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Autofans rollen tiefergelegt über Rundkurs

Fahrtraining in Linthe Autofans rollen tiefergelegt über Rundkurs

Auf Initiative des Bundesverkehrsministeriums fand jetzt erstmals auch im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Linthe ein Training speziell für junge Fahrer von technisch und optisch aufgemöbelten Autos statt. Die Autofreunde erfuhren im Wortsinne, welche Grenzen das Tuning hat.

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Marina Novokmet und Christian Schmidt rollten mit ihren getunten Autos in Linthe an.

Quelle: Thomas Wachs

Linthe. Ihr unverwechselbares Auto lässt sich Marina Novokmet einiges kosten. Tuning ist ihr Hobby. So an die 6000 Euro hat die Potsdamerin bereits in ihren weißen Golf V investiert, um ihn individuell zu gestalten und von der Masse abzuheben. „Fahrwerk, Auspuff und Stoßstangen sind gemacht. Der Motor ist Serie“, erzählt die 23-Jährige. Und natürlich steht der weiße Wagen auf großen, schillernd violett lackierten Felgen mit breiten Reifen.

Autofans haben Training gewonnen

Die Potsdamerin gehört zu den 40 Gewinnern eines speziellen Fahrtrainings im Rahmen der „Track & Safety Days“ in Linthe. Auf Initiative des Bundesverkehrsministeriums zielt die Aktion vor allem auf junge Fahrer technisch und optisch veränderter Autos. Tuning und Fahrspaß mit mehr Sicherheit zu verbinden ist die Mission.

Dazu war das ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Linthe jetzt einer von acht Trainingsorten bundesweit. „Ich hatte hier schon mal vor fünf Jahren ein Fahrtraining gemacht – damals noch mit dem Auto meiner Mutter“, erzählt Marina Novokmet. „Nun wollte ich sehen, wie sich mein getunter Golf verhält“, erzählt die begeisterte Autofahrerin. Regelmäßig geht es für sie zu Treffen mit Gleichgesinnten nach Berlin. Drogen, Zigaretten und Alkohol sind für die junge Frau indes nicht nur am Steuer völlig tabu. „Das Geld stecke ich lieber in mein Auto“, sagt die Kursteilnehmerin.

Zum Aktionstag in Linthe erfahren sie und die übrigen Autofans in Seminaren und Fahrtrainings von Experten, welche Grenzen ihre Begeisterung für technische Veränderungen von der Physik und auch von der Justiz gesetzt bekommt. „Denn nicht alles was schick ist, ist auch erlaubt“, sagt Polizist Kay Kammann.

Verlust des Versicherungsschutzes droht

Der Referent für Verkehrsrecht und Tuning an der Polizeifachhochschule in Oranienburg sorgt in Linthe für die eine oder andere neue Information und Staunen bei den Teilnehmern. „Denn sie nehmen teils auch den Verlust ihres Versicherungsschutzes in Kauf, weil Zusatzteile nicht genehmigt oder nicht in die Papiere eingetragen sind“, weiß der Hauptkommissar. Da in den zurückliegenden zwei Jahren die Unfallzahlen mit jungen Fahrern im Alter von 18 bis 25 Jahren wieder leicht gestiegen seien, steht diese Zielgruppe nun auch im Mittelpunkt der Aktionstage für tuning-begeisterte Fahrer.

Auch für Bastian Rehberg und seine Fahrtrainer-Kollegen des ADAC ist der Aktionstag eine Premiere. „Getunte Autos haben wir zwar auch sonst in den regulären Trainings dabei, aber so geballt wie heute noch nie“, sagt der Experte. Er hält es für positiv, wenn sich Autofans aktiv mit Thema Fahrsicherheit befassen und wissen wollen, wie ihr Auto in Gefahrensituationen reagiert. „Ein Risiko sind da eher die Autofahrer, die meinen, alles zu wissen und zu können. Die erreichen wir nur schwer“, sagt der ADAC-Trainer. „Denn nicht nur die Technik muss passen, sondern auch der Fahrer. Das fängt schon bei der richtigen Sitzposition an“, erklärt der Experte.

Besondere Aufmerksamkeit im Rechtslenker gewiss

Christian Schmidt aus Berlin rollt mit einem japanischen Sportwagen über den Trainingskurs. 280 Pferdestärken wuchtet der weiße Nissan Skyline R 34 GTR V-Spec auf die Räder. Felgen, Fahrwerk und ein paar optische und technische Dinge hat der Besitzer noch verändert. Doch Aufsehen ist ihm ohnehin stets schon gewiss, denn sein Nissan ist rechtsgesteuert. „Den gibt es nur so“, erklärt der begeisterte Autofan. Zum Fahrtraining war auch er schon mal und freut sich nun über die spendierte Fortsetzung.

Interview

Kay Kammann

Kay Kammann

Quelle: Thomas Wachs

Kay Kammann ist an der Polizeifachhochschule Oranienburg Experte für Verkehrsrecht und Auto-Tuning.

Herr Kammann, warum sind Sie als Polizist hier in Linthe beim Aktionstag für getunte Autos dabei?

Kay Kammann : Wir wollen vermittelt, dass die Polizei auch Partner der Autofans ist. Wir wissen auch, dass nicht jeder Tuner automatisch ein Raser ist.

Dennoch stehen derart auffällige Autos auch stärker im Fokus von Polizeikontrollen?


Kammann
: Ja, immerhin sind einige ungenehmigte Umbauten auch gefährlich. Daher wollen wir auch hier im Seminar Verständnis wecken und deutlich machen, welche Konsequenzen Fehler und Verstöße haben können.

Können Sie Beispiele nennen?

Kammann : Falsche Bauteile und solche, die nicht in die Papiere eingetragen sind, können auch zur Stilllegung des Autos führen. Und wenn ein spezieller Auspuff verbaut ist, der die Abgaswerte verschlechtert, ist auch schnell das Finanzamt mit im Spiel und fordert eine höher Besteuerung. Das geht bis hin zum Strafverfahren.

Welchen Eindruck haben Sie vom Teilnehmerfeld beim Aktionstag?

Kammann : Einige waren erschrocken, dass auch die Polizei dabei ist. Mit Einzelnen muss ich schon noch einmal unter vier Augen sprechen.


Von Thomas Wachs

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