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Ausbildung soll attraktiver werden

Azubi-Mangel in Werder und Schwielowsee Ausbildung soll attraktiver werden

Viele Betriebe rund um Werder und Schwielowsee haben seit Jahren Probleme damit, Azubis zu finden, die auch lange bei ihnen bleiben. Entweder die Arbeitszeiten passen nicht oder es fehlt der Führerschein. Einige Unternehmer haben sich daher entschieden, ihren Azubis ein paar Anreize zu setzen.

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In den Handwerksberufen mangelt es an Azubis.

Quelle: dpa-Zentralbild

Werder/Schwielowsee. Sie fehlen an allen Ecken und Enden. Die Betriebe rund um Werder und Schwielowsee spüren den Mangel an Auszubildenden immer deutlicher. Ob Bäcker, Fleischer oder Elektriker – viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Um dem entgegenzuwirken, versuchen Unternehmen, die Stellen attraktiver zu gestalten. Sie bezahlen ihren Azubis den Führerschein oder sorgen für eine günstige Unterkunft in der Nähe des Arbeitsortes.

Bei Haacke Haus in Werder hat sich dieses Prinzip bewährt. Die Fertighausfirma baut ehemalige Musterhäuser in Neu Plötzin um und lässt ihre Azubis in Wohngemeinschaften dort wohnen. Zahlen müssen die Jugendlichen nur Wasser und Strom, sagt Björn Beckers von Haacke Haus. Aktuell sind drei Stellen unbesetzt, darunter auch die Berufe Zimmermann und Elek­triker. „Es entsteht der Eindruck, dass jeder studieren will, anstatt einen Beruf zu erlernen, dabei kann man sich mit dem Handwerk eine goldene Hand verdienen“, so Beckers. Wegen des Fachkräftemangels könne der Handwerker irgendwann selbst seinen Preis bestimmen. „Schon in der Schule muss besser darüber aufgeklärt werden, welche Berufe es gibt und dass man auch im Handwerk Geld verdienen kann“, sagt Beckers. In diesem Jahr konnten alle Azubis bei Haacke Haus übernommen werden. Das sei ein gutes Aushängeschild für potenzielle Bewerber.

Bäckerei Kühnbaum konnte keinen Azubi finden

Auch bei dem Familienbetrieb der Bäckerei Kühnbaum in Töplitz schleichen sich Nachwuchssorgen ein. Die Lehrstelle für das aktuelle Ausbildungsjahr ist nicht besetzt, berichtet Juniorchef Ricardo Kühnbaum. „Keiner will mehr Bäcker werden. Wegen der Nachtarbeit ist das Stöhnen groß“, berichtet er. Als er selbst vor 15 Jahren seine Lehre machte, gab es noch drei Berufsschulklassen. Mittlerweile bekommen die Schulen gerade noch eine zusammen. In den laufenden Betrieb kann Kühnbaum die Azubis nicht einrechnen. „Im ersten Jahr sind sie ja hauptsächlich in der Schule und kaum in der Backstube“, so der Juniorchef. Außerdem könne er die 16-jährigen Anfänger wegen des Arbeitsrechts nicht zu Schichtbeginn um 4 Uhr anfangen lassen, was für den Bäcker normal ist, sondern erst später. Kühnbaum zufolge ist es schon seit Jahren schwierig, Azubis zu finden.

Ähnlich geht es der Fleischerei Bothe in Geltow, die lange einen Azubi für das Jahr 2016 suchte. Auch im Fischrestaurant „Arielle“ auf der Insel in Werder hätte ein Auszubildender zum Restaurantfachmann/-frau am 30. September anfangen sollen. Mittlerweile stehen in der Stellenbörse der Arbeitsagentur schon Ausschreibungen für das kommende Ausbildungsjahr.

Gastronomie ist stark betroffen

Den Mangel an Azubis kennt man in der Gastronomie und Hotellerie nur zu gut. Beim Restaurant „Zum Rittmeister“ in Kemnitz konnte von sechs Stellen nur eine besetzt werden. „Das hat viel mit den Arbeitszeiten zu tun, mit Wechselschichten und Feiertagsarbeit“, erklärt Geschäftsführer Christian Fox. Um in das etwas abgelegene Gasthaus zu kommen, brauchen die Azubis dringend Auto und Führerschein. Der Bus fährt nur einmal in der Stunde und das nur tagsüber. „Wir haben auch schon Führerscheine bezahlt und Wohnungen in der Nähe generiert“, so Fox. Zwei Azubis wohnen aktuell in Kemnitz. Der Chef sieht noch ein anderes Problem: Die Arbeitskräfte, die aus der Region kommen, sind meist keine gelernten Gastronomen und müssen als Quereinsteiger eingearbeitet werden. „Außerdem orientieren sich die jungen Menschen generell eher in Richtung Potsdam oder Berlin“, sagt Fox.

Das beobachtet auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. „Es existiert diese klassische Denke, dass es auf dem Land keine Stellen gibt“, sagt Wolfgang Spieß, Geschäftsführer im Bereich Bildung. Dass den Azubis mehr Wertschätzung entgegen gebracht wird, sei ein guter Anfang. „Beruf und Berufung gehören eben auch zusammen. Wenn ich einen festen Dienstplan haben möchte, kann ich eben nicht in die Gastronomie gehen“, so der Experte. Die Beschäftigungsperspektive auf dem Land sei eigentlich groß, da die Betriebe ihre späteren Fachkräfte ausbilden und die Azubis, wenn es für beide Seiten passt, übernehmen.

Kleiner Hoffnungsschimmer

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freie Ausbildungsstellen meldeten die Betriebe in der Region Potsdam im Berichtsjahr 2015/2016 der Arbeitsagentur. 3131 Jugendliche waren hingegen auf der Suche nach einer Ausbildung. Die Rechnung sollte eigentlich aufgehen, aber das ist seit Jahren nicht mehr der Fall.


Nicht jeder Ausbildungsbetrieb findet Nachwuchskräfte und nicht jeder Ausbildungssuchende findet eine Stelle. Das Arbeitsamt berichtet aktuell von 335 unversorgten Bewerbern – 113 mehr als im Vorjahr. Laut Ramona Schröder, Leiterin der Potsdamer Arbeitsagentur, bleibt das Interesse der Jugendlichen an einer betriebliche Ausbildung weiter gering.

400
freie Lehrstellen meldet die Handwerkskammer Potsdam noch für dieses Jahr. Dennoch gebe es ein hauchdünnes Plus von 0,5 Prozent beim Abschluss der Ausbildungsverträge im westbrandenburgischen Handwerk. Zuwächse werden im Bau- und Ausbaugewerbe und in den Gesundheitsberufen verzeichnet.

Von Luise Fröhlich

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