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Awo stoppt Heimausbau für junge Flüchtlinge

Lehnin Awo stoppt Heimausbau für junge Flüchtlinge

Noch im Frühjahr schien die Erweiterung des Heims für minderjährige Flüchtlinge in Lehnin dringend notwendig. Nun jedoch speckt die Arbeiterwohlfahrt diese Pläne ab und gründet nur eine weitere Wohngruppe in dem Heim am Gohlitzsee. Eine Zusammenführung der Schützlinge mit Verwandten indes hat es dort bisher nicht gegeben.

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Junge Flüchtlinge helfen bei der Gestaltung rund um das Lehniner Jugendzentrum mit.

Quelle: Christine Lummert

Lehnin. Die von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) angekündigte Erweiterung des Heimes für minderjährige Flüchtlinge in Lehnin wird in einem kleineren Rahmen nur statt finden. Das sagte jetzt Mario Gose, der Leiter der Einrichtung am Gohlitzsee. Statt der zwei neuen Wohngruppen mit je neun Plätzen wird zum 1. September nur eine eröffnet, für die es auch bisher nur einen von einem Jugendamt angemeldeten Jugendlichen gibt.

Hintergrund der abgespeckten Pläne ist die gesunkene Zahl an Zuweisungen von Flüchtlingen an die Einrichtung. Die 28 Plätze im Haus 1 sind derzeit voll belegt. Auf 37 Plätze wird das Heim nun ausgeweitet. Platz für 46 junge Geflüchtete sollte einst entstehen. Die Erweiterung für die zweite Wohngruppe ist nun gestoppt.

„Die Lage hat sich deutlich entspannt“, sagte Gose zu den Gründen. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er zum Jahresende wieder mit einem Anstieg der Zuweisungen junger Flüchtlinge rechnet. „Das sagt mir mein Baugefühl angesichts der Entwicklungen auf den Flüchtlingsrouten und der Situationen in Griechenland und Italien.“

Die Zahl der Mitarbeiter hat sich wegen der neuen Entwicklung nur um einen Betreuer erhöht. Derzeit beschäftigt damit die Awo in der Einrichtung 23 Mitarbeiter inclusive Hauswirtschaftshilfe. Ursprünglich sollten drei weitere Betreuer hinzukommen.

Seit Jahresbeginn sind neun der Schützlinge des Heims volljährig geworden. Von ihnen leben nach Angaben Goses fünf mittlerweile in eigenen Wohnungen. Ein junger Erwachsener zog nach Werder, vier in die Stadt Brandenburg. Zwei der volljährig Gewordenen leben nun in betreuten Einzelwohnungen. Sie erhalten noch regelmäßig stundenweise Hilfe durch Sozialarbeiter, aber in einem wesentlich reduzierten Maße. Zwei weitere der nun über 18-Jährigen sind auf eigenen Wunsch in Übergangsheime für Erwachsene gezogen.

Eine Familienzusammenführung fand bisher in keinem Fall statt, berichtet Gose. Warum die Jugendlichen ohne Eltern in Deutschland angekommen sind, „ist eine gute Frage. Man kann oft nur mutmaßen“. Einige Eltern seien vermutlich auf den „Fluchtlinien stecken geblieben oder dort bereits gut verortet“, sprich seien in anderen Ländern Europas bereits gut integriert. „Manche Jugendliche sind ohne ihre Eltern geflüchtet und alleine losgegangen“, sagt der Heimleiter. Einige von ihnen hätten immerhin über das Internet Kontakt zu ihren Eltern.

Im Heim am Gohlitzsee erhalten die jungen Geflüchteten Deutschunterricht. Viele von ihnen besuchen das Oberstufenzentrum in Werder. Einem der Awo-Schützlinge ist es gelungen, einen Ausbildungsvertrag in der IT-Branche zu ergattern. Zwei weitere Bewohner seien in Einstiegsqualifizierungen für eine Lehre als Raumausstatter und KFZ-Monteur, berichtet Gose. Kontakt habe er zwischenzeitlich auch zu einem Bewohner der mittlerweile geschlossenen Waldsiedlung in Lehnin gehabt, dem der Sprung auf ein Gymnasium gelungen sei. Die meisten aber hätten noch genug zu tun, um die Deutsch zu erlernen.

Von Marion von Imhoff

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