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Der Teltower Posaunenchor.

Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Teltow. „Wir sind alles Laienbläser, keine Studierten und keine Kirchenmusiker, hier sind nur Leute mit einem anständigen Beruf“, erzählt Angelika Niendorf, seit 40 Jahren Leiterin des Posaunenchors Teltow. Vom Postboten bis zum Professor fand oder findet man hier alles, auch eine diakonische Schwester bläst mit: Schwester Rosemarie Wald ist „Achtundziebzigdreiviertel Jahre alt“ und bezeichnet sich selbst als „Restbestand“ im Orchester, ist sie doch die letzte von mehreren Ordensschwestern hier. Die anderen nennen sie lieber liebevoll „Alterspräsidentin“. Als sie vor Jahren aus Wut über die Flötenchorleiterin die wertvolle Tenorflöte gegen einen Ofen geknallt hat – was gleichzeitig die letzte Stunde des Flötenchores bedeuten sollte – fand sie im Tenorhorn eine neue Herausforderung. Seitdem spielt sie eben das und ist jetzt ein aktives Mitglied im Posaunenchor. Als ältestes Mitglied des Orchesters trennen Schwester Rosemarie genau 70 Jahre vom jüngsten Spieler Sebastian, den Enkelsohn Niendorfs, der mit seinen momentan sechs Tönen Umfang zwar noch nicht bei den Konzerten mitmachen kann, aber immerhin schon Kinderlieder und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bläst. Die zweitfrischeste Anfängerin ist Roswitha (58). Die Kleinmachnower Beamtin hat vor bald einem Jahr, im Februar, mit Trompete angefangen. Einen Kindheitstraum hat sie sich damit erfüllt, erzählt sie, „und manches macht man eben etwas später – und ist jut so.“ Sie übt alle zwei Tage rund eine halbe Stunde, auch mal mehr, und ist damit besonders fleißig, betont Niendorf.

Angelika Niendorf selbst wurde von ihrem Mann zur Trompete und Posaune gebracht – als würde sie mit Flöte, Akkordeon, Mandoline, Klavier, Orgel und Cello nicht schon genügend Instrumente spielen. Als in ihrer Heimat der Landesposaunentag abgehalten wurde, entschied sich ihre Oma dazu, zwei junge Bläser, zwei Brüder, zu beherbergen. Einer davon – unter dem Spitznamen Otto bekannt – sollte das Herz Niendorfs erobern und sie auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten. Wie die anderen hat auch sie keine Unterrichtsstunden am Blechblasinstrument durch einen Musikpädagogen bekommen, sondern bei Otto gelernt. Die Mitglieder des Posaunenchores sind alles Autodidakten oder unterrichten sich gegenseitig. Friedhelm (57) etwa hat mit zwölf Jahren ebenfalls bei Otto mit Trompete begonnen – „auf massiven Druck meiner Eltern“, wie er erzählt.

Mitspieler herzlich willkommen

Der Teltower Posaunenchor entstand Mitte der 1980er-Jahre durch den Zusammenschluss zweier Chöre: Dem Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Stahnsdorf, der 1957 gegründet wurde und dem der Magdalenen-Gemeinde des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin, der etwa zehn Jahre später entstand.

30 bis 35 Auftritte bei Gottesdiensten, in Seniorenheimen, Krankenhäusern und auf Friedhöfen absolvieren die 20 Mitglieder des Posaunenchores im Jahr in der Region.

Geprobt wird dienstags um 19 Uhr im Pfarrhaus in der Teltower Ritterstraße 11. Anfänger und Fortgeschrittene jeden Alters (ab ca. acht Jahren) sind herzlich eingeladen, Unterricht wird von den Mitgliedern des Posaunenchores erteilt.

Kontakt: Angelika und Otto Niendorf 03328/47 15 02, ottonien@web.de

Alle zusammen sind sie aber mehr als nur ein Posaunenchor, der sich wöchentlich zur Probe trifft. Gemeinsame Essen und Chorfahrten innerhalb Deutschlands, nach Österreich oder auch nach Rotterdam gehören ebenso zu den Aktivitäten, die zusammenschweißen. Besondere Erlebnisse sind dabei etwa die Teilnahmen an großen deutschlandweiten Treffen, an denen bis zu 20 000 Bläser gemeinsam in Stadien auftreten, erzählen sie begeistert, die fast dreistündigen Auftritte am Ewigkeitssonntag auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof oder die Osterkonzerte um sechs Uhr morgens. „Bis jetzt haben wir dabei immer Glück gehabt, dass die Instrumente noch nie eingefroren sind – bei Minusgraden kann das schon passieren wegen des Kondenswassers“, berichten die Bläser.

Am 24. Dezember ist der Posaunenchor beim großen Open-Air-Gottesdienst auf dem Teltower Marktplatz mit dabei (16 Uhr) und um 22 Uhr beim Abschlusskonzert in der Andreaskirche.

Von Konstanze Kobel-Höller

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