Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Augenmerk auf vernachlässigte Kinder

Mehr Verdachtsfälle in Potsdam-Mittelmark Augenmerk auf vernachlässigte Kinder

Die Zahl von Kindeswohlgefährdungen in Potsdam-Mittelmark steigt. Sie hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Wie es heißt, ist es nicht zwingend Hinweis auf eine proportional größer werdende Zahl an Delikten. Vielmehr registriert die Kinderschutzbeauftragte Heike Wolff eine erhöhte Aufmerksamkeit. Diese soll noch gesteigert werden.

Voriger Artikel
Die Spargelfreunde von Schlunkendorf
Nächster Artikel
Beliebte Weine und echte Werderaner

Sie weiß, wer helfen kann: Heike Wolff ist Kinderschutzbeauftragte in der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark.

Quelle: Thomas Wachs

Bad Belzig. Die Zahl der Anzeigen von Kindeswohlgefährdungen zwischen Fläming und Havel nimmt zu. Sie hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf etwa 180 verdoppelt. Das berichtet Heike Wolff. Ihrer Aussage nach geht das nicht zwingend einher mit einer proportional größer werdenden Zahl an Gewalt- und Missbrauchsdelikten. Vielmehr registriert die Kinderschutzbeauftragte der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark eine erhöhte Aufmerksamkeit. „Es ist offenkundig, dass mit dem 2012 verabschiedeten Bundesgesetz die Sensibilität für die Thematik gewachsen ist“, erklärt die Fachfrau. Eine entsprechend besonnene Prüfung von Verdachtsfällen und möglichst viel Prävention seien deshalb ihr Anspruch.

Um richtig reagieren zu können, wenn es erste Anzeichen für Gefährdungen gibt, hat das Landratsamt in Bad Belzig bereits vor zwei Jahren begonnen, regional Netzwerke für den Kinderschutz/Frühe Hilfen zu gestalten. Bei den beteiligten Fachkräften – von Medizinern und Pädagogen bis zum Familiengericht – gilt es, sowohl das Bekenntnis, die Kinder zu schützen, als auch die Kenntnisse und Fähigkeiten wach zu halten, so das Anliegen.

Nicht minder sieht Uwe Brückner (SPD) die Gesellschaft, die so gern die Kinder als Zukunft zitiert, insgesamt in der Verantwortung. Als scheidender Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses hat er deshalb die „Offensive Dialogkultur für Zivilcourage und Kinderschutz“ mit auf den Weg gebracht. Denn für ihn sei zu erkennen gewesen, „dass unsere Bemühungen zur tatsächlichen Auseinandersetzung mit täglichen Herausforderungen für den Kinderschutz nicht so nachhaltig verankert ist, dass überall selbstverständliche Sicherheit herrscht.“

Noch kein Schirmherr

Die „Offensive Dialogkultur für Zivilcourage und Kinderschutz“ im Kreis Potsdam-Mittelmark soll eine Schirmherrschaft bekommen. Die Besetzung ist allerdings zum kleinen Politikum geworden.

Zwischenzeitlich war überlegt worden, Akteure aus Kultur, Medien oder Sport dafür zu gewinnen. Schließlich sollten sie überzeugend für das Anliegen und stetig zur Verfügung stehen.

Die SPD-Fraktion hat schließlich Wolfgang Blasig (SPD) als obersten Repräsentanten des Kreises Potsdam-Mittelmark als geeignet befunden und vorgeschlagen. Der Verwaltungschef hat wiederum sein Engagement versprochen.

Doch gab es keine Absprache, weshalb insbesondere Hans-Peter Goetz (FDP) und Elke Seidel (Bündnis 90/Die Grünen) erstaunt waren, dass die Personalie mit dem Landrat nun im Parlament verabschiedet werden sollte. Um der Sache willen ist sie – wie zuvor in den Ausschüssen – ausgeklammert und vertagt worden.

Was auch nicht einfach sei, wenn es den Kumpel im Verein oder den guten Nachbarn betreffe, so der designierte Bürgermeister der Gemeinde Kloster Lehnin. So werde Kinderschutz zur Haltungsfrage und bleibe keinesfalls Privatsache. „Bereits durch Wachhalten und Auffrischen themenbezogener Kenntnisse und methodischer Sicherheiten kann die Balance zwischen sozialer Aufmerksamkeit und Freiräumen zur persönlichen Lebensgestaltung in den Familien immer besser gelingen“, lautet die Schlussfolgerung dazu in der Beschlussvorlage.

Nicht minder wenn es um die Stärkung der Zivilcourage für jene Menschen geht, die sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzen. Verwiesen wird dabei nicht zuletzt auf die Aufgaben der Inklusion und Integration. Die formulierten Ziele sind parteiübergreifend unstrittig. Deshalb haben sie im Kreistag eine breite Zustimmung erhalten.

Doch ist dies bestenfalls die theoretische Grundlage, wie mehrere Redner festgestellt haben. „Jetzt wäre es wichtig, dass die Bürger wissen, mit welchen Problemen sie sich genau an welchen Ansprechpartner wenden können“, sagt Astrit Rabinowitsch (Die Linke). Vorerst ist eine Lenkungsgruppe vorgesehen, die noch Zuständigkeiten klären will und einen Aktionsplan erarbeitet, ehe Anfang des nächsten Jahres eine Fachtagung für die Praktiker stattfinden soll.

Von René Gaffron

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg