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Aus Beelitzer Heilstätten wird Kreativdorf

60 Studios und Ateliers geplant Aus Beelitzer Heilstätten wird Kreativdorf

Auf dem Gelände der einstigen Lungenheilstätten in Beelitz wollen zwei Investoren ein Kreativ-Dorf errichten. In einem Ensemble rund um das einstige Frauensanatorium sollen 60 Studios und Ateliers entstehen.

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Im Komplex des früheren Frauensanatoriums sollen Studios und Ateliers entstehen.

Quelle: Cordia Schlegelmilch

Beelitz-Heilstätten. Mit einer originellen Idee wollen zwei Berliner drei altehrwürdigen Häusern der Beelitzer Heilstätten nach Jahrzehnten des Verfalls neues Leben einhauchen. Die denkmalgeschützten Bauten im sogenannten Quadranten D, die einst als Frauensanatorium, Küche und Wäscherei errichtet wurden, sollen zu einem Refugium für Kreative, zu einem "Creative Village" umgebaut werden. Laut Projektentwickler Frank Duske sollen in den Häusern für zwölf Millionen Euro rund 60 Studios und Ateliers für Kreativschaffende entstehen.

Der Startschuss für das Vorhaben könnte bereits im Herbst dieses Jahres fallen. Sobald 15 Interessenten fest zugesagt haben, werden die Arbeiten in Abstimmung mit der Denkmalbehörde beginnen, sagte Duske, der zuletzt das Krematorium in Wedding in ein Kreativzentrum verwandelte. Das Vorhaben in Heilstätten hat er zusammen mit seinem Geschäftspartner Jan Kretzschmar initiiert, einem Projektmanager, der seit 15 Jahren Hausprojekte in Berlin und Potsdam umsetzt. Duske geht davon aus, dass im Frühjahr 2016 die ersten Kreativen einziehen können. Er glaubt an den Erfolg: "Das Bedürfnis der Großstädter, ins Grüne zu gehen, ist da."

Der morbide Charme der verlassenen Heilanstalt lockt Kreative an.

Quelle: Maria Vaorin (Leserfoto)

In den 60 Studios mit Wohnmöglichkeit sollen etwa Maler, Bildhauer, Designer, Schriftsteller, Journalisten, Musiker und andere Kreativschaffende einen Ort finden, an dem sie in Ruhe fernab des Lärms und der Hektik der Großstadt arbeiten können. Die Idylle der ehemaligen Lungenheilanstalt soll als Rückzugsgebiet dienen, so die Idee. Die beiden Berliner wollen dabei den aktuellen Charme der Häuser und des Geländes bewahren. Es werde so viel wie notwendig, aber so wenig wie möglich saniert. Die Bauten erhalten eine zweckmäßige Hüllensanierung und neue Technik, ohne die Spuren der Geschichte zu verwischen. "Wir wollen nicht so tun, als wäre es gerade gebaut worden. Es soll sichtbar sein, dass die Häuser 100 Jahre alt sind", so Duske.

Ein Blockheizkraftwerk übernimmt die Wärmeversorgung der Häuser und steht für die Moderne, anderes wird an die Vergangenheit erinnern – etwa drei Peitschenlaternen aus DDR-Zeiten. Und die Fundamente der Baucontainer von Roland Ernst, der nach der Wende ganz Beelitz-Heilstätten entwickeln wollte, aber scheiterte, bilden den Rahmen für einen gemeinsam nutzbaren Kräutergärten in dem Dorf für Kreative, die eben auch die Möglichkeit haben sollen, Erde in die Hand zu nehmen und zum Beispiel Kräuter anzupflanzen. "Viele meiner Freunde zwischen 40 und 50 Jahre wohnen schon länger in Berlin und suchen zum Auftanken die Natur. Nicht unbedingt, um im Liegestuhl zu sitzen, sondern um Gartenarbeit im Kräutergarten zu machen, Freunde zum Essen einzuladen oder neue Ideen im gemeinschaftlichen Kaminzimmer auszutüfteln", sagte Duske. Dafür habe er schon länger einen Ort im Umland gesucht, der gut erreichbar ist.

Beelitz-Heilstätten

Die Bauten im sogenannten Quadranten D sind denkmalgeschützt.

Quelle: Cordia Schlegelmilch
  • Die Lungenheilanstalt ist zwischen 1898 und 1930 von der Landesversicherungsanstalt gebaut worden.
  • In Heilstätten wurden einst Tuberkulose-Patienten gepflegt. Zu Kriegszeiten diente die Heilanstalt auch als Lazarett für verwundete Soldaten.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das 200 Hektar große Areal mit 60 Häusern als Militärhospital von der Sowjetarmee genutzt. Nach ihrem Abzug 1994 verfielen viele Gebäude.
  • Im Jahr 2008 erwarb der Architekt Torsten Schmitz Areal und Häuser.

Die drei Gebäude verfügen über eine Nutzfläche von insgesamt 6200 Quadratmetern. Geplant ist, die Studios und Ateliers an Interessenten zu verkaufen. Die neuen Eigentümer können vor Baubeginn Einfluss auf die Struktur ihres Domizils nehmen. Die Arbeitsquartiere kosten 1750 bis 2350 Euro pro Quadratmeter.

Laut den Projektentwicklern ist das Vorhaben mit Areal-Eigentümer Torsten Schmitz und der Denkmalbehörde abgesprochen worden. Die beiden Berliner kaufen demnach die drei Häuser von Schmitz, sobald 15 Interessenten verbindlich zugesagt haben. Laut Duske gibt es bereits sechs Zusagen – von Leuten aus der Musik- und Modebranche und Autoren. "Es wird glaube ich eine ganz gute Mischung", sagte er.

Von Jens Steglich

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