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Ausgezeichnete Idee aus Niemegk

Innovationspreis gewonnen Ausgezeichnete Idee aus Niemegk

Rainer Rogovits gründete in den Neunzigerjahren eine Firma im Fläming. Nun gewinnt seine Enviral Oberflächenveredelung den brandenburgischen Innovationspreis Metall. Seine bahnbrechende Idee: ein neuartiger Rostschutz, der erst dann seine Wirkung einsetzt, wenn er wirklich gebraucht wird.

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Enviral-Geschäftsführer Rainer Rogovits.

Quelle: Saskia Popp

Niemegk. Die Niemegker Firma Enviral Oberflächenveredelung ist für ihre Entwicklung eines intelligenten Rostschutzverfahrens mit dem Brandenburger Innovationspreis Metall ausgezeichnet worden. Der mit insgesamt 10000 Euro dotierte Preis wird vom Ministerium für Wirtschaft und Energie ausgelobt.

„Industrie und Handwerk bilden die Grundlage des Wohlstands moderner Gesellschaften. Mit dem Brandenburger Innovationspreis bieten wir unseren märkischen Unternehmen die Möglichkeit, einer großen Öffentlichkeit zu zeigen, welche innovativen Produkte und Verfahren in der Region entwickelt werden“, erklärt Minister Albrecht Gerber (SPD) den Hintergrund des Wettbewerbs.

Kooperation mit dem Max-Planck-Institut

Das von Enviral gemeinsam mit dem in Potsdam-Golm ansässigen Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung entwickelte Technologie namens „Smart Rostschutz“ gründet auf allerkleinste Bestandteile, die so genannten Nanoteilchen. „In unserem Pulverlack befinden sich Nanoröhren, die einen rosthemmenden Stoff enthalten“, erläutert Enviral-Geschäftsführer Rainer Rogovits. Das Besondere: der Rostschutz tritt erst in Kraft, wenn er gebraucht wird. „Wenn beispielsweise ein Fahrrad mit Smart Rostschutz lackiert wird und irgendwann einen Kratzer bekommt, dann aktiviert sich der Schutz genau an dieser Stelle, sonst nirgends“, sagt Rogovits.

Nanotechnologie

Der Begriff Nanotechnologie leitet sich vom altgriechischen Wort ’nános’ für Zwerg, zwergenhaft ab.

In Forschung und Produktion setzt man Nanopartikel ein, die gezielt mit bestimmten Eigenschaften ausgerüstet werden. Dafür wird die Materie auf atomarer Ebene manipuliert, also verändert.

Nanoröhren, wie sie bei Enviral eingesetzt werden, sind extrem klein: der Durchmesser beträgt nur wenige Nanometer. Damit sind sie nur einige Zehntausendstel so dick wie ein menschliches Haar.

Es gibt viele denkbare Einsatzgebiete für Nanotechnologie. In der Medizin wird an Medikamenten mit Nanobestandteilen geforscht, auch Raumfahrt, Militär und Computerbauer experimentieren mit den Mini-Bauteilen.

Noch nicht ausreichend erforscht ist die Entsorgung der Teilchen. Auch die langfristigen Auswirkungen auf die Umwelt sind unklar, wie Kritiker bemängeln.

Mehr als fünf Jahre dauerte die Entwicklung des Korrosionsschutzes – und bis zur Serienreife wird noch einige Zeit vergehen. „Wir befinden uns im Prototypenstadium“, sagt Enviral-Chef Rogovits. Der gebürtige Österreicher gründete die Firma für Oberflächenveredelung im Jahre 1994. Rund 40 Beschäftigte aus dem Fläming arbeiten im Niemegker Industriegebiet bei Enviral. „Auf der Landkarte der innovativen Firmen im Land sind wir jetzt auf jeden Fall erschienen“, freut sich der 49-Jährige.

Ein Einsatz der Technologie sei etwa im Rohrleitungsbau oder bei Stahlträgern denkbar. Die Kosten für eine Lackierung will Rainer Rogovits nicht beziffern, doch er rechnet mit einem Einsparpotenzial: „Unsere neuartige Lackierung wird in nur einer Schicht als Pulver aufgetragen und anschließend gebrannt, bislang braucht man für einen anständigen Rostschutz zwei Lackschichten.“ Dadurch will der Geschäftsführer mit dem Produkt auch eigentlich längst verloren geglaubte Märkte zurück erobern. „Es gibt natürlich preiswertere Standorte, ich hoffe, dass wir durch eine Kostenreduktion auch in Deutschland wieder marktfähiger werden“, sagt Rogovits.

Die Nähe zu Berlin gesucht

Seine Entscheidung für den vergleichsweise teuren Standort in der Mark fiel Mitte der 90er Jahre ganz bewusst. „Es waren unter anderem die Nähe zu Berlin und natürlich die gute Autobahnanbindung, die den Ausschlag gegeben haben“, erklärt Rogovits, der mit seiner Familie auch in Potsdam-Mittelmark lebt. An Alternativen mangelte es nicht, 25 verschiedene potenzielle Firmenstandorte hatte der Österreicher verglichen. „Ich bin froh, dass wir hier gelandet sind“, so Rogovits, „jetzt mit dem Preis bekommen wir auch viel Zuspruch aus der Region, das macht natürlich Spaß.“

Am jährlich ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligten sich 14 Unternehmen, ausgezeichnet wurde neben den Niemegkern auch die Wildauer Schmiedewerke und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg.

Von Saskia Popp

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