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Potsdam-Mittelmark B1-Sperrung: Raser auch auf Schleichwegen
Lokales Potsdam-Mittelmark B1-Sperrung: Raser auch auf Schleichwegen
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00:20 23.09.2017
Noch bis voraussichtlich 23. Oktober wird an Geltows Ortsdurchfahrt gebaut. Quelle: Bernd Gartenschläger
Geltow

Die Geltower sind genervt. Seit fünf Wochen ist die B 1 in Richtung Potsdam gesperrt. Eine genauso lange Zeit liegt aller Voraussicht nach noch vor den Pendlern und Anwohnern, bevor sie wieder freie Fahrt im Ort haben. Beim Bau der Linksabbiegerspur für den geplanten Rewe-Markt kam es zu Komplikationen, weshalb sich die Bauzeit um mehrere Wochen verlängert. Viele Geltower empfinden speziell den Verkehr auf der offiziellen Umleitungsstrecke über die Straßen Baumgartenbrück und Caputher Chaussee als Zumutung. Wie berichtet, klagen sie über fehlende Kontrollen und schwere Laster, die ihr Durchfahrtsverbot ignorieren und durch die engen Straßen donnern. Betroffen sind allerdings nicht nur die Anwohner südlich der B 1. Wie eine Umfrage ergab, nutzen etliche Autofahrer einen anderen Weg, um die Baustelle zu umfahren. Der führt sie durch die Wohngebiete nördlich der B 1. Auch dort komme es den Anliegern zufolge zu gefährlichen Situationen, speziell weil dort Kinder an der Straße unterwegs sind. An die 30er-Zone würden sich, wie auch auf der ausgeschilderten Umleitungsstrecke, die wenigsten halten.

Seit 21. August ist die B 1 in Geltow in Richtung Potsdam gesperrt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Geltower hoffen nun auf die Unterstützung der Gemeinde und auch der Polizei. Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) versicherte, die Hinweise und Bitten der Betroffenen an das Polizeirevier in Werder weitergeleitet zu haben. Die Gemeinde selbst dürfe nicht kontrollieren. Eine Polizeisprecherin der zuständigen Direktion West bestätigte zunächst, dass die Polizei anfangs auf der Umleitung kontrolliert hat. „Die Örtlichkeit befindet sich weiter im Fokus der Polizei“, sagte sie der MAZ. Ob Kontrollen geplant sind, werde vorab aber nicht bekannt gegeben.

Autos und Laster donnern über die löchrigen Feldwege

Alexandra Trigo Villarreal (35) beobachtet seit Wochen den zunehmenden Verkehr auf der Straße Am Pappeltor. Die Lkw- und Autofahrer nehmen den Schleichweg über die Zufahrt zur Bundeswehr und zum Recyclinghof, biegen nach rechts in die Straße Am Wildgatter ab, um dann über die Wildparkstraße oder Meiereistraße wieder auf die B 1 zu kommen. Manche rasen sogar über die Feldwege. Die Geltowerin hat auch erlebt, wie Lkw-Fahrer ihre Bierflaschen aus dem Fenster werfen. Dagegen möchte sie Anzeige erstatten und hofft darauf, dass die Polizei etwas gegen die Zustände auf der Straße unternimmt. „90 Prozent der Autofahrer fahren zu schnell“, sagte eine Anwohnerin der Straße Baumgartenbrück, die einen Hilferuf an die MAZ schickte. Weil es hinter der Gaststätte Baumgartenbrück keinen Gehweg gibt, sind Fußgänger dazu gezwungen, auf den schmalen Rand auszuweichen. Unter ihnen sind viele Kinder, auch aus dem nahe gelegenen Heim der Evangelischen Jugendhilfe Geltow auf dem Franzensberg. Nachbarn hätten schon absichtlich einen Hänger oder Autos auf der Straße geparkt, damit die Autofahrer etwas abbremsen müssen, berichtete die Geltowerin.

Die Straße Am Wildgatter wird derzeit gern als Umfahrung für die Baustelle genutzt – zulasten der Anwohner. Quelle: Anne Knappe

Aber auch den Müllfahrern geht die gesperrte B 1 auf die Nerven: „Wir brauchen mehr Zeit, weil wir unsere Tour nicht wie geplant fahren können. Die Leute müssen zudem bei dem Verkehr über die Straße. Das ist mächtig gefährlich“, sagt Detlef Schütze von der Firma Remondis, die Gelbe Säcke einsammelt. Probleme gibt es zudem noch immer mit der veränderten Vorfahrt beim Abbiegen auf die Straße Baumgartenbrück und analog von dieser auf die Caputher Chaussee. Dass die Autofahrer auf der Umleitungsstrecke Vorrang haben, wissen manche trotz entsprechender Schilder nicht und halten den Verkehr auf. Wieder andere meiden jegliche Umleitungen und Schleichwege durch Geltow und fahren gleich durch Wildpark-West nach Potsdam. Dadurch dürfte auch der Ausweichverkehr auf der Geschwister-Scholl-Straße, der eigentlich von der Zeppelinstraße kommt, zugenommen haben.

Unbekannte Kabel und Schächte verlängern die Bauzeit

Der Bau der Linksabbiegerspur ist die erste Maßnahme in Hinblick auf den geplanten Rewe-Markt in der Hauffstraße in Geltow. Das alte Edeka-Gebäude soll noch in diesem Jahr abgerissen werden, um Platz für den neuen und größeren Supermarkt zu schaffen. Bei den Tiefbauarbeiten an der B 1 sind in den vergangenen Wochen Kabel und Schächte gefunden worden, die nicht zugeordnet werden konnten, wie Kerstin Hoppe sagte. Um die Spur in südliche Richtung verbreitern zu können, müsse eine Gasleitung umverlegt werden.

Nachdem klar war, dass die Bauarbeiten wohl noch bis zum 23. Oktober dauern, haben sich die Gemeinde Schwielowsee und Regiobus dafür eingesetzt, dass immerhin die Busse mit einer separaten Ampelschaltung in beiden Richtungen durch die Baustelle fahren können. Das funktioniert nun seit Schulbeginn so. Mittlerweile sorgen zwei Bedarfsampeln an der Kreuzung Caputher Chaussee/Hauffstraße dafür, dass Fußgänger und Radfahrer sicher über die Straße kommen.

Vollsperrung ab 24. Oktober geplant

In Abstimmung mit der Bauverwaltung der Gemeinde wolle sich die Firma bemühen, die Bauzeit zu verkürzen, sagte Kerstin Hoppe.

Wenn die Bauarbeiten für die Linksabbiegerspur abgeschlossen sind, folgt eine viertägige Vollsperrung der Straße.

Angesetzt ist diese voraussichtlich vom 24. bis 27. Oktober.

Grund ist die bereits für den August angekündigte Erneuerung der Deckschicht zwischen der Caputher Chaussee und der Straße Am Pappeltor.

Dafür hatte der Landesbetrieb Straßenwesen von Beginn an eine mehrtägige Vollsperrung vorgesehen.

Von Luise Fröhlich und Anne Knappe

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